Kindliche Fantasie reichhaltig nutzen
Kindliche Fantasie reichhaltig nutzen
Liebe Eltern, kennen Sie noch das entspannte Liegen in Mitten einer frühsommerlichen Wiese? Die friedvolle Stille lässt unsere Gedanken kommen und gehen. Ab und an brummt der ein oder andere Käfer vorbei oder eine bedächtige Hummel landet geschickt auf einer Blüte. Fühlen Sie sich ganz entspannt und begeben sich mit diesem Beitrag in das Reich der kindlichen Fantasie und lassen sich inspirieren.
Kindliche Fantasie – eine Quelle innerer Stärke
Albert Einstein formulierte es prägnant: „Kindliche Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“
Ob Fantasie oder Phantasie – die Bedeutung bleibt gleich. Der Begriff stammt vom griechischen phantasia, was so viel heißt wie Erscheinung, Vorstellung, Traumgesicht. Fantasie beschreibt die Fähigkeit, auf gespeicherte innere Bilder zurückzugreifen und daraus Vorstellungen, Ideen und neue Zusammenhänge zu entwickeln.
Wie Helmut Zöpfl betont, ist Fantasie nicht nur ein „Grundvermögen“, sondern auch ein „Grundverlangen“ des Menschen.
Kindliche Fantasie und Alltag
Alltag und Fantasie sollten sich ergänzen. Fantasie gibt dem inneren Drang nach Ausdruck eine Form – bunt, vielfältig, einzigartig. Sie begleitet uns ein Leben lang, kann jedoch im Trubel des Alltags durch Stress, Hektik oder Sorgen an Kraft verlieren.
Ein ausgewogener Wechsel aus:
- fordernden Aufgaben
- erholsamen Momenten
- freiem Träumen
hilft, diese Kreativkraft zu bewahren. Besonders Kinder profitieren davon, wenn Tagträumen erlaubt ist – denn viele gute Ideen entstehen im scheinbaren „Nichts“.
Kindliche Fantasie und Kreativität
Fantasie schafft die innere Vorstellung, Kreativität setzt sie in die Wirklichkeit um.
Ein Beispiel: Ein Kind stellt sich einen „Wurzelzwerg auf einer Schaukel“ vor. Die Kreativität beginnt, wenn es Materialien sammelt, ausprobiert, verwirft und verbessert.
Während Fantasie innere Bilder hervorbringt, ist Kreativität der gestalterische Prozess, der zu etwas Neuem führt. Beide Fähigkeiten liegen eng bei jenen Bereichen des Gehirns, in denen auch Musisches, Emotionales und Soziales verankert sind.
Kraftspender Fantasie
Viele erinnern sich an Kindheitsmomente voller Fantasie:
- Gänseblümchenketten
- geheimnisvolle FundstĂĽcke im Wald
- glänzende Steine aus dem Bach
- selbst erfundene Abenteuer
Solche Erlebnisse prägen sich nachhaltig ein und fördern innere Freiheit und Lebensfreude.
Einige Anregungen fĂĽr den Familienalltag:
Vorlesen als Ritual
- am besten täglich, besonders abends
- schafft Ruhe und Geborgenheit
- regt innere Bilder und Sprache an
- später kann das Kind Teile des Textes selbst lesen oder erzählen
Denkanstöße geben
- Wanderungen, Sport, Theaterbesuche
- Naturbeobachtungen (Wolken, Käfer, besondere Bäume)
- Kunst, Musik oder Museumsbesuche
Inspiration entsteht häufig im Vorübergehen.
Freiräume gewähren
- zeitlich und räumlich
- gemeinsam Regeln vereinbaren
- RĂĽckzugsorte respektieren
Forschergeist fördern
Kinder sollten ausprobieren dĂĽrfen:
- kleine Experimente
- das Sammeln von Naturmaterialien
- Bastel- und Bauprojekte
- eigene Forscherecken oder Sammlungen
Ein Lob für Entdeckungen stärkt sowohl Selbstvertrauen als auch Fantasie.
Eigene Wege zulassen
Fantasie braucht Verarbeitung, Umwege und manchmal sogar Chaos. Erwachsene begleiten, beobachten – aber drängen nicht.
Wert des freien Spiels
Weniger fertige Spielsachen, mehr offene Spielsituationen:
- Baukästen
- Gesellschaftsspiele
- Rollenspiele
- Spielen im Hof, auf der Wiese oder im Wald
Philosophieren mit Kindern
Kinder stellen existenzielle Fragen. Im Gespräch können sie:
- ihre Einzigartigkeit erkennen
- ĂĽber Sinn, Werte und GefĂĽhle nachdenken
- Vertrauen in eigene Gedanken entwickeln
Begegnungen ermöglichen
Gemeinsames Spielen fördert Austausch und öffnet neue Fantasieräume:
- Sportvereine
- Arbeitsgemeinschaften
- Jugendfeuerwehr
- kreative Projekte
Freundschaften bieten zusätzliche Impulse für Fantasie und Lebensfreude.
Literaturtipps zur kindlichen Fantasie
- Jostein Gaarder: Maya oder Das Wunder des Lebens, Hanser
- Helmut Zöpfl: Das Gute im Leben, Turmschreiber Verlag
Linktipp zur kindlichen Fantasie
Quellen
(1) https://www.zitate-online.de/sprueche/wissenschaftler/1577/phantasie-ist-wichtiger-als-wissen-denn.html
(2) https://www.zitate-online.de/sprueche/wissenschaftler/1577/phantasie-ist-wichtiger-als-wissen-denn.html
(3) Helmut Zöpfl, Das Gute im Leben, Turmschreiber Verlag, Pfaffenhofen, 2001, Seite 136
(4) Peter Struck, Das Erziehungsbuch, primusverlag, 2005
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.