Direkt zum Inhalt

Schluss mit dem ewigen Aufschieben - wie Kinder besser lernen

Kind legt Kopf auf den Schreibtisch
Entwicklung und Erziehung
© photophonie - Fotolia.de
von Ulrike Lindner

"Morgen, morgen, nur nicht heute...", dieser alte Spruch könnte das Lebensmotto vieler Kinder sein, zumindest wenn es um das leidige Thema Lernen geht. Unangenehme Aufgaben auf den nächsten Tag, die nächste Woche oder einfach auf irgendwann zu verschieben, das tut wohl jeder einmal. Wenn die Aufschieberei (Fachchinesisch: Procrastination) jedoch zum Dauerbrenner wird, sollten Eltern eingreifen.

Lesedauer:
2 min

Aufschieberitis bei Kindern vermeiden

Wenn Kinder Aufgaben regelmäßig aufschieben, kann sich dieses Verhalten schnell zu einem Muster entwickeln, das bis ins Teenager- und Erwachsenenalter bestehen bleibt und nur schwer wieder abgelegt wird. Meist sind die aufgeschobenen Aufgaben in der Realität viel weniger schlimm, als es die eigene Vorstellung vermuten lässt. Im Gegenteil: Das Erledigen der Aufgaben kann sogar neue Perspektiven eröffnen und Mut machen – etwa durch das Erfolgserlebnis des „Ich hab’s geschafft!“.


Selbstorganisation lernen

Viele Kinder schieben Aufgaben auf, weil sie noch nicht gelernt haben, ihren Alltag sinnvoll zu strukturieren. Wer den Tagesablauf und die Zeiteinteilung im Blick hat, erkennt zum Beispiel, dass nach dem Abendessen keine Zeit zum Aufräumen bleibt oder dass man abends zu müde für die Mathe-Hausaufgaben ist.

Glücklicherweise unterstützen schon die Grundschulen diesen Lernprozess: Wochen-Arbeitspläne helfen Erstklässlern, Schul- und Hausaufgaben über mehrere Tage zu organisieren.

Auch Eltern können mit kleinen Hilfestellungen Struktur in den Alltag bringen. Oft wirken Hausaufgaben oder andere Pflichten wie ein großer Berg. Wird die Aufgabe in Teilschritte zerlegt, fällt der Start deutlich leichter.


Maßnahmen gegen das Aufschieben

Eltern können Kinder durch verschiedene Maßnahmen unterstützen:

  • Rechtzeitig nachfragen, welche Aufgaben anstehen und ob sie bereits erledigt wurden.

  • Störungsfreien Arbeitsplatz schaffen.

  • Regelmäßige Zeiten für bestimmte Aufgaben einführen, z. B. Zimmer aufräumen am Freitagabend oder Hausaufgaben direkt nach dem Mittagessen.

  • Größere Aufgaben unterteilen, etwa beim Lernen für Klassenarbeiten: Tag 1 Seiten 5–6, Tag 2 Seiten 7–8, Tag 3 Wiederholung.

  • Listen und Zeitpläne erstellen, um Aufgaben sichtbar zu machen und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

  • Zeitlimits setzen, z. B. 20 Minuten Vokabeln lernen mit Eieruhr. Keine Sorge, wenn es einmal nicht optimal klappt – Übung macht den Meister.

  • Kleine Belohnungen einsetzen, z. B. Schwimmbadbesuch nach erledigten Hausaufgaben.

  • Selbst als gutes Vorbild agieren, indem Eltern ihre eigenen Aufgaben zuverlässig erledigen.

Bei dauerhafter Aufschieberei lohnt es sich, auch andere Ursachen zu prüfen. Versagensängste oder Sorgen können hinter dem Verhalten stecken. Ein offenes Gespräch mit dem Kind und gegebenenfalls eine Abstimmung mit der Schule kann helfen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.


Motivation statt Druck

Vermeiden Sie Druck und Schimpferei: Kinder leiden oft selbst unter ihrem Verhalten, auch wenn es nach außen anders wirkt. Psychologen empfehlen, dass Kinder eigenständig Gründe finden, warum es sich lohnt, anzufangen. Wer erkennt, dass nach erledigten Aufgaben mehr Freizeit wartet, kann motiviert loslegen. So wird Aufschieben nach und nach abgebaut – der erste Schritt lohnt sich immer.


Zuletzt geändert am 17.02.2026

Beitrag teilen:
Themen:
Aufschieberei
Zeitmanagement
Procrastination
lernen
Plan
aufschieben
verschieben
organisieren
Tagesablauf
Zeiteinteilung
Hausaufgaben
Hausaufgaben2
lernen3
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Weitere Beiträge lesen