Direkt zum Inhalt

Bewegungsmangel bei Kindern

Ein Mädchen mit Smartphone auf dem Sofa
Entwicklung und Erziehung
© Markus Wegmann - Fotolia.com
von Christine Kammerer

Es ist ein fataler Trend: Schon die Kleinsten verbringen laut einer aktuellen AOK-Studie mehr Zeit mit Medien als gut für sie wäre. Gleichzeitig entsteht ein immer größerer Bewegungsmangel bei Kindern, weshalb sie immer häufiger an Übergewicht leiden. Fakt ist jedoch: In Familien, die eine positive Einstellung zur Bewegung haben, klagt der Nachwuchs viel seltener über körperliche und psychische Beschwerden. So leiden Kinder aus Familien, die sich gern bewegen, zum Beispiel selten oder nie an Bauchschmerzen – ganz im Gegensatz zu Kindern aus Familien, in denen Bewegung nicht üblich ist

Lesedauer:
5 min

Bewegungsmangel bei Kindern: Ein wachsendes Problem

Bewegte Kinder sind seltener gereizt oder launisch und haben zudem weniger Probleme beim Einschlafen. Die AOK wertet die Ergebnisse der Studie von 2018 als „klares Alarmsignal“. Ursachen sehen die Experten sowohl im Zeitmangel der Eltern als auch in den begrenzten Bewegungsmöglichkeiten im Wohnumfeld. Viele Kinder finden schlichtweg kaum noch bewegungsfreundliche Bedingungen vor der Haustür.

Übergewicht und Bewegungsmangel bei Kindern

Die Familienstudie 2018 zur Prävention basiert auf zwei Säulen:

  • Interviews mit Experten

  • Selbstangaben von 4.896 Familien mit Kindern zwischen 4 und 14 Jahren

Ergebnisse zeigen: Weniger als die Hälfte der Kinder geht täglich zu Fuß oder fährt mit dem Rad. Dennoch geben 67 Prozent der Familien an, dass körperliche Aktivität in ihrer Freizeit normal ist. Fast ein Drittel der Familien hingegen integriert Bewegung kaum in den Alltag.

Besonders betroffen:

  • Familien mit (stark) übergewichtigen Eltern

  • Über ein Drittel der Eltern war übergewichtig, jeder fünfte adipös

  • Nur 42 Prozent der Eltern hatten normales Gewicht

Der Body Mass Index (BMI) korreliert stark mit dem Bildungsstand: Rund 17 Prozent der Eltern mit Abitur oder Hochschulabschluss waren adipös, bei Eltern mit Hauptschulabschluss lag der Anteil bei 33 Prozent.

Gesundheitliche Folgen des Bewegungsmangels

Kinderärzte bestätigten in der DAK-Studie:

  • Über 50 Prozent sehen eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands durch Bewegungsmangel

  • 94 Prozent berichten von steigendem Übergewicht, besonders bei 6- bis 8-Jährigen

  • 80 Prozent beobachten zunehmende motorische Defizite, vor allem bei 3- bis 5-Jährigen

Als Hauptursachen gelten:

  • Bewegungsmangel in der Freizeit (96 %)

  • Intensive Mediennutzung (98 %)

  • Ungesunde Ernährung (92 %)

  • Fehlende positive Vorbildfunktion der Eltern (89 %)

WHO-Empfehlungen und Realität

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für 6- bis 18-Jährige täglich mindestens 90 Minuten körperliche Aktivität in moderater bis hoher Intensität. Laut AOK-Studie erreicht dies nur jedes zehnte Kind. Eltern dienen oft als Vorbild: Nur etwa 11 Prozent treiben regelmäßig Sport, mindestens 150 Minuten pro Woche.

Eine repräsentative Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt ähnlich besorgniserregende Ergebnisse:

  • Ein Viertel der Kinder erreicht 60 Minuten Bewegung pro Tag

  • Etwa die Hälfte der Mädchen und 63 Prozent der Jungen schaffen mindestens 90 Minuten Sport pro Woche

  • Über zwölf Jahre sank die körperliche Alltagsaktivität um 37 Prozent, also 31 Minuten pro Woche

Das „Motorik-Modul“ (MoMo) des RKI bestätigt somit den statistisch belegten Bewegungsmangel bei Kindern.

Fazit: Bewegungsmangel durch frühzeitige Förderung reduzieren

Um dem Bewegungsmangel entgegenzuwirken, sollten Kinder frühzeitig Freude an Bewegung vermittelt bekommen – Eltern als Vorbilder sind dabei entscheidend. Wichtige Maßnahmen im Alltag:

  • Kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen

  • Treppen statt Aufzug nutzen

  • Mobilgeräte häufiger beiseitelegen

  • Ausflüge an Seen, in Kletterparks oder Zoos unternehmen

Darüber hinaus sind Kommunen gefordert, geschützte Räume für Bewegungsaktivitäten bereitzustellen. Auch der Schulsport spielt eine zentrale Rolle: Er fördert motorische Fähigkeiten, reduziert Stress, beugt Übergewicht und Haltungsschäden vor und stärkt Teamgeist sowie Zusammenhalt.

So lässt sich Bewegungsmangel bei Kindern in vielen Lebensbereichen effektiv entgegenwirken.

Links

Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung, S. 25ff.

Das Motorik-Modul

Zuletzt geändert am 17.02.2026

Beitrag teilen:
Themen:
Bewegungsmangel
Kinder
Medien
Übergewicht
Prävention
Ernährung
Eltern
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

Weitere Beiträge lesen