Bei uns zu Hause sprechen wir zwei Sprachen
- Bilinguale Familien
Bei uns zu Hause sprechen wir zwei Sprachen
- Bilinguale Familien
Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin sind mit unterschiedlichen Muttersprachen aufgewachsen? Sollen Sie Ihre Kinder bilingual erziehen - oder birgt dies gegebenenfalls Risiken in sich? Der folgende Beitrag möchte Ihnen zeigen, welche Chancen in einer bilingualen Erziehung stecken und worauf Sie bei der Umsetzung achten sollten.
Bilingual â was heiĂt das?
Bilingual aufzuwachsen bedeutet, zwei Sprachen sprechen und verstehen zu können. Bei vielen Kindern ist eine Sprache â meist die Umgebungssprache â stĂ€rker ausgeprĂ€gt als die andere. Diese Gewichtung kann sich im Laufe der Zeit verĂ€ndern. Manche Kinder verstehen eine Sprache vor allem gut (rezeptiv), nutzen sie aber weniger aktiv im Alltag.
Bilingualismus entsteht entweder in Familien, in denen Kinder von Geburt an mit zwei Sprachen aufwachsen, oder spÀter durch den Zweitspracherwerb, hÀufig im Kindergarten oder in der Schule.
Bilinguale Familien
Zwei Sprachen â zwei Kulturen
In bilingualen Familien haben Eltern unterschiedliche Muttersprachen und meist auch unterschiedliche kulturelle HintergrĂŒnde. Entscheiden Sie sich fĂŒr eine zweisprachige Erziehung, prĂ€gt dies nicht nur die sprachliche, sondern auch die interkulturelle Entwicklung Ihres Kindes. Es wĂ€chst in zwei kulturellen Welten gleichzeitig auf und trĂ€gt diese Vielfalt in seinem Alltag mit sich.
Mögliche Bedenken
Sprachverwirrung? Sprachverzögerung?
Vorurteile gegenĂŒber bilingualer Erziehung halten sich hartnĂ€ckig. HĂ€ufig wird behauptet, mehrere Sprachen gleichzeitig könnten zu Sprachverwirrung oder Sprachverzögerungen fĂŒhren. TatsĂ€chlich treten â wie beim einsprachigen Erwerb auch â Phasen des Stillstands, SprĂŒnge oder Fehlerkorrekturen auf. Diese sind normaler Bestandteil des Lernprozesses.
Auch bilingual aufwachsende Kinder lernen ĂŒberwiegend durch Imitation. Es ist völlig normal, wenn sich beide Sprachen unterschiedlich schnell entwickeln oder temporĂ€re Pausen auftreten.
Regeln fĂŒr den Alltag
Die 1:1âRegel
Bilingual erzogene Kinder können zwei Sprachen und ihre Strukturen gut unterscheiden. Wichtig ist, klare sprachliche Orientierung zu bieten. Hilfreich ist die 1:1âRegel:
Ein Elternteil â eine Sprache.
Sprechen Sie konsequent in Ihrer eigenen Muttersprache. Reagiert Ihr Kind in der zweiten Sprache, bleiben Sie dennoch in Ihrer Sprache. So lernt es, beide Systeme stabil auseinanderzuhalten.
Sprache bewusst in den Alltag einbeziehen
Vorbilder und kulturelle Erfahrungen
Ihre Kinder erleben Sie und Ihren Partner als wichtigste sprachliche Vorbilder. Um beide Sprachen lebendig zu halten, können Sie:
- BrÀuche und Feste Ihres Herkunftslandes feiern
- regelmĂ€Ăig BilderbĂŒcher und Geschichten in Ihrer Sprache lesen
- Spiele, Musik oder Traditionen Ihres Kulturkreises einbringen
- Reisen in das Herkunftsland unternehmen, um die aktive Sprachpraxis zu stÀrken
Auch in Kita und Schule kann es zu MissverstĂ€ndnissen oder Vorurteilen kommen. Bitten Sie Erzieherinnen, Erzieher oder LehrkrĂ€fte darum, gelegentlich Ihre Kultur oder Sprache vorzustellen â etwa durch kleine Lieder, Geschichten oder Feste. Dies stĂ€rkt das VerstĂ€ndnis innerhalb der Gruppe und fördert das positive Erleben der Zweisprachigkeit.
Warum Bilingualismus eine groĂe Chance ist
SprachgefĂŒhl und interkulturelle Kompetenz
Bilingual aufzuwachsen bietet Kindern viele Vorteile. Sie entwickeln meist ein sensibles SprachgefĂŒhl, lernen spĂ€ter leichter weitere Fremdsprachen und sind daran gewöhnt, Vertrautes und Fremdes zu vergleichen. Diese FĂ€higkeit ist ein wesentlicher Baustein interkultureller Kompetenz â und in einer multikulturellen Welt von groĂem Wert.
Zuletzt geÀndert am 27.02.2026
Alexandra von PlĂŒskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tĂ€tig. Dabei war sie u.a. zustĂ€ndig fĂŒr die ĂbergĂ€nge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterfĂŒhrende Schule. Seit MĂ€rz 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum LĂŒneburg.