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Bewertungsportale und Co. -

Schüler bewerten Unterricht und Lehrer

Foto eines Jungen beim Lernen mit Tablet
Wissen und Bildung
© Syda Productions - Fotolia.com
von Hildegard Dierks

Schon immer träumten Schülerinnen und Schüler davon ihren Lehrern/-innen die Meinung zu sagen, ohne Nachteile zu befürchten. Tendenziell sind Autoritäten nicht mehr so furchteinflößend wie früher, aber dennoch liegen im Verhältnis Schüler/-in, Eltern und Lehrkräfte potenziell Konflikte, wenn es um die Beurteilung von Unterricht oder Zensuren geht. Schülerinnen und Schüler werden bewertet im Unterricht, aber können auch sie ihr Urteil oder eine Rückmeldung abgeben? Welche Möglichkeiten gibt es Rückmeldungen zum Unterricht zu geben?

Lesedauer:
5 min

Früher spielten Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften manchmal Streiche oder schimpften über sie auf dem Schulweg. Die Worte verhallten im Wind und wurden nicht gespeichert.

Mit dem Internet hat sich diese Kommunikation verlagert: Bewertungen von Unterricht und Lehrkräften erfolgen zunehmend online.


Bewertungsportale

Bekannte Plattformen wie spickmich.de und schulradar.de entstanden in den frühen 2000er-Jahren.

  • Sie sind heute fast bedeutungslos.

  • Schüler, Schülerinnen und Eltern nutzen stattdessen vor allem geschlossene Gruppen in Messenger-Diensten.

Problem dieser Gruppen:

  • Lehrkräfte werden oft nicht gehört oder können sich nicht äußern.

  • Datenschutz ist nicht gewährleistet, vor allem bei Leistungsdaten von Kindern.

  • Inhalte können weiterverbreitet werden und zu Konflikten oder Rufschädigung führen.

Positiv:

  • Gruppen werden oft für Organisatorisches oder Hausaufgaben genutzt.


Apps für Schülerfeedback im Unterricht

Grundidee:

  • Nicht übereinander reden, sondern miteinander sprechen, um Probleme zu lösen und Unterricht zu verbessern.

  • Eine Möglichkeit ist die Feedback-App Edkimo, entwickelt von einem Startup und der Leuphana Universität Lüneburg.

Funktionsweise:

  • Schülerinnen und Schüler beantworten anonym Unterrichtsfragen auf der App.

  • Die Antworten werden grafisch aufbereitet.

  • Ergebnisse werden gemeinsam besprochen und ggf. Konsequenzen gezogen.

  • Lehrkräfte können fertige Fragebögen nutzen oder eigene erstellen.

Status:

  • In NRW haben Lehrkräfte kostenlosen Zugang zur Grundversion.

  • In anderen Bundesländern verfügt zumindest eine Person pro Schule über Zugang.


Chancen und Grenzen von digitalen Rückmeldungen

Vorteile:

  • Schnelle Auswertung der Antworten

  • Grafische Darstellung erleichtert Übersicht

  • Mehr Partizipation der Schüler

  • Feedback ist besonders nützlich bei E-Learning oder Online-Unterricht

Grenzen:

  • Fragen müssen für die jeweilige Klasse relevant sein

  • Schüler sind nur begrenzt „Experten“ für Unterrichtsqualität

  • Der Reiz der App kann nachlassen, wenn der Einsatz nicht ernst genommen wird

  • Grafische Darstellungen können falsche Sicherheit vermitteln

Wichtig:

  • Datenschutz muss eingehalten werden

  • Ergebnisse müssen professionell interpretiert werden

  • Konsequenzen aus Feedback müssen umgesetzt werden, sonst verlieren Schüler Vertrauen


Kommentar: App-gestütztes Feedback vs. direkte Rückmeldung

App-Feedback:

  • Kann ergänzend eingesetzt werden

  • Hilft, Stimmung und Einschätzungen der Schüler zu erfassen

Direktes Feedback im Unterricht:

  • Schüler sollten lernen, in respektvoller Sprache ihre Meinung zu sagen

  • Sowohl positives als auch konstruktiv kritisches Feedback gehört dazu

  • Lehrkräfte sollten Schüler ermutigen, Fragen direkt zu stellen

Erfolgreiches Lernen bedeutet nicht nur, digitale Fragebögen auszufüllen, sondern auch, Fragen zu stellen und mitzudenken.


Tipps für Lehrkräfte und Schulen

  • App-gestütztes Feedback ergänzt traditionelle Rückmeldungen, ersetzt sie aber nicht.

  • Schüler sollen lernen, Probleme und Lob direkt und respektvoll zu kommunizieren.

  • Technik sollte immer einen pädagogischen Zweck haben, nicht nur zum Selbstzweck.


Links & Literatur

  • Edkimo – Beispielhafte Fragebögen für verschiