Reframing fĂĽr Eltern - So deuten Sie Situationen um
Reframing fĂĽr Eltern - So deuten Sie Situationen um
Ihr Kind verhält sich in einer Situation nicht so, wie Sie es gedacht haben? Mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin haben Sie Konflikte? Der Dialog mit der Erzieherin oder dem Erzieher oder der Lehrkraft Ihres Kindes verläuft nicht so, wie geplant?
In vielen Fällen hilft es, die Situation umzudeuten. Wie Reframing für Eltern gelingen kann, nennt der folgende Beitrag.
Was bedeutet Reframing fĂĽr Eltern?
Reframing stammt aus der systemischen Familientherapie und beschreibt das Umdeuten einer Situation, indem sie in einen neuen Kontext gesetzt wird. Jede Erfahrung bildet nur einen Ausschnitt eines größeren Ganzen ab. Beim Reframing für Eltern geht es darum, bewusst Abstand von der eigenen Perspektive zu nehmen und Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dadurch entstehen alternative Deutungen, die helfen können, den Familienalltag gelassener und konstruktiver zu gestalten.
Reframing im Umgang mit Kindern
Alltagsbeispiele neu betrachten
Reagiert Ihr Kind nicht sofort, wenn Sie es rufen? Im ursprünglichen Deutungsrahmen wirkt dies vielleicht störend. Setzen Sie die Situation jedoch in einen anderen Kontext, könnte sichtbar werden, dass Ihr Kind vertieft spielt, kreativ baut oder sich intensiv konzentriert. Das Verhalten zeigt dann nicht Ungehorsam, sondern eine ausgeprägte Aufmerksamkeit für das eigene Tun.
Wirkt Ihr Kind in Gruppen zurückhaltender, als Sie es sich wünschen? Auch hier kann ein Perspektivwechsel helfen: Aus Sicht des Kindes stärkt es vielleicht gerade seine Beobachtungsgabe, trainiert seine Intuition und zeigt Empathie, bevor es selbst aktiv wird.
Reframing im Kontakt mit Partnerinnen, Partnern und Freundeskreis
Zuweilen verhalten sich nahestehende Menschen anders, als man es selbst tun würde. Wenn sich etwa Ihr Partner oft sorgt, kann dies im ersten Moment als belastend empfunden werden. Mit einem neuen Blickwinkel lässt sich die gleiche Situation jedoch auch als Ausdruck von Zuneigung, Fürsorge oder Verantwortungsbewusstsein interpretieren. Reframing hilft hier dabei, die positiven Motive hinter einem Verhalten zu erkennen.
Reframing in Begegnungen mit pädagogischen Fachkräften
Wenn pädagogische Fach- oder Lehrkräfte Sie beim Bringen oder Abholen Ihres Kindes auf einen späteren Gesprächstermin verweisen, kann das zunächst irritierend sein. Eine alternative Deutung zeigt jedoch, dass sich diese Personen möglicherweise gerade vollständig auf die Kinder konzentrieren und ihrer Aufsichtspflicht oder pädagogischen Aufgabe nachkommen. Diese Sichtweise kann Missverständnisse entschärfen und den Austausch erleichtern.
Reframing im Familienalltag ĂĽben
Reframing ist ein hilfreiches Werkzeug, das Eltern im Alltag bewusst einsetzen können. Es unterstützt dabei, Situationen aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten und eröffnet neue Interpretationsmöglichkeiten. Im Dialog mit Kindern oder Erwachsenen kann es sogar Freude bereiten, gemeinsam alternative Sichtweisen zu entwickeln. Eine regelmäßige Reflexion – etwa über die Frage, welche Situationen für eine Person herausfordernd und für eine andere zugleich eine Chance sein könnten – stärkt diesen Ansatz.
Ein einfacher Leitgedanke für den Alltag könnte lauten: „Was noch …?“
Diese Frage lädt dazu ein, über zusätzliche Bedeutungen einer Situation nachzudenken und den Blick zu weiten. So entwickelt sich Reframing zu einem positiven und lösungsorientierten Ansatz für das familiäre Miteinander.
Zuletzt geändert am 27.02.2026
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.