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Digitale Medien im Unterricht

Foto von Mädchen im Unterricht mit Tablet
Wissen und Bildung
© Robert Kneschke - Fotolia.com
von Christine Kammerer

Digitale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen unser Denken und Handeln und gehören zur Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen spätestens ab dem Kindergartenalter. Es ist also in jeder Hinsicht sinnvoll, den Heranwachsenden einen sinnvollen Umgang mit der Technik und den dort präsentierten Inhalten beizubringen. Doch wie viel Digitalität macht Sinn?

Digitale Medien an deutschen Schulen

Immer wieder wird behauptet, deutsche Schulen seien im Hinblick auf digitale Ausstattung rückständig, nur weil nicht jedes Kind ein Tablet nutzt. Kritiker unterstellen, Schüler seien dadurch nicht zukunftsgerecht vorbereitet und könnten den Anschluss an internationale Konkurrenz verlieren. Doch wie fundiert sind diese Aussagen? Besteht tatsächlich ein Nachholbedarf – und steigert digitale Technik automatisch den Lernerfolg?

Bildung in der digitalen Welt

Digitale Kompetenz ist eine zentrale Fähigkeit in der modernen Wissensgesellschaft. Kinder sollten daher frühzeitig über Chancen, Risiken, Vor- und Nachteile digitaler Medien aufgeklärt werden – ab dem Zeitpunkt, an dem sie selbst aktiv damit arbeiten.

Voraussetzung dafür ist, dass nicht nur Schüler, sondern auch Lehrkräfte über entsprechende Medienkompetenz verfügen. Die Kultusministerkonferenz beschloss 2016 entsprechende Maßnahmen für Lehrerausbildung und Schulentwicklung. Dazu gehört der Ausbau der technischen Infrastruktur: Bis 2021 sollten Schüler jederzeit eine digitale Lernumgebung und Internetzugang nutzen können – sofern dies aus pädagogischer Sicht sinnvoll ist.

Wie wirksam ist Lernen mit digitalen Medien?

Nicht jeder Einsatz digitaler Medien ist automatisch sinnvoll. Studien, etwa von Bardo Herzig fĂĽr die Bertelsmann Stiftung, zeigen:

  • Die Frage, ob Tablets „besser“ seien als klassische Methoden, ist irrefĂĽhrend.

  • Ziele und Rahmenbedingungen des Unterrichts bestimmen die Wirkung.

  • Lernerfolg wird ĂĽblicherweise gemessen an:

    • Zuwachs an Wissen

    • Verbesserung der Problemlösungs- und Transferfähigkeit

Besonders effektiv ist das Lernen, wenn Inhalte nicht nur textlich, sondern auch visuell oder auditiv aufbereitet werden – etwa durch Bilder, Animationen oder gesprochene Texte.

Motivation steigt, Lernerfolg bleibt begrenzt

Studien zeigen: SchĂĽler, die Laptop, Notebook oder Tablet nutzen, weisen in Projekten oft Vorteile auf bei:

  • Motivation

  • Kooperation

  • Medienkompetenz

  • Selbststeuerung

  • Kognitive Komplexität

Doch das Gesamtergebnis bleibt ernüchternd: Die erreichten Effekte sind marginal und könnten durch andere Methoden ähnlich erzielt werden. Entscheidend ist: Digitale Medien wirken nur bei Schülern mit guter Selbststeuerung und geeigneten Lernstrategien. Ein Tablet allein kann sozialschichtbedingte Unterschiede nicht ausgleichen.

Learning by Doing

Digitale Medien ersetzen nicht klassische Lernmethoden, sondern erweitern lediglich das pädagogische Werkzeugset – vergleichbar mit einem Hammer, der für bestimmte Aufgaben nützlich ist.

  • Der Einsatz hängt stark von der Unterrichtssituation ab.

  • Lehrkräfte benötigen fundierte Qualifikation und Offenheit fĂĽr Experimente.

  • Unterrichtseinheiten mit digitalen Medien mĂĽssen entwickelt und evaluiert werden.

  • Zahlreiche Praxisprojekte existieren bereits, viele davon online verfĂĽgbar.

Fazit

Digitale Medien im Unterricht sind nicht automatisch sinnvoll. Eine ĂĽberstĂĽrzte Ausstattung aller SchĂĽler mit Tablets kann mehr Probleme erzeugen als Nutzen:

  • Wartung und Sicherheit der Geräte

  • Haftungsfragen

  • Lehrkräfte nicht immer ausreichend geschult oder motiviert

Nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen erzielen traditionelle Unterrichtsmethoden vergleichbare Lernerfolge. Bevor in digitale Technik investiert wird, sollte daher offen geprĂĽft werden, ob ein echter Mehrwert geschaffen wird.

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
digitale Medien
Unterricht
Schule
Lernerfolg
Tablet
Laptop
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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