Methodentraining in der Schule immer wichtiger
Methodentraining in der Schule immer wichtiger
Eine immer komplexer werdende Welt in all ihren Facetten verlangt in besonderem Maße von unseren Kindern ein Instrumentarium, um in ihrem Leben selbstständig zurechtzukommen. Grundlegende Techniken können dazu sehr hilfreich sein. Der Beitrag zum Thema Methodentraining in der Schule möge Sie mit den Anregungen zum Ausprobieren inspirieren.
Methodentraining in der Schule – was steckt dahinter?
Der Begriff Methode stammt vom griechischen Wort „methodos“ und bedeutet „Weg zu etwas“ – also der Weg, ein Ziel zu erreichen. In der Schule beschreibt Methodentraining die systematische Vermittlung von Lern‑, Arbeits‑, Gesprächs‑ und Kooperationstechniken.
Besonders geprägt wurde dieser Ansatz von dem deutschen Pädagogen Dr. Heinz Klippert, der Methodenkompetenz als Grundlage für selbstbewusstes, strukturiertes und erfolgreiches Lernen versteht.
Warum ist Methodentraining wichtig?
Kinder wissen nicht automatisch, wie sie:
- schneiden,
- strukturieren,
- markieren,
- recherchieren,
- organisieren,
- zusammenarbeiten
sollen. Methodentraining macht Lernprozesse sichtbar, erlernbar und wiederholbar.
Es geht darum, Kindern Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie selbstständig lernen können.
Methodentraining in der Schule – konkret und praktisch
Methodentraining beginnt im Kleinen und wird Schritt für Schritt erweitert. Dazu zählen grundlegende Techniken wie:
Grundlegende Arbeitstechniken
- Ausschneiden von Formen
- Ausmalen, Schraffieren
- Bilder einkleben
- Wichtiges markieren oder unterstreichen
- Schaubilder lesen
- Tabellen anlegen
- Inhalts‑ oder Stichwortverzeichnis führen
Komplexere Methoden
- Lernen lernen
- Zeitmanagement
- Vorbereitung auf Tests oder Klassenarbeiten
- Arbeit mit Diagrammen
- Fragetechniken entwickeln
- Plakate & Ăśbersichten gestalten
Beispiele fĂĽr Methodentraining im Unterricht
Die fĂĽnf Schritte beim Lesen
- Text ĂĽberfliegen
- Fragen stellen
- grĂĽndlich lesen
- zentrale Stellen markieren
- Inhalt wiedergeben
Umgang mit unbekannten Wörtern
- Begriff markieren
- im Wörterbuch nachschlagen
- Online‑Quellen nutzen
- mehrere Quellen vergleichen
Wie wird Methodentraining organisiert?
Viele Schulen integrieren Methodentraining in den Jahresplan – meist auf zwei Arten:
a) Methodentage / Projektwoche
3–5 Tage pro Schulhalbjahr, in denen intensiv trainiert wird.
b) Wöchentliche Methodenstunde
Eine feste Stunde pro Woche, die ganz dem Methodenlernen gehört.
Mögliche Inhalte:
- Begrüßungs‑ und Verabschiedungsrituale
- Umgang mit Materialien
- Ranzen packen
- Ordnung im Heft oder im Fach
- korrektes Abschreiben
- Umgang mit Sachtexten
- Gruppen- und Partnerarbeiten
- Quellenrecherche fĂĽr Referate
- Bibliotheksbesuch
- Gedichte auswendig lernen
Methodentraining für zuhause – praktische Beispiele
Viele Methoden sind nicht neu. Eltern erkennen vieles aus der eigenen Kindheit wieder. Hier einige Ideen, um das Kind zu Hause zu unterstĂĽtzen:
Methodentraining 1: Checklisten erstellen
- Ranzen packen
- To‑Do‑Plan für den nächsten Tag
- Checkliste fĂĽr Sportverein oder Hobbys
Methodentraining 2: Notizzettel & Spickzettel
Nicht zum Schummeln – sondern zum Strukturieren und Wiederholen:
- Lernzettel
- Einkaufszettel
- Wegbeschreibungen
Methodentraining 3: Rituale & Routinen
- Uhrzeiten einhalten
- eigenes Zimmer aufräumen
- kleine Aufgaben im Haushalt
Methodentraining 4: Selbstständigkeit fördern
- Aufgaben nach und nach allein bewältigen
- Wege alleine oder mit Freunden gehen
- Freiräume zum Alleinbeschäftigen schaffen
Methodentraining 5: Informationen sammeln
Kinder lieben Sammeln – ob Muscheln, Steine, Pflanzen, Sticker oder Prospekte.
Das hilft ihnen, Interessen zu entwickeln und Schwerpunkte zu erkennen – manchmal entsteht daraus sogar ein Hobby oder ein Beruf.
Fazit: Methodentraining braucht Geduld – und stärkt das Kind fürs Leben
UnterstĂĽtzen Sie Ihr Kind mit:
- viel Geduld
- Humor
- klaren Ich‑Botschaften
- konstruktiven Hinweisen
Methodentraining ist ein Prozess, der Selbstvertrauen, Selbstständigkeit und Lernfreude stärkt. Es ist ein wichtiger Baustein für erfolgreiches Lernen in einer zunehmend komplexen Welt.
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.