Lesekompetenz fördern
Lesekompetenz fördern
Lesen ist der Schlüssel zum schulischen Erfolg. Nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern sind Kinder und Jugendliche darauf angewiesen, Texten ihre Informationen entnehmen zu können. Der folgende Beitrag nennt erste Ansätze hierfür.
Lesekompetenz fördern – warum jedes Kind lesen lernen muss
„Jedes Kind muss lesen lernen!“ – mit dieser eindringlichen Forderung wendet sich die Kinder‑ und Jugendbuchautorin Dr. Kirsten Boie gemeinsam mit Expertinnen und Experten an Politik und Gesellschaft.
Lesen ist der Schlüssel zum schulischen Erfolg. Ohne ausreichende Lesekompetenz können Kinder weder Texte verstehen noch Informationen entnehmen – und das betrifft alle Fächer, nicht nur den Deutschunterricht.
Auch in Ausbildung, Studium und Berufsleben bleibt Lesekompetenz eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe, Selbstständigkeit und Bildungschancen.
Die Frage lautet also: Was können Eltern und pädagogische Einrichtungen tun, um Kinder auf ihrem Weg zum sicheren Lesen zu unterstützen?
Was bedeutet Lesekompetenz?
Der Begriff Lesekompetenz beschreibt die Fähigkeit,
- geschriebene Texte zu verstehen,
- relevante Inhalte herauszufiltern,
- Informationen zu nutzen
- und ĂĽber Texte zu reflektieren.
Lesekompetenz ist Voraussetzung fĂĽr:
- schulisches Lernen
- eigenständige Wissensaneignung
- soziale und kulturelle Teilhabe
- lebenslanges Lernen
Wie entwickelt sich Lesekompetenz?
1. Lese- und Schreiblehrgang (1.–2. Klasse)
In den ersten beiden Schuljahren lernen Kinder zunächst die Technik des Lesens: Buchstaben erkennen, Silben verbinden, erste Wörter und Sätze lesen.
2. LeseflĂĽssigkeit & Automatisierung
Wenn die Grundtechnik sitzt, geht es darum, flĂĽssig und sicher zu lesen, ohne jedes Wort mĂĽhsam zu entschlĂĽsseln.
3. Sinnentnahme & Textverständnis
Kinder lernen, gezielt Informationen aus Texten zu entnehmen, Zusammenhänge zu erkennen und Inhalte zu reflektieren.
4. Eigenständiges, lustvolles Lesen
Erst wenn Lesen nicht mehr mühsam ist, entsteht Freude – ein wichtiger Motor für langfristige Lesemotivation.
ES IST ENTSCHEIDEND:
In jeder Phase müssen Kinder zum Lesen motiviert bleiben – auch über die Grundschule hinaus.
Literacy entwickeln – der Grundstein für Lesekompetenz
„Literacy“ umfasst mehr als Lesen und Schreiben. Es bedeutet:
- Erfahrungen mit Geschichten
- Verständnis von Erzählstrukturen
- Wissen ĂĽber Schriftkultur
- Freude am Umgang mit Sprache
Vorlesen spielt dabei eine zentrale Rolle.
Schon im Kleinkindalter:
- FĂĽhlbĂĽcher
- WimmelbĂĽcher
- BilderbĂĽcher
→ bieten viele Gesprächsanlässe.
Später:
- regelmäßige Vorlesezeiten
- Geschichten mit komplexeren Handlungen
- gemeinsames Antizipieren, Nachfragen, Reflektieren
Kinder lernen dadurch:
- dem Inhalt zu folgen
- RĂĽckschlĂĽsse zu ziehen
- sich in Geschichten hineinzudenken
- Texten ihre Bedeutung zu entnehmen
Wichtig:
Vorlesen sollte nicht mit dem Kindergarten enden.
Auch Grundschulkinder und viele Jugendliche genießen das gemeinsame Lesen – besonders in dialogischer Form.
Lesemotivation fördern – der Motor der Lesekompetenz
Lesen lernen gelingt nur, wenn Kinder lesen wollen.
Dazu können Eltern viel beitragen.
1. Vorbild sein
Kinder, die Erwachsene beim Lesen sehen, entwickeln häufiger selbst Freude daran.
Fragen Sie sich:
- Wie oft liest mein Kind mich lesen?
- Spreche ich ĂĽber meine eigenen BĂĽcher?
2. Interesse ernst nehmen
- Welche Themen liebt das Kind?
- Liest es lieber Sachtexte als Geschichten?
Es gibt heute eine riesige Auswahl an:
- SachbĂĽchern
- Kinderlexika
- Wissensmagazinen
- Comics und Graphic Novels
Alles davon ist wertvoll.
3. Gemeinsame Erlebnisse schaffen
- Bibliotheksbesuche
- stöbern in Buchhandlungen
- Auswahlmöglichkeiten schaffen
4. Digitale Motivation nutzen
Programme wie Antolin motivieren Kinder durch Quizze, Punkte und Auszeichnungen – ein spielerischer Zugang zur Leseförderung.
5. Hörbücher gezielt einsetzen
Hörbücher ersetzen nicht das Lesen, können aber:
- Wortschatz erweitern
- Fantasie anregen
- Interesse an Geschichten wecken
Wenn Lesen schwerfällt – was Eltern tun können
Hat ein Kind deutliche Schwierigkeiten beim Lesenlernen, sollte frĂĽh gehandelt werden:
Schritte:
- Gespräch mit der Lehrkraft
- Beobachtung durch Förderschulpädagog*innen
- Entwicklungsdiagnostik ĂĽber Kinderarzt oder SPZ
Viele Kinder brauchen einfach mehr Zeit.
Sollte jedoch eine Leseschwäche vorliegen, ist frühe Förderung entscheidend.
Fazit: Lesen ist eine Schlüsselkompetenz – für das ganze Leben
Damit Kinder erfolgreich am schulischen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können, müssen sie lesen können – und lesen wollen.
Das gelingt, wenn:
- Eltern
- Erzieher*innen
- Grundschule
- weiterfĂĽhrende Schule
eng zusammenarbeiten und Kinder aktiv begleiten.
Lesekompetenz ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Prozess, der Aufmerksamkeit, Motivation und Förderung braucht.
Link zu Kirsten Boies Petition:
https://www.change.org/p/jedes-kind-muss-lesen-lernen
Link zu Antolin:
Zuletzt aktualisiert am: 09.02.2026
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.