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Die Rolle der GroĂźeltern im Falle einer Scheidung

Fröhliches Gruppenbild mit Enkeln und Großeltern
Entwicklung und Erziehung
© goodluz - Fotolia.de
von Bettina Levecke

Eltern leiden mit, wenn das eigene Kind Eheprobleme hat und sich scheiden lässt. Ganz besonders, wenn auch Enkelkinder betroffen sind. GroĂźeltern können die Beschwerlichkeiten einer Trennung abmildern. DafĂĽr braucht es vor allem eines: UnterstĂĽtzung und RĂĽckhalt.

Lesedauer:
4 min

💔 Wenn erwachsene Kinder sich trennen – die Rolle der Großeltern

Verlobung, Hochzeit, Familienfeste – und Jahre später Tränen, Konflikte, Trennung. In Deutschland werden jährlich rund 200.000 Ehen geschieden. Hinter diesen Zahlen stehen nicht nur Paare, die sich „entliebt“ haben, sondern ganze Familien, vor allem: Großeltern und Enkelkinder.

Für Eltern ist es schwer auszuhalten, wenn das eigene Kind leidet. Man wünscht Glück, Zufriedenheit und Stabilität – und fühlt sich hilflos, wenn stattdessen Streit, Probleme und die Entscheidung zur Scheidung dominieren.


🗣️ Ratschläge – gut gemeint, oft problematisch

Viele Großeltern kennen die Beziehung des Paares gut, haben Höhen und Tiefen miterlebt und möchten helfen:

  • „Du musst dich mehr kĂĽmmern…“
  • „Warum ändert ihr denn nichts…?“

Doch Vorsicht:
👉 In Krisensituationen wirken ungefragte Ratschläge schnell wie Kritik oder Einmischung.

Die Kinder sind erwachsen und treffen eigene Entscheidungen – der Rückfall in alte Eltern-Kind-Rollen führt schnell zu noch mehr Stress.

Besser:

  • behutsam das Gespräch suchen
  • zuhören, nicht urteilen
  • nachfragen, ohne zu bohren
  • akzeptieren, wenn das Kind nicht reden möchte

Einfühlsame Präsenz ist hilfreicher als jeder Rat.


🔥 Kein Öl ins Feuer – respektieren statt bewerten

Auch wenn Großeltern das Gefühl haben, die Scheidung komme „zu schnell“ oder sei falsch – die persönliche Entscheidung ihres Kindes muss respektiert werden.

Scheidungen sind hoch emotional, vor allem wenn kleine Kinder betroffen sind:

  • Trauer
  • Wut
  • Enttäuschung
  • Angst
  • SchuldgefĂĽhle

Noch mehr Belastung durch VorwĂĽrfe?
👉 unbedingt vermeiden!

Besser:

  • MitgefĂĽhl ausdrĂĽcken („Ich fĂĽhle mit dir.“)
  • Vertrauen schenken („Ich wĂĽnsche dir, dass diese Entscheidung gut fĂĽr dich ist.“)
  • Halt geben statt Druck machen

đź’¬ Was tun mit den eigenen GefĂĽhlen?

Großeltern sind nicht neutral – auch sie sind betroffen:

  • Wut („Jetzt ist alles kaputt…“)
  • Trauer („So habe ich mir das nicht vorgestellt…“)
  • Sorge („Was wird aus den Enkeln?“)
  • Enttäuschung („Wir haben so viel investiert…“)

Solche Gefühle sind normal – aber sie gehören nicht in Gespräche mit dem betroffenen Kind.

Besser:

  • mit Partner, Freunden oder anderen Vertrauenspersonen sprechen
  • Belastungen sachlich klären (Umzug, Wegzug, finanzielle Themen)
  • ggf. Mediation nutzen

Wichtig:
👉 Ihr Kind handelt nicht in böser Absicht. Auch für die erwachsenen Kinder ist die Situation schmerzhaft.


🤝 Unterstützung anbieten – aber respektvoll

GroĂźeltern mĂĽssen die Entscheidung ihrer Kinder nicht verstehen, aber sie sollten sie respektieren.

Hilfreiche Sätze wären zum Beispiel:

  • „Ich bin fĂĽr dich da, wenn du mich brauchst.“
  • „Sag mir bitte, wie ich dich entlasten kann.“

Das stärkt die Beziehung und zeigt: Familie hält zusammen – auch in Krisen.

Formen der UnterstĂĽtzung:

  • Hilfe im Haushalt
  • zeitweise Betreuung der Enkel
  • praktische Hilfe bei organisatorischen Veränderungen
  • finanzielle UnterstĂĽtzung (falls möglich & gewĂĽnscht)

Solche Hilfen reduzieren Stress und können die Familienbeziehungen dauerhaft stärken.


👧👦 Die wichtigste Rolle: Für die Enkel da sein

FĂĽr Kinder ist die Scheidung der Eltern oft ein Erdbeben. Umso wichtiger ist die Gewissheit:

👉 Oma und Opa bleiben.

Großeltern können eine zentrale Stütze sein:

  • da sein
  • zuhören
  • trösten
  • Sicherheit bieten

Ganz wichtig:

❌ keine Parteinahme
❌ keine Lästereien vor dem Kind
❌ keine Details über Ehesituationen

Kinder haben beide Eltern lieb – Loyalitätskonflikte wären enorm belastend.

Stattdessen:

  • schöne gemeinsame Erlebnisse schaffen
  • Rituale beibehalten
  • Ruheinseln bieten
  • Alltag stabilisieren

So wird GroĂźelternliebe zum Anker in einer unsicheren Zeit.


📚 Buchtipps

  • Dr. Miriam Stoppard: Das GroĂźeltern-Buch, Dorling Kindersley Verlag
  • Helga GĂĽrtler: Kinder lieben GroĂźeltern, Kösel-Verlag

Zuletzt aktualisiert am: 09.02.2026

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Themen:
Scheidung
Streit
Konflikt
Ehekrise
GroĂźeltern
Oma
Opa
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Bettina Levecke

Bettina Levecke ist freie Journalistin aus der Nähe von Bremen. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesundheit, Familie und Nachhaltigkeit.

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