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Digitalisierung

– lernen Kinder heute anders?

Ein Schüler arbeitet an einem Tablet und eine Lehrerin erklärt ihm etwas.
Wissen und Bildung
© Bild von zinkevych auf Freepik
von Christine Kammerer

Die digitale Revolution hat nicht nur zu einem Wandel der Kommunikations- und Arbeitsformen geführt, sie hat auch die Bildungslandschaft grundlegend verändert. Traditionelles Lernen mit Büchern und Kreidetafeln weicht zunehmend einem digitalen Lernumfeld, geprägt von interaktiven Medien und Online-Ressourcen.

 

Lesedauer:
3 min

Digitalisierung im Bildungsbereich – Chancen, Grenzen und der Wert analoger Methoden

Digitalisierung gilt derzeit als vermeintlicher Königsweg für alle Altersstufen und Lernbereiche. Doch viele Wirkungen digitaler Medien auf Entwicklung, Lernen und Bildung sind wissenschaftlich nach wie vor unzureichend untersucht. Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass digitale Medien auch deutliche Nachteile und Risiken mit sich bringen – besonders dann, wenn traditionelle Lernformen in den Hintergrund geraten. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen analogem und digitalem Lernen ist daher entscheidend.

Digitale Medien im Unterricht – Potenzial und Herausforderungen

Smartboards ersetzen Tafeln, Tablets Schulhefte – digitale Lerntechnologien eröffnen zweifellos neue Wege. Sie ermöglichen individualisiertes Lernen durch:

  • adaptive Lernsoftware,
  • personalisierte Lernplattformen,
  • interaktive Aufgaben, Videos, Animationen und Quizformate.

Diese Methoden können Lernmotivation steigern, Inhalte anschaulicher machen und nebenbei digitale Grundkompetenzen vermitteln – Fähigkeiten, die heute für viele Berufsfelder relevant sind.

Anforderungen an Selbstständigkeit und Ausstattung

Digitale Lernprozesse setzen jedoch hohe Selbstdisziplin und Motivation voraus. Viele Schülerinnen und Schüler verfügen (noch) nicht über die nötige Selbstorganisation und fühlen sich schnell überfordert. Hinzu kommt: Nicht alle Haushalte sind technisch ausreichend ausgestattet – ein Problem, das Bildungsungleichheit verstärkt.

Risiken der Digitalisierung im Bildungsbereich

Neben Chancen mĂĽssen Risiken klar benannt werden.

Datenschutz und Privatsphäre

Digitale Lernplattformen verarbeiten persönliche Daten. Der Schutz dieser Daten hat höchste Priorität. Schulen und Bildungsbehörden benötigen:

  • verbindliche Datenschutzrichtlinien,
  • klare Zuständigkeiten,
  • transparente Prozesse im Umgang mit sensiblen Informationen.

Zugleich sollten Kinder und Jugendliche grundlegende Kompetenzen zum Umgang mit Daten und digitalen Quellen erwerben.

Problematische Informationsqualität

Viele digitale Aktivitäten finden außerhalb des Unterrichts statt. Entscheidend ist dabei, dass Jugendliche oft nicht sicher einschätzen können, ob Online-Informationen korrekt oder zuverlässig sind.

Nur rund ein Drittel der Jugendlichen findet es laut einer Studie einfach zu überprüfen, ob Online‑Informationen wahr sind. Fehlinformationen, unzuverlässige Quellen und Fake News können so zu verzerrtem Wissen und fehlerhaften Weltbildern führen.

Fazit: Digital ist nicht automatisch besser als analog

Digitale und analoge Lernformen unterscheiden sich grundlegend – und beide haben ihre Berechtigung. Überraschenderweise bevorzugen laut einer Studie der Deutschen Telekom‑Stiftung nur 41 % der Jugendlichen digitales Lernen; etwa 30 % greifen lieber zu Papier, Buch und Stift. Mädchen tendieren eher zum Analogen, Jungen stärker zum Digitalen.

Ein ausgewogener Ansatz ist entscheidend

  • Digitale Angebote sollten dort eingesetzt werden, wo sie echten Mehrwert bieten.
  • Traditionelle Methoden wie handschriftliche Notizen, BĂĽcher oder mĂĽndliche Diskussionen fördern vielerorts kritisches Denken, Problemlösefähigkeit und soziale Kompetenzen.
  • Eine bewusste „Dedigitalisierung“ kann in einzelnen Bereichen sogar hilfreich sein, um ein robustes, ausgewogenes Lernumfeld zu schaffen.

Digitale Medien sind ein wertvolles Werkzeug – aber eben nur eines von vielen. Nur durch die Verbindung beider Welten entsteht ein ganzheitlicher Bildungsprozess, der Kinder und Jugendliche nachhaltig stärkt.

Literatur und Quellen

Deutsche Telekom Stiftung: Wie lernen Kinder und Jugendliche heute?
https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/media/publications/Wie-lernen-Kinder-und-Jugendliche-Zusammenfassung.pdf

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.: Bildung digital? – Wie Jugendliche lernen und Schulen lehren
https://www.iwkoeln.de/studien/barbara-engels-ruth-maria-schueler-wie-jugendliche-lernen-und-schulen-lehren-470699.html

Digitales Lernen: Können Schüler davon profitieren?
https://www.schulhomepage.de/schueler/digitales-lernen

Argumente gegen das Digitale in der Schule
https://mehrals0und1.ch/Argumente

Digitales Lernen: Methoden, Vorteile und Nachteile digitaler Bildung in der Schule
https://www.kita.de/wissen/digitales-lernen/

Wissenschaftler fordern Moratorium der Digitalisierung in KITAs und Schulen
https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2023/11/moratorium_pub_17nov23.pdf

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Digitalisierung
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digitale Medien
Unterricht
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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