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Ich mag die Lehrerin/den Lehrer meines Kindes nicht ...

Mädchen meldet sich im Unterricht
Wissen und Bildung
© MAK - Fotolia.de
von Manon Sander

Viele Eltern bekommen irgendwann von ihrem Kind zu hören, dass der Lehrer das Kind ablehne. Andere haben vielleicht selbst den Eindruck, dass eine Lehrkraft ihr Kind "auf dem Kieker" hat. Wie reagiert man jetzt?

Lesedauer:
4 min

Schwierige Beziehungen zu Lehrkräften verstehen

Erste Irritationen nach der Einschulung

Erwartungen und Realität

Es beginnt oft positiv: Schultüte, neuer Ranzen, eine schöne Einschulungsfeier – und dann stellt man bei der Vorstellung der Lehrkräfte fest, dass eine bestimmte Lehrerin oder ein Lehrer nicht geeignet erscheint, das eigene Kind zu unterrichten.

Später entstehende Abneigungen

Abneigung gegenüber einer Lehrkraft kann sich aber auch erst später entwickeln – in der Grundschule oder später. Das ist normal und kann verschiedene Ursachen haben, etwa unterschiedliche Erziehungsstile, persönliche Sympathien oder die Angst, das Kind könne eine andere Bezugsperson „mehr mögen“.

Wenn die Chemie nicht stimmt

Unproblematische Situationen akzeptieren

Kommt das Kind gut zurecht und läuft schulisch alles rund, sollten Eltern eigene Vorbehalte nicht zum Thema machen. Die wenigen Begegnungen mit der Lehrkraft sollten freundlich bleiben – im Sinne des Kindes.

Schwierige Situationen begleiten

Schwieriger wird es, wenn das Kind sich beschwert und man die Situation nachvollziehen kann. Eltern mĂĽssen dann eine Balance finden:

  • Das Kind ernst nehmen,
  • aber nicht die eigene Abneigung zu deutlich zeigen.

Ein Kind zu bestärken, indem man offen sagt, man möge die Lehrkraft auch nicht, kann die Situation verschlimmern. Besser ist: Verständnis zeigen, gleichzeitig erklären, dass Lehrkräfte meist Gründe für ihr Verhalten haben.
Bei zunehmenden Problemen sollte ein Gespräch mit der Schule folgen.

Ursachen und Umgangsweisen im Detail

Unterschiedliche Erziehungsstile

Strenger oder zu lockerer Unterricht?

Legen Lehrkräfte z. B. übertrieben Wert auf Ordnung oder loben selten, hilft ein Austausch mit anderen Eltern. Auf Stammtischen können Missverständnisse geklärt werden.
Manchmal erleben Kinder Dinge ganz anders als Erwachsene – und in einer Klasse mit über 20 Kindern braucht es gelegentlich klarere Ansagen.

Fehlende Struktur im Unterricht

Umgekehrt kann ein sehr lockerer Unterricht irritieren. Dann lohnt sich ein offenes Gespräch über pädagogische Konzepte und deren Hintergründe. Manchmal wirkt sich diese Art des Lernens sogar positiv auf Kreativität und selbstständiges Arbeiten aus.

Wahrnehmungen richtig einordnen

Sensible Kinder berichten anders

Eltern sollten bedenken: Kinder schildern Situationen aus ihrer eigenen Perspektive.
Ein Kind, das nur hört, wie mit anderen geschimpft wird, glaubt schnell: „Die Lehrerin schimpft immer.“ In Wahrheit richtet sich der Ton vielleicht an einzelne Kinder, die mehr Führung benötigen.

Professionelle Distanz

Lehrkräfte sollten nicht zu „Freunden“ der Eltern werden. Zu viel Nähe kann Professionalität beeinträchtigen. Eltern und Lehrkräfte arbeiten in einer Bildungspartnerschaft, aber mit unterschiedlichen Rollen:

  • Eltern kennen ihr Kind besser als jeder andere.
  • Lehrkräfte bringen pädagogische Ausbildung und Erfahrung mit, die dem Kind Chancen eröffnen.

Gute Gespräche führen und Lösungen finden

Gespräche mit Lehrkräften

Sachlich bleiben

Persönliches wie Kleidungsstil, Hobbys oder Religion spielt in Elterngesprächen keine Rolle, solange das Kind nicht betroffen ist. Wichtiger ist:

  • Verständnis zeigen,
  • Interesse signalisieren,
  • Anregungen nicht als Angriff werten.

UnterstĂĽtzung suchen

Wenn das Verhältnis zur Lehrkraft stark belastet ist, kann es helfen:

  • eine Beratungslehrkraft hinzuzuziehen,
  • nicht allein in Gespräche zu gehen,
  • oder in Ausnahmefällen die Schulleitung einzubeziehen.

Letzteres kann klären, aber auch Spannungen verstärken – daher mit Bedacht wählen.

Das Kind stärken

Realistische Erwartungen vermitteln

Eltern sollten sich bewusst machen: Das Kind muss mit der Lehrkraft zurechtkommen, nicht die Eltern. UnterstĂĽtzung bedeutet darum auch, eigene Sichtweisen nicht um jeden Preis durchsetzen zu wollen.

Unterschiedliche Menschen akzeptieren

Ist eine Lehrkraft besonders ordentlich oder streng, sollten Eltern ihrem Kind helfen, die Anforderungen dennoch zu erfüllen. Gleichzeitig können sie erklären, dass Menschen verschieden sind – und dass es eine wichtige Fähigkeit ist, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten klarzukommen.

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Elterngespräche
Sympathie
Austausch
Elternabend
Lehrer
Erziehung
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Manon Sander

Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und auĂźerdem Autorin fĂĽr Fach- und KinderbĂĽcher.

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