Wichtiger denn je: Vorlesen (aber richtig)
Wichtiger denn je: Vorlesen (aber richtig)
Wenn Timo und sein Papa sich zusammen aufs Sofa kuscheln und Papa seine Lesebrille aufsetzt, beginnt für beide ein heiß geliebtes Ritual: das abendliche Vorlesen. Abtauchen in die Welt der Geschichten und Abenteuer macht Spaß und ist eine einzigartige Gelegenheit Zeit miteinander zu verbringen.
Vorlesen: Mehr als nur Vergnügen
Vorlesen macht Kindern nicht nur Spaß – es bietet zahlreiche pädagogische Vorteile. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, lernen Sprache schneller: Sie entwickeln ein besseres Gefühl für Grammatik und Sprachregeln, erweitern ihren Wortschatz und tun sich beim Schreibenlernen leichter.
Darüber hinaus werden Kreativität und Fantasie gefördert. Geschichten liefern zudem Anlässe, über die Welt zu sprechen: Warum rauben die Piraten andere aus? Kann Pippi Langstrumpf wirklich ein Pferd hochheben? Was haben Dinosaurier tatsächlich gefressen? Auch moralische Vorstellungen über Richtig und Falsch oder allgemeine Lebensregeln lassen sich in vielen Geschichten entdecken, besonders in Märchen.
Beim Vorlesen ziehen sich Eltern und Kinder gemeinsam in eine kleine Welt zurück. Damit dies besonders gut gelingt, helfen die folgenden Tipps:
Für Atmosphäre sorgen
Am Esstisch geht es auch – richtig gemütlich wird Vorlesen aber oft auf Sofa oder Bett, wo Kinder sich wohlfühlen und leicht kuscheln können. Fernseher, Radio oder Computer sollten währenddessen pausieren.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Vorlesen ist jederzeit möglich, besonders geeignet ist jedoch der Abend, um zur Ruhe zu kommen. Dann sind meist alle Aufgaben erledigt, und Erwachsene können sich ganz auf die gemeinsame Zeit konzentrieren.
Wiederholungen zulassen
Gerade jüngere Kinder lieben es, Geschichten mehrfach zu hören. Klassiker wie „Bob der Baumeister“ oder „Conny auf dem Bauernhof“ dürfen ruhig öfter vorgelesen werden. Durch Wiederholung prägen sich Wörter, Sprachmelodie und Grammatik besonders gut ein. Neue Bücher aus Bücherei oder Bücherregal erweitern das Repertoire behutsam. Kinder sollten die Vorlesebücher selbst aussuchen dürfen – so steigt der Spaß am Lesen.
Auf Kinder eingehen
Eltern wissen meist, woran ihr Kind gerade interessiert ist und welche Inhalte altersgerecht sind. Achten Sie darauf, dass Geschichten weder zu lang noch sprachlich zu schwierig sind, und nehmen Sie sich die Zeit, die nötig ist, um auf Fragen oder Kommentare einzugehen.
Bücher zugänglich machen
Kinderbücher sollten leicht erreichbar sein, nicht oben im Regal stehen. So können Kinder auch allein zum Buch greifen. Auch wenn nicht jedes Kind sofort zur Leseratte wird, führt die Zugänglichkeit schon die Kleinsten ganz selbstverständlich an die Schriftkultur heran.
Nachfragen und Austauschen
Fragen und Kommentare während des Vorlesens sind ausdrücklich erwünscht. Das Gespräch über das Gehörte vertieft das Verständnis und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind.
Lebendig vorlesen
Perfektion ist nicht nötig – wichtig ist, Spaß beim Vorlesen zu haben. Langsames, deutlich artikuliertes Lesen überträgt sich automatisch auf das Kind. Wer mag, kann Charakteren eigene Stimmen verleihen oder die Lesestimmung anpassen. So wird das Vorlesen zu einem lebendigen, gemeinsamen Erlebnis – und Sie sind gleichzeitig Sprachvorbild.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.