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Talentsuche für MINT-Fächer

ein Mädchen meldet sich im Unterricht
Entwicklung und Erziehung
© stock.adobe.com/Kuzmina, Oksana
von Hildegard Dierks

Die Bewegung „Fridays for Future“ beeindruckt und polarisiert zugleich. Konfrontiert mit der ökologischen Wende sowie der zunehmendem Digitalisierung unserer Welt, kommt uns ein bekanntes Problem ins Bewusstsein: Fehlende Fachkräfte im MINT-Bereich.

Lesedauer:
6 min

Warum wir mehr MINT‑Kompetenzen brauchen

Deutschland benötigt dringend mehr qualifizierte Fachkräfte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Gerade die aktuelle ökologische Situation bietet eine Chance: Schülerinnen und Schüler lassen sich zunehmend dafür begeistern, Lösungen zu entwickeln, die unsere Zukunft sichern. MINT‑Kompetenzen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Herausforderungen im Bereich der MINT-Fächer

Hohe Bildungsabschlüsse – aber fehlende MINT-Kompetenz

Viele Jugendliche streben heute nach exzellenten Schulabschlüssen, doch gleichzeitig mangelt es an ausreichender MINT‑Basis. Der MINT‑Frühjahrsreport 2019 zeigt:

  • 300.000 Fachkräfte werden benötigt
  • 11.000 offene Ausbildungsplätze blieben unbesetzt
  • Die Zahl der Studienanfänger steigt – aber viele brechen ab

Gründe für die Problemlage

  • MINT-Fächer gelten als „trocken“ oder „schwierig“
  • Mathematik sorgt regelmäßig für Kritik, z. B. beim Matheabitur
  • Schullabore und Computerräume sind häufig schlecht ausgestattet
  • Technikunterricht spielt an vielen Schulen kaum eine Rolle
  • Firmen versuchen zunehmend früh, MINT‑Talente zu gewinnen

Während Bewegungen wie Fridays for Future starke Motivation erzeugen, fehlt eine ähnlich wirksame emotionale Bindung an MINT-Themen.

Citizen Science: Forschen für alle

Was Citizen Science ausmacht

„Citizen Science“ kommt ursprünglich aus den USA und beschreibt wissenschaftliches Arbeiten durch engagierte Bürgerinnen und Bürger. Als ehrenamtliche Bürgerforscher*innen:

  • beobachten sie Naturphänomene
  • erheben Daten
  • klassifizieren Tiere und Pflanzen
  • stellen eigene Projekte online bereit
  • arbeiten mit Forschungsinstituten zusammen

Die Daten werden per App hochgeladen und können professionell ausgewertet werden.

Warum Citizen Science für Jugendliche attraktiv ist

  • unmittelbare praktische Erfahrung
  • Abbau von Hemmschwellen im Kontakt mit Wissenschaft
  • Beteiligung an realen Forschungsprozessen
  • hohe Sichtbarkeit in sozialen Medien
  • offizielle Unterstützung, z. B. durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Kinder können bereits teilnehmen, etwa über Projekte auf buergerschaffenwissen.de. Schulen und Museen kooperieren zunehmend mit dieser Bewegung.

„Beschützer der Erde 2.0“ – Ein Wettbewerb für Klimatalente

Der Wettbewerb „Beschützer der Erde 2.0“ motivierte Schülerinnen und Schüler, klimarelevante Themen konkret zu bearbeiten. Er bot:

  • konstruktive Auseinandersetzung mit Klima- und Umweltfragen
  • Förderung naturwissenschaftlicher Talente
  • reale Projekterfahrung

Beispiele prämierter Beiträge (Mai 2019):

  • „Storch, wie geht es Dir?“ – Neues Gymnasium Oldenburg
  • „Weniger Plastik ist Meer“ – Comenius Schule

Ein Höhepunkt: Der Kontakt zur ISS und zu Astronaut Alexander Gerst, ermöglicht durch das Deutsche Zentrum für Luft‑ und Raumfahrt.

Mehr Bildungsgeld und digitale Lernangebote

Notwendige Maßnahmen

Damit MINT-Fächer attraktiver und erfolgreicher werden, braucht es:

  • bessere Ausstattung
  • mehr qualifizierte Lehrkräfte
  • langfristige Investitionen in Bildungsinfrastruktur

Quereinsteigende aus der Wirtschaft können den Lehrermangel nicht ausreichend kompensieren. Ihnen fehlt oft pädagogische Ausbildung, was den Bildungsauftrag verengt.

Digitale Lernwege stärken

E‑Learning wird zukünftig eine größere Rolle spielen:

  • Webinare
  • zertifizierte, werbefreie Lernvideos
  • qualitätsgeprüfte digitale Materialien

Statt auf Plattformen großer Internetkonzerne zurückzugreifen, sollten Schulen in Kooperation mit Schulbuchverlagen oder öffentlich‑rechtlichen Medien eigene Bildungsflatrates erwerben.

Kommentar: Wie wir mehr Begeisterung für MINT schaffen

Mathematik und andere MINT-Fächer leiden bis heute unter einem problematischen Image. Um mehr Interesse zu erzeugen, braucht es:

  • mehr positive Kommunikation über Chancen statt Defizite
  • echte Vorbilder außerhalb der wissenschaftlichen Fachwelt
  • persönliche Empfehlungen aus dem Umfeld („Eltern als Influencer“)
  • innovative Formate wie Science Slams, Schulprojekte oder Kontakte zu Forschenden
  • stärkere Sichtbarkeit naturwissenschaftlicher Themen im Alltag

Der gesellschaftliche Rückenwind durch Umweltengagement kann genutzt werden, um nachhaltige MINT-Motivation aufzubauen. MINT‑Kompetenzen sind ein wichtiger Teil der Lösung für ökologische Herausforderungen – nicht nur für „Einser-Schüler“.

Buchtipp:

Kramer Martin, Naturwissenschaft in der Grundschule Von der Wahrnehmung zum Experiment. Das Denk-, Staun- und Experimentier-Buch Beltz Verlag

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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