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Problem Lehrermangel

Lehrer in der Schulcafeteria
Wissen und Bildung
© micromonkey - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

Fehlt es an Lehrern, bedeutet dieses Unterrichtsausfall durch hoch qualifiziertes Lehrpersonal. Neue Anreize fĂĽr den Lehrerberuf zu schaffen, ist eine wichtige Vorgehensweise, um langfristig Lehrermangel zu verringern. Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema.

Lesedauer:
6 min

Lehrermangel – Ursachen, Auswirkungen und mögliche Lösungen

Der Lehrermangel zeigt sich im Schulalltag auf vielfältige Weise. Fehlen qualifizierte Lehrkräfte, führt das zu Unterrichtsausfall, lückenhafter Betreuung und erheblichen Belastungen für das vorhandene Personal. Besonders stark betroffen sind die sogenannten MINT‑Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Dazu kommt ein Mangel an männlichen Lehrkräften in Grundschulen sowie eine Unterrepräsentation von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Selbst Schulleitungsstellen können teilweise nicht zeitnah besetzt werden, weil Bewerber fehlen. Klare Realität: An deutschen Schulen arbeitet vergleichsweise wenig junges Lehrpersonal.


Zahlenlage – und warum sie so problematisch ist

Laut Berechnungen des Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm (GEW, Pressemitteilung 2009) schieden zwischen 2007 und 2015 rund 300.000 Lehrkräfte aus dem Schuldienst aus, weitere 160.000 bis 2020. Gleichzeitig sinken zwar die Schülerzahlen, doch der Bedarf bleibt hoch.

Klemm errechnet:

  • bis 2015: jährlich 27.000 Neueinstellungen nötig
  • bis 2020: jährlich 25.000 Neueinstellungen nötig
  • fĂĽr Verbesserungen und Reformen: >30.000 Lehrer pro Jahr

Tatsächlich stehen angeblich nur 22.500–25.000 neu ausgebildete Lehrkräfte jährlich zur Verfügung.

Sein Fazit:
➡️ Der Lehrermangel betrifft künftig alle Fächer – auch solche, die bisher einen Überschuss hatten.

Beispiel MINT-Fächer

Im Herbst 2009 fehlten bundesweit rund 30.000 Lehrkräfte in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften. Viele Stellen wurden notgedrungen mit Seiteneinsteigern aus der Wirtschaft besetzt – oft ohne ausreichende pädagogische Ausbildung. Studien zufolge wurden etwa 5 % des gesamten Unterrichts durch Aushilfskräfte erteilt.

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Während Kultusministerien den Mangel häufig relativieren, zeigen Rückmeldungen aus Schulen ein anderes Bild:

  • kaum Vertretungskräfte
  • fehlende Referendare im ländlichen Raum
  • offene Stellen in Grund- und Hauptschulen
  • unbesetzte Leitungspositionen

Auch auf Landesebene widersprechen sich Angaben häufig. Beispiel Hessen (2010): Medien berichten von 600 fehlenden Lehrkräften an Berufsschulen, das Kultusministerium sah hingegen „keinen Bedarf“.


Gegenmaßnahmen – sinnvoll, aber oft nur kurzfristig

Seiteneinsteigerprogramme

Ein klassisches Mittel: akademische Fachkräfte aus der Wirtschaft werden pädagogisch nachqualifiziert. Beispiel Bayern (2011): 30 Diplomphysiker starten in einem Sonderprogramm in den Vorbereitungsdienst.
Problem: Die pädagogische Ausbildung ist verkürzt – Skepsis bleibt groß.

Einstellung pensionierter Lehrkräfte

Ehemalige Lehrkräfte werden freiwillig reaktiviert, häufig stundenweise.

Mehrarbeit und Mobilität

Finanzielle Anreize fĂĽr Mehrstunden, Versetzungen zwischen Schulen oder Landkreisen.

Internationale Kooperationen

Austauschprogramme mit osteuropäischen Ländern helfen punktuell, lösen das Problem jedoch nicht dauerhaft.


