Warum Sie alles ĂŒbers Gendern wissen sollten
Warum Sie alles ĂŒbers Gendern wissen sollten
Ob und wie gegendert wird, wird heute umfassend und oft hochemotional diskutiert. Aus Fachkonferenzen und Feuilletons ist das Thema Gendern in die Schlagzeilen gerutscht â und lĂ€ngst auch in vielen Schule angekommen. Grund genug fĂŒr eine Bestandaufnahme.
Worum es beim Gendern geht
Sprache formt unser Denken und erzeugt Bilder im Kopf. Studien zeigen, dass es einen Unterschied macht, ob Texte gegendert sind oder nicht. Formulierungen wie âDie Piloten erhalten eine Lohnerhöhungâ lassen viele Menschen spontan eher an MĂ€nner denken. Im Deutschen wird oft das generische Maskulinum verwendet: mĂ€nnliche Begriffe wie âForscherâ, âĂrzteâ oder âPilotenâ sollen beide Geschlechter meinen. Grammatikalisch korrekt, erzeugt diese Form jedoch hĂ€ufig das Bild einer ĂŒberwiegend mĂ€nnlichen Gruppe â selbst wenn die RealitĂ€t anders aussieht, zum Beispiel bei Berufen wie Kosmetiker, Kassierer oder TĂ€nzer.
Gendern beeinflusst Berufsvorstellungen
Der Effekt des Genderns zeigt sich schon bei Kindern: In einer Studie sollten GrundschĂŒler angeben, welche Berufe sie sich zutrauen. Das Ergebnis:
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Geschlechterneutral formulierte Berufe (z.âŻB. Ingenieur/Ingenieurin, Arzt/Ărztin) motivierten mehr MĂ€dchen, sich âtypisch mĂ€nnlicheâ Berufe zuzutrauen.
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Auch Jungen konnten sich eher vorstellen, âtypisch weiblicheâ Berufe zu ergreifen (Geburtshelfer oder Geburtshelferin).
Bei Erwachsenen bestÀtigen weitere Studien diese Wirkung:
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Genderneutrale Stellenanzeigen (z.âŻB. âeine Filialleiterin/einen Filialleiterâ) fĂŒhren zu mehr Bewerbungen von Frauen.
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MÀnnlich formulierte Anzeigen benachteiligen Frauen selbst bei gleicher Qualifikation. Wird hingegen beide Geschlechter genannt, Àndert sich dieses Muster.
Möglichkeiten gendergerechter Sprache
Gendern kann helfen, Geschlechterklischees abzubauen, alle Menschen anzusprechen und die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden. Es gibt verschiedene AnsÀtze:
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Doppelnennung: weibliche und mĂ€nnliche Form ausgeschrieben (Lehrerinnen und Lehrer) oder abgekĂŒrzt (LehrerInnen, Lehrer/-innen).
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Genderneutrale Begriffe: Wörter, die beide Geschlechter einschlieĂen (Lehrkörper, Kollegium).
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Gendersternchen und Varianten: Platzhalter zwischen weiblicher und mĂ€nnlicher Form, z.âŻB. âLehrer*innenâ, âLehrer:innenâ oder âLehrer_innenâ. Diese Form soll zusĂ€tzlich Menschen ansprechen, die sich weder dem mĂ€nnlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen.
Diskussionen und Herausforderungen
Alle AnsĂ€tze sorgen zunĂ€chst fĂŒr Verwirrung oder wirken ungewohnt. AuĂerdem gilt: Gendern allein schafft keine automatische Gleichberechtigung. Klar ist jedoch, dass Sprache beeinflusst, was wir als normal wahrnehmen, wie wir die Welt sehen und welche Berufsvorstellungen Kinder entwickeln.
Gendergerechte Sprache gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung und wird von Unternehmen, Behörden, Medien und auch in der Schule verwendet. Sie gehört zu den Themen, mit denen sich LehrkrĂ€fte, Eltern und SchĂŒler*innen auseinandersetzen sollten.
Zuletzt geÀndert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der KĂŒnste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.