Bauern- und Wetterregeln von der Natur abgeschaut
Bauern- und Wetterregeln von der Natur abgeschaut
Den Blick zum Himmel gerichtet und dabei die Frage auf den Lippen: „Wie wird das Wetter?“ Das beschäftigt die Menschen schon immer. In der heutigen Zeit übernimmt die wissenschaftliche Wetterbeobachtung eine recht große Rolle. Trotzdem haben die althergebrachten Bauernregeln ihre Berechtigung. Dieser Beitrag gibt Anregungen, um einige ausgewählte Regeln mit den Kindern gemeinsam in deren Lebensraum zu erforschen.
Begrifflichkeiten der Wetterbeobachtung
Die Beobachtung des Wetters hat eine jahrtausendealte Tradition. Für die Landwirtschaft waren genaue Erkenntnisse über Wärme, Kälte, Regen oder Sturm lebenswichtig – sie ermöglichten Vorhersagen zur Ernte, zum Pflanzen oder Ernten und zur Tierhaltung. Viele Begriffe, die heute im Alltag genutzt werden, stammen aus dieser praktischen Erfahrungswelt.
Wetterregeln
Wetterregeln beruhen auf Beobachtungen der Natur, häufig über viele Generationen hinweg. Sie lassen Rückschlüsse auf kurzfristige Wetterveränderungen zu, ohne wissenschaftliche Zusammenhänge zu erklären. Besonders in ländlichen Regionen bildeten diese Regeln eine Art überliefertes Erfahrungswissen.
Bauernregeln
Bauernregeln beziehen sich meist auf sichtbare Wettererscheinungen, aber auch auf Veränderungen in Pflanzenwelt und Tierverhalten. Sie basieren auf regionalen Erfahrungen und Überlieferungen. Wichtig: Bauernregeln erklären kein Wetter – sie beschreiben, was traditionell bei bestimmten Bedingungen erwartet wurde.
Lostage
Lostage gelten als Schlüsseldaten, die das Wetter in einem bestimmten Zeitraum „vorhersagen“ sollen. Sie stützen sich auf viele wiederkehrende Beobachtungen und sind häufig mit katholischen Heiligennamen verknüpft.
Es gibt weitere Einteilungen wie:
- Festtagsregeln
- Wochentagsregeln
- Monatsregeln
Schwendtage
Schwendtage – auch „verworfe Tage“ – galten als ungünstige Tage, an denen man nichts Wichtiges beginnen sollte. Der Begriff leitet sich von „verwerfen“ ab (u. a. für Fehlgeburten bei Tieren). Noch heute findet er sich in der Redewendung: „Diese Idee kann ich mir schenken / verwerfen.“
Historische Betrachtungen
Viele Bauernregeln haben antike Wurzeln. Schon die Römer entwickelten Kalender und Regeln für Ackerbau, Viehhaltung und Wetterbeobachtung.
Ein bedeutendes Werk ist die „Georgica“ von Vergil (70 v. Chr.–19 v. Chr.). In vier Büchern beschreibt er Ackerbau, Obst-, Wein- und Viehwirtschaft sowie Mythen und Reflexionen. Seine Überlieferungen beeindruckten Bauern über Jahrhunderte.
Die ältesten deutschsprachigen Sammlungen von Bauernregeln stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert:
Das „Wetterbüchlein“ (1505)
- bis 1538 in 17 Ausgaben veröffentlicht
- erstes Volksbuch mit systematischer Sammlung von Wetterregeln, basierend sowohl auf antiken Quellen als auch auf eigenen Beobachtungen
- enthält zusätzlich astrologische Hinweise
Die „Bauernpraktik“ (1508)
Beschrieb Voraussagen, vor allem aus dem Wetter der Weihnachtstage und der Zeit bis Epiphanias.
Der „Hundertjährige Kalender“
Zwischen 1652 und 1658 beobachtete Abt Mauritius Knauer im Kloster Langheim das Wetter und dokumentierte es sorgfältig. Seine Aufzeichnungen verbreiteten sich schnell.
Erst 1721 erhielt der Kalender durch einen Verleger den Namen „Hundertjähriger Kalender“ – im Volksmund bis heute bekannt.
Aufbau von Bauernregeln
Sie treten gereimt oder ungereimt auf und sind meist als Konditionalsatz formuliert:
- Nebensatz (Bedingung): beginnt mit wenn oder falls
- Hauptsatz (Folge): beschreibt das erwartete Wetterereignis
Beispiel:
„Wenn es am Siebenschläfer regnet, so regnet es noch sieben Wochen.“
Was gibt es zu tun? – Tipps und Anregungen
Das Kennenlernen von Bauernregeln bietet Kindern vielseitige Lernanlässe:
- sie beobachten die Natur aktiv
- vergleichen Regeln mit realen Wetterverläufen
- üben Sprache, Rhythmus und Struktur von Sprüchen
- entdecken historische Hintergründe
- arbeiten fächerübergreifend (Deutsch, Sachunterricht, Kunst)
Buch- und Linktipps
Inhalte für Projekte
- Monatsweise Bauernregeln sammeln
- Wahrheitsgehalt überprüfen
- Hefte im Schulhaus ausstellen
- PowerPoint oder Webseite gestalten
- Präsentationen in anderen Klassen oder vor Eltern
Literatur
- Bernhard Michels: Abendrot – Schönwetterbot. Wetterzeichen richtig deuten
- Horst Leisering: Wetter- und Bauernregeln
- Der Hundertjährige Kalender, hrsg. A. Gaugler, B. Brehm
Quellen (Auswahl)
(1) www.brauchtumsseiten.de
(2) www.bauernregeln.net
(3) de.wikipedia.org/wiki/Georgica
(4–7) de.wikipedia.org/wiki/Wetterbüchlein
(8) www.zeno.org/Meyers-1905/A/Bauernpraktik
(9) Der Hundertjährige Kalender, Bertelsmann 1994
Linktipps
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.