Erfolgreich lernen mit Üben
Erfolgreich lernen mit Üben
Üben wird gelegentlich mit Monotonie und autoritärem, geistlosem Drill verbunden. „Wer einmal etwas verstanden hat, muss nicht üben“, denken viele Übungsgegner. Üben erfordert Geduld und Zeit und entbehrt ein wenig der Magie des Neuen. Wie steht es also um den Wert des Übens für erfolgreiches Lernen?
Monotones Üben früher: Pattern Drills im Fremdsprachenunterricht
In den 1960er- und 1970er‑Jahren prägten sogenannte Pattern Drills den Fremdsprachenunterricht. Dabei wurden Satzmuster mechanisch eingeprägt, indem Lernende:
- vorgegebene Sätze nachsprachen, häufig im Chor
- vorstrukturierte Satzmuster wiederholten
- Inhalte ohne praktischen Bezug einübten
Diese Übungsform sollte sprachliche Strukturen „einmeißeln“. Der Erfolg blieb jedoch meist aus – die Übungen wirkten eintönig, wenig motivierend und berücksichtigt das menschliche Lernen kaum.
Grundlage dieser Methode war ein behaviouristisches Reiz‑Reaktionsmodell, das psychische und kognitive Prozesse vernachlässigte. Solche Drills haben im modernen Fremdsprachenunterricht keinen Platz mehr.
Warum Üben dennoch wichtig ist
Üben als natürlicher Lernprozess
Kinder zeigen uns, warum Üben sinnvoll ist: Sie wiederholen mit Freude neu Erlerntes, sie testen, probieren aus und setzen an – ganz ähnlich wie Üben bei älteren Lernenden.
Üben ermöglicht:
- Automatisierung von Fertigkeiten
- Erkennen persönlicher Schwächen
- Entwicklung neuer Problemlösestrategien
- schrittweisen Kompetenzaufbau
Üben als Ausdruck von pädagogischem Optimismus
Üben vermittelt, dass Fähigkeiten entwickelbar sind – nicht angeboren oder festgeschrieben. Lernende erfahren:
„Mit Arbeit kann ich besser werden.“
Das unterstützt Motivation und Resilienz.
Bedeutung im Unterricht
Üben hilft:
- Inhalte zu behalten
- Wissen verfügbar zu machen
- Transferleistungen zu ermöglichen
- komplexere Aufgaben zu bewältigen
Es ist in allen Phasen des Lernens sinnvoll – auch zur Einführung neuer Inhalte.
Üben mit digitalen Medien und Lernsoftware
Wie Üben effektiv wird
Für nachhaltigen Übungserfolg sollten Lernende:
- regelmäßig üben
- realistische, kurze Einheiten wählen (ca. 10 Minuten)
- Übungsphasen angenehm gestalten
- in Belastungssituationen Ausnahmen zulassen
- in Ferien bewusst pausieren
Vorteile digitaler Übungsformen
Das Internet ist für Kinder und Jugendliche das beliebteste Medium – ideal für Lernsoftware. Digitale Programme bieten:
- Übungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden
- Fehlerdokumentation und Wiederholungsangebote
- motivierende Highscore‑Listen
- Rückmeldungen und Tipps bei Fehlern
- individuelle Anpassung für einzelne Kinder
- Klassenlizenzen zur Integration in den Unterricht
Lernprogramme erleichtern die individuelle Förderung und entlasten Lehrkräfte.
Wann Üben kontraproduktiv wird
Grenzen des Übens
- Bei spezifischen Lernstörungen (z. B. Dyskalkulie) helfen Standardübungen wenig, da grundlegende Verständnisprobleme bestehen.
- Üben ist wirkungslos, wenn Lernende müde, abgelenkt oder emotional belastet sind.
- Motivation spielt eine entscheidende Rolle.
Musik beim Üben?
Ob Musik beim Arbeiten hilft oder stört, ist nicht abschließend geklärt. Viele Kinder können durchaus mit Musik üben, ohne dass der Lernerfolg leidet. Andere benötigen absolute Ruhe.
Gefahren durch schematisches Üben
Wird nur ein Übungsmuster eingeprägt, kann dies zu Problemen führen:
- Geringe Abweichungen in Klassenarbeiten fallen nicht auf.
- Muster werden unkritisch angewendet.
- „Übertrainierte“ Texte (z. B. Diktate) verhindern flexible Aufmerksamkeit.
Die Lösung: Variation, nicht Wiederholung im identischen Format.
Üben als Vorbereitung auf Prüfungen
Prüfungen haben feste Termine – daher lohnt sich ein klarer Übungsplan. Sinnvoll sind:
- frühzeitige Planung
- konsequente Umsetzung
- strukturierte Wiederholungsphasen
- gemeinsame Übungssitzungen mit Mitschüler*innen
Jüngere Kinder benötigen hierbei intensive Unterstützung durch Eltern und Fachlehrkräfte. Ältere Schüler*innen profitieren von eigenständig erstellten Plänen.
Kommentar: Moderne Übungskultur
Üben hat seinen festen Platz in der Lernpsychologie – und bleibt wichtig. Der entscheidende Unterschied zu früher:
- Üben muss abwechslungsreich, motiviert und sinnvoll eingebettet sein.
- Digitale Medien eröffnen neue Chancen: Feedback, Fehleranalyse, spielerische Motivation.
- Qualitativ hochwertiges Material – am besten aus geprüften Quellen wie Schulbuchverlagen – ist unerlässlich.
Gerade ältere Schüler*innen profitieren von Übungsformen, die Gamification‑Elemente bieten (Highscore‑Listen, digitale Belohnungen).
Und: Übungseifer muss gepflegt werden – denn „Übung macht den Meister“ gilt weiterhin.
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Link- & Buchtipps
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- Antolin ist ein webbasiertes Programm zur Leseförderung des Schroedel Verlages geeignet für die Klassen 1-10
www.antolin.de - Lehrwerkunabhängige Übungen für den Matheunterricht bis Klasse 7
www.mathepirat.de - Lehrwerkunabhängiges Mathematik-Online-Programm für die Klassen 2 bis 4.
www.zahlenzorro.de - Online-Lernprogramm für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch mit Übungen für Klasse 1 bis 4
www.alfons.de - Online-Nachhilfe und Lernportal für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch
www.kapiert.de
Buchtipps
Bönsch, Manfred
Nachhaltiges Lernen durch Üben und Wiederholen.
Schneider Verlag Hohengehren 2010
Paradies. L./Linser H.:
Üben, Wiederholen, Festigen.
Praxisbuch für die Sekundarstufe I und II.
Berlin 2003
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.