Langfristige Lösung: Den Lehrerberuf attraktiver machen

Um dauerhaft genügend qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen, braucht es strukturelle Veränderungen:

âś” bessere Arbeitsbedingungen

âś” hochwertige Ausbildung

✔ verlässliche Karrierewege

âś” ansprechende VergĂĽtung

âś” weniger BĂĽrokratie

âś” bundesweit einheitliche Einstellungsbedingungen

Aktuell konkurrieren Bundesländer miteinander um Nachwuchslehrer – wohlhabendere Länder sind im Vorteil. Das verschärft die Ungleichheit der Bildungschancen.

GEW‑Vorsitzender Ulrich Thöne forderte (KMK 2009) einen bundesweiten Lehrerarbeitsmarkt, um gleiche Bedingungen für alle zu schaffen.

Fehlende Planbarkeit fĂĽr Nachwuchslehrer

Trotz Lehrermangels gibt es oft:

  • keine Garantie auf einen Referendariatsplatz
  • befristete Anstellungen
  • Entlassungen ĂĽber die Sommerferien
  • Ablehnungen von Bewerbern selbst fĂĽr Mangelfächer

Beispiel Rheinland-Pfalz (2010):
Von 800 Bewerbern für das Referendariat an Gymnasien und Gesamtschulen wurden nur 200 eingestellt – selbst Bewerber aus Bedarfsfächern abgelehnt.


Mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund – Potenzial ungenutzt

Der Anteil von Lehrkräften mit Migrationshintergrund liegt bundesweit bei nur 1,2 %. Dabei wären gerade sie wichtige Brückenbauer im Schulalltag.

Studien der Freien Universität Berlin (2010) zeigen:

➡️ Lehrkräfte mit Migrationshintergrund können als „change agents“ wirken – sie stärken interkulturelle Schulentwicklung, entlasten Kollegien und wirken Vorurteilen entgegen.

Initiativen existieren, z. B.:

  • „Horizonte“ der Hertie-Stiftung
  • Programme der Otto Benecke Stiftung

Doch flächendeckende Maßnahmen fehlen.


Kommentar: Es reicht nicht, Lehrermangel zu benennen

Der Lehrermangel ist eines der größten Zukunftsthemen Deutschlands. Ohne konsequente Gegenmaßnahmen verschärft sich die Lage weiter.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Der Mangel in MINT-Fächern schadet der Wirtschaft nachhaltig.
  • Deutschland braucht dringend eine neue Kultur der Wertschätzung fĂĽr Bildung.
  • Gute SchĂĽlerleistungen hängen maĂźgeblich von gut ausgebildetem Lehrpersonal ab.
  • Halbherzige, kurzfristige MaĂźnahmen („Flickschusterei“) reichen nicht.
  • Der Lehrerberuf muss deutlich attraktiver werden.
  • Mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund könnten einen wichtigen Beitrag leisten.
  • Letztlich fehlt es häufig weniger am Wissen – sondern am politischen Willen und am Mut zu investieren.

Deutschland braucht für eine gute Zukunft nicht nur saubere Umwelt und Digitalisierung – sondern exzellent ausgebildete Lehrkräfte, die ein hohes Bildungsniveau ermöglichen.


Links & Literatur

Links:

Netzwerk Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte
Das Projekt „Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte“ wurde im Jahr 2007 vom Ministerium für Schule und Weiterbildung in Kooperation mit dem nordrhein-westfälischen Integrationsministerium initiiert.

SĂĽddeutsche Zeitung. de: KĂĽnftig noch weniger Lehrer fĂĽr Mathe und Physik (nach Studie von Bildungsforscher Klaus Klemm)
http://www.sueddeutsche.de/bildung/bildungsstudie-kuenftig-noch-weniger-lehrer-fuer-mathe-und-physik-1.2314093

Literatur:

  • Jahresheft 2010 Lehrerarbeit - Lehrer sein. Friedrich Verlag 2010
     
  • LĂĽtge, Jessica: So läuft's rund im Referendariat. Verlag an der Ruhr 2010
     
  • McCourt, Frank: Tag und Nacht und auch im Sommer: Erinnerungen (Teacher Man ist der Titel im englischen Original). Luchterhand Literaturverlag 2006

Zuletzt aktualisiert am: 09.02.2026

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Themen:
Schule
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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