Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Unsere Vogelwelt - Standvögel, Zugvögel, Teilzieher

von Jörg Sauer



© Marc Toutain - Fotolia.de
Betrachtungen und Beobachtungen in unserer Vogelwelt

Eine stattliche Anzahl an Vogelarten brütet in Deutschland. Dazu kommen noch diejenigen, die im Herbst bzw. Frühjahr unserer Land durchqueren. Bezogen auf das Verhalten der Vögel in der kalten Jahreszeit ist eine Klassifizierung nach Stand- bzw. Zugvögeln möglich.

Im Mittelpunkt der heutigen Betrachtungen stehen die sich bietenden Möglichkeiten der unterrichtlichen Nutzung bezogen auf die das ganze Jahr bei uns lebenden Vögel.

Die wichtigsten Begrifflichkeiten


Standvögel
Diese leben das gesamte Jahr hindurch in ihrem heimatlichen Gebiet. Man spricht daher auch oft von Jahresvögeln, weil sie sich an die örtlichen Lebensbedingungen angepasst haben. In der kalten Jahreszeit fressen diese Arten überwiegend Samen, trockene Früchte und Körner, da es nur noch wenige Insekten und Würmer gibt.

Zugvögel
In dieser Gruppe werden alle Vögel zusammen gefasst, die nur die warmen Monate bei uns verbringen. Man nennt sie deshalb auch Sommervögel. Beginnend im Spätsommer bis in den Herbst hinein fliegen die Vögel entsprechend ihrer Art in die Länder des südlichen Europas bzw. legen weite Strecken bis weit in den afrikanischen Kontinent hinein. Als der weiteste Flieger gelten die Schwalben.

Die Rückkehr der Zugvögel geschieht wieder entsprechend ihrer Art bis in den Monat April hinein.

Teilzieher
In dieser Gruppe fasst man die Vögel zusammen, die in den Wintermonaten nicht alle in die wärmeren Gebiete des Südens ziehen. Entsprechend dem jeweiligen Angebot an Futter legen die Vögel nur kürzere Strecken zurück.
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Veränderungen bezüglich des „Zugverhaltens“
In einer Zeile des sehr bekanntes Frühlingsliedes „Alle Vögel sind schon“ heißt es: „Amsel, Drossel, Fink und Star…“. Der Dichter Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874) verleiht seiner großen Freude über die Ankunft der gefiederten Frühlingsboten Ausdruck. Er verfasste diesen Text:“… etwa im Jahre 1835…“1. Der Komponist Ernst Heinrich Leopold Richter(1805 bis 1876) vertonte und veröffentlichte es zwei Jahre später.

Einige der in dem Lied benannten Vögel gehören nun nicht mehr zu den Zugvögeln, da sich zum einen die klimatischen Bedingungen änderten und zum anderen die Besiedlung zunahm. Amseln, Drosseln, Finken verbleiben in ihren Brutgebieten, da sie auch immer Winter genügend Nahrung finden. Man kann auch beobachten, dass immer viele Stare nicht mehr wegziehen.

Quellen:
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Alle_V%C3%B6gel_sind_schon_da

Auswahl wichtiger einheimischer Standvögel


Amsel (Turdus merula)
Spechte (Picidae)
Blaumeise (Cyanistes caeruleus, Syn. Parus caeruleus)
Kohlmeise (Parus major)
Rotkehlchen (Erithacus rubecula)
Kleiber (Sitta europaea)
Eichelhäher (Garrulus glandarius)
Stieglitz (Carduelis carduelis
Grünfink (Carduelis chloris)
Haussperling (Passer domesticus)

Unterrichtsideen


Allgemeine Hinweise und Tipps beim Beobachten der Natur

Die praktischen Erlebnisse und Erfahrungen der Kinder im Umgang mit der Natur sollen bei ihnen zu einem größtmöglichen „Behaltenseffekt“ führen. Dazu zählen auch die folgenden grundlegenden Regeln, die es gilt einzuhalten. Hier eine Auswahl, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

* keine Zweige oder Äste abbrechen,
* Pflanzen oder Teile von ihnen nicht pflücken
* keine Tiere zertreten (z. B. „unschöne“ Käfer,…),
* nichts an Früchten essen,
* Tiere nicht aufscheuchen,
* „bebaute“ Felder nicht betreten oder
* jeglichen Abfall in einer gesonderten Tüte o. ä. mit nach Hause nehmen, um ihn dort sachgerecht zu entsorgen.

<>Vorüberlegungen aus pädagogischer Sicht

„Ich höre und ich vergesse. Ich sehe und ich erinnere mich. Ich mache und ich verstehe.“

Dieses alte chinesische Sprichwort fasst alles Wichtige kurz zusammen. Jeder kennt das aus seinem eigenen Erleben, dass sich das fester einprägt, was ich aktiv bestritten habe. Daher müssen wir unseren Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten geben, praktische Erfahrungen machen zu können.

