Vorbilder für Kinder
Vorbilder für Kinder
Kinder mögen das Imitieren der unterschiedlichsten Tätigkeiten ihrer Eltern. Mit Freude entdecken sie dabei ihre unmittelbare Umgebung immer mehr. Wir sind mit unserem Tun das Vorbild für Kinder. Das geschieht nicht immer bewusst. Es ist lohnenswert, sich intensiver über unsere Rolle als Vorbild für Kinder Gedanken zu machen.
Dazu möchte der Beitrag Sie ermuntern.
Was ist ein Vorbild?
Ein Vorbild ist eine Person oder auch eine Sache, an der sich Menschen orientieren. Es ist ein Muster, ein Beispiel, ein Ideal, nach dem man strebt. Der Philosoph John Locke brachte es auf den Punkt:
„Nichts macht auf den Geist des Menschen einen sanfteren und tieferen Eindruck als das Beispiel.“
Kinder – und auch Erwachsene – lernen also nicht nur durch Worte, sondern vor allem durch Beobachtung und Nachahmung.
„Echte“ und „unechte“ Vorbilder
Echte Vorbilder
Sie prägen das Verhalten und Denken nachhaltig. Dazu gehören:
- Eltern und enge Bezugspersonen
- Menschen, deren Leben, Haltung oder Umgang beeindruckt
- Personen, die man kennt oder deren Handeln nachvollziehbar ist
Unechte Vorbilder
Sie entstammen Märchen, Geschichten, Filmen oder Comics. Obwohl fiktiv, vermitteln sie oft Werte wie Mut, Gerechtigkeit oder Freundschaft. Auch diese Figuren können für Kinder identitätsstiftend wirken.
Gute Vorbilder sein
Kinder übernehmen Verhaltensweisen, indem sie zuschauen und nachmachen. Gute Vorbilder leben Werte vor – alltäglich und glaubhaft. Dazu gehört:
- Ermutigen und Zuversicht schenken
- Neue Wege zeigen, Lösungen andeuten
- Anleiten, unterstützen, motivieren
- Geduld haben
- Regeln erklären und verlässlich anwenden
- Trösten und bei Fehlern helfen
Vorbilder vermitteln dabei nicht nur Verhalten, sondern auch Werte, Überzeugungen und soziale Fähigkeiten.
Idol oder Vorbild?
Kinder verwechseln Idole oft mit Vorbildern.
Idole
- werden idealisiert und häufig unkritisch bewundert
- stammen meist aus Sport, Musik, Film oder Social Media
- sind unerreichbar und wirken manchmal „perfekt“
Das Wort „eidolon“ bedeutet im Griechischen „Bild, Trugbild“ – ein Hinweis darauf, dass der Eindruck oft verzerrt ist.
Vorbilder
- sind nahbar
- zeigen, dass Erfolge Schritt für Schritt möglich sind
- stärken Kinder darin, an sich selbst zu glauben
Grundhaltungen, die ein echtes Vorbild vermittelt:
- Ich glaube an mich.
- Ich erreiche Ziele durch kleine Schritte.
- Ich handle nicht nur, um anderen zu gefallen.
Eltern als wichtigste Vorbilder
Eltern prägen Kinder in den ersten Lebensjahren wie niemand sonst. Entscheidungen, Sprache, Verhalten – all das wird nachgeahmt, bevor es bewusst verstanden wird. Später treten zusätzliche Vorbilder dazu: Lehrkräfte, Trainer, Freunde oder Menschen aus dem öffentlichen Leben.
Tipps für Eltern
Begeisterung wecken
Teilen Sie eigene Interessen mit Ihrem Kind: Sport, Basteln, Kochen, Gartenarbeit, Musik. Lassen Sie Ihr Kind ausprobieren – ohne Druck, ohne Erwartung.
Interessen fördern
Kinder brauchen Freiräume und Möglichkeiten, eigene Hobbys zu wählen. Zeigen Sie Interesse und Unterstützung statt starrer Zeitpläne.
Zuhören
Echtes Zuhören schafft Vertrauen. Kinder öffnen sich eher, wenn sie merken, dass ihre Gedanken ernst genommen werden.
Fragen, die Gespräche anregen:
- „Welche Eigenschaften bewunderst du?“
- „Gibt es jemanden, wie du gern wärst?“
- „Welche Verhaltensweisen findest du gut – und warum?“
- „Hast du Vorbilder in der Natur?“
- „Was bedeutet für dich Schönheit?“
Wichtig: Ihr Kind soll sich richtig fühlen – auch wenn Sie nicht jede Meinung teilen.
Literaturtipps
- Niklaus Kuster, Sarah Gafuri: 123 Vorbilder der Menschheit
- Anna Maria Kalcher: Vorbilder: Erziehen wohin?
- Prof. Dr. Peter Struck: Das Erziehungsbuch
Quellen:
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.