Prüfungsangst bei Kindern und Jugendlichen erkennen und abbauen
Prüfungsangst bei Kindern und Jugendlichen erkennen und abbauen
Prüfungsangst ist ein weit verbreitetes Phänomen, unter dem keineswegs nur Erwachsene leiden. Solche Angstreaktionen vor Leistungssituation können sogar schon im Grundschulalter auftreten. Nach wissenschaftlichen Schätzungen ist heute etwa jeder 6. Schüler und jede 4. Schülerin davon betroffen.
Prüfungsangst bei Kindern: Erkennen, verstehen und abbauen
Prüfungsangst bei Kindern wird oft nicht direkt erkannt, da sie sich hinter anderen Beschwerden verbergen kann. Besonders bei leistungsschwächeren Kindern ist es häufig nicht fehlende Fähigkeit, sondern die Angst selbst, die sie blockiert. Prüfungsangst kann nicht nur die schulischen Leistungen mindern, sondern auch soziale Kompetenzen und die psychische Gesundheit negativ beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern und Pädagogen Prüfungsangst frühzeitig erkennen und geeignete Strategien anwenden.
Was ist Prüfungsangst bei Kindern?
Angst ist eine natürliche und gesunde Reaktion, die den Körper auf Gefahr vorbereitet. Bei Prüfungen aktiviert sie den Flucht-Kampf-Reflex. Kinder mit Prüfungsangst nehmen diese körperlichen Reaktionen oft als bedrohlicher wahr als die Prüfung selbst. Sie fokussieren sich stark auf Symptome wie Herzklopfen oder Zittern, wissen aber nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Anders als Lampenfieber, das kurzzeitig anregend sein kann, blockiert Prüfungsangst das Denken und verhindert, dass erlerntes Wissen abgerufen werden kann.
Die Angst vor der Angst
Wiederholte Prüfungssituationen verstärken die Angst weiter und können das Selbstvertrauen erheblich beeinträchtigen. Häufig sind Kinder betroffen, die ohnehin wenig effektive Lernstrategien haben. Sie geraten in einen Teufelskreis: Die Angst blockiert das Lernen, die Leistungen bleiben hinter den Möglichkeiten zurück, und die Prüfungsangst verstärkt sich.
Neben körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Zittern oder Übelkeit kommen psychische Reaktionen hinzu: Unsicherheit, Ohnmacht, Angst vor sozialer Ablehnung oder depressive Verstimmungen. In extremen Fällen können sogar Selbstmordgedanken auftreten.
Woran erkennt man Prüfungsangst bei Kindern?
Typische körperliche Symptome der Prüfungsangst:
-
Herzklopfen
-
Nervöse Erregung
-
Kopf- oder Magenschmerzen
-
Übelkeit
-
Schlafstörungen
Diese Symptome können schon Tage vor einer Prüfung beginnen und am Prüfungstag besonders stark werden. Kinder berichten oft von einem „schwarzen Loch“ im Kopf, wodurch Denkblockaden entstehen.
Verhaltensweisen, die auf Prüfungsangst hinweisen:
-
Vollständige Leistungs- oder Schulverweigerung
-
Übermäßiges Pauken aus Angst vor Versagen
-
Aggression oder Rückzug
Prüfungsangst bei Kindern abbauen
Die gute Nachricht: Prüfungsangst kann gezielt verringert werden.
Strategien für Eltern und Pädagogen:
-
Kompetenzen stärken: Kinder in den relevanten Fächern unterstützen, damit sie Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln.
-
Körperliche Reaktionen erklären: Kindern zeigen, dass Nervosität und Aufregung normal sind.
-
Einfühlsam begleiten: Verständnis für Ängste zeigen und die Sorgen ernst nehmen.
-
Professionelle Hilfe: Bei stark verfestigter Angst kann ein Therapeut helfen, destruktive Strategien durch konstruktive Lern- und Verhaltensmuster zu ersetzen.
-
Fokus auf Aufgaben: Kinder lernen, die Aufmerksamkeit auf die konkrete Aufgabe zu richten, statt sich von Angstgefühlen blockieren zu lassen.
Mit diesen Methoden können Kinder lernen, Prüfungen souveräner zu meistern, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und ihre Angst Schritt für Schritt zu überwinden.
Links
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.