Bezogen auf unser Thema geht es hauptsächlich um die Entwicklung von den fachspezifischen Arbeitsweisen des Betrachtens, Beobachtens und des Beschreibens. Die erstgenannten Tätigkeiten beruhen auf dem visuellen Erleben. Dabei ist es wichtig, beide voneinander abzugrenzen, um genaue Aufgabenstellungen für die Kinder zu erstellen.

Merkmale des Betrachtens:

* Eine Schülerin oder ein Schüler wendet sich einem Gegenstand oder Tier der/das sich in Ruhe befindet (Vögel auf einem Ast oder auf dem Fensterbrett sitzend, Originale betrachten, Modelle nutzen, Skizzen oder Karten einsetzen, Bilder betrachten, ...) zu.

* Zielstellung: Ermittlung der wichtigsten Merkmale eines Tieres oder eines Gegenstandes Merkmale des Beobachtens:

* schließt Betrachten mit ein,
* Kinder wenden sich einem Vorgang, einem Verlauf zu
* Beziehungen des Objektes/Tieres zu seiner natürlichen Umwelt,
* …. zu einer der Natur nachgebildeten Umwelt,
* ein rekonstruierter oder konstruierter Vorgang

Die beiden nachfolgenden Schrittfolgen haben sich bewährt:

Betrachten eines Tieres oder eines Gegenstandes

* Zunächst den gesamten „Gegenstand“, dann erst einzelne Teile betrachten.
* Unterscheidung nach wesentlichen und unwesentlichen Merkmalen
* Zusammenfassung wesentlicher Merkmale
* Erklärung(en) für die wesentlichen Merkmale
* Ergebnisse mit der Aufgabe vergleichen.

Beobachtens eines Vorganges oder des Verhalten eines Tieres

* Versuchen, den Gesamtvorgang oder das Gesamtverhalten zu beobachten.
* Den Vorgang in Abschnitte einteilen.
* Wesentliches und Unwesentliches bestimmen.
* Wesentliches zusammen fassen.
* Ursache(n) für beobachtete Veränderungen finden lassen.
* Ergebnisse mit der Aufgabenstellung vergleichen lassen.

Die Fächer und ihre Möglichkeiten

Als Einstieg bietet es sich an, in einem kleinen überschaubaren Gebiet die vorhandenen Vögel zu beobachten. Diese Tätigkeit sollte schon im Grundschulalter immer weiter entwickelt werden. Auch dieses Thema bietet Möglichkeiten, verschiedene Fächer in ein Projekt einzubinden oder fächerverbindende Aspekte zu nutzen. Das Niveau und der Umfang des Projektes sind vom jeweiligen Alter der Kinder und von der aktuellen Klassensituation abhängig. Nicht alle Vorschläge müssen hierbei umgesetzt werden.

Sachunterricht/Biologie

* Betrachten und Beobachten der Vögel u. a.
* Flugverhalten
* Verhalten auf dem Boden
* Gefieder
* Schnabelform
* Größe
* Gestalt
* Flügel
* Beine
* Schwanz
* „Gesang“
* Untersuchungen zum Standort, wo sich die o . g. Vögel aufgehalten haben
* Bodenbeschaffenheit,
* Temperatur,
* Lichtverhältnisse,
* Gebäude
* Umfeld

Tipp: Nach Möglichkeit Fotos der beobachteten Vögel machen.

Deutsch/Arbeiten mit dem Computer

* Steckbrief erstellen

* ggf. selbstgemachte Fotos einfügen
* Arbeiten mit Naturführern oder Internetrecherche zur Entnahme wichtiger Informationen
* Geschichten lesen und erfinden

Geografie

Erstellen einer örtlichen Übersichtskarte (z. B. Schulumgebungsplan, Schulgarten, Ortsplan,…) wo welche Vogelarten gefunden wurden

Mathematik

Vergleiche von besonderen Merkmalen (z. B. Größe und Gewicht der Vögel)

Werken

* Vogelhäuschen bauen
* Meisenringe selbst machen

http://naturkinder.typepad.com/naturkinder/2011/01/meisenringe-und-co-selber-machen.html

Kunst

* Erstellen von Collagen
* Bildpräsentationen

Im Anschluss an das Projekt bietet es sich an, eine "Ausstellung über unsere Jahresvögel“ im Schulhaus durchzuführen. Im Rahmen der Öffnung der Schule können auch Eltern bzw. Großeltern eingeladen werden.

Links & Literatur


Buchtipps

Aus dem zahlreichem Angebot an Naturführern möchte ich den sehr praktischen „BLV Naturführer für unterwegs“ empfehlen.
Ein spannendes Erlebnis um die Rettung einer kleinen Amsel wird in dem Buch: „Abenteuer Amselrettung“ erzählt. Insbesondere für die jüngeren Schulkinder ist dieses Buch geeignet.


Weiterführende Links

www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/..
www.kidsweb.de/tiere/voegel_im_winter/vogel_im_winter_start.html
www.wildvogelhilfe.org/sonderbeitraege/grundwissen/vogelzug.html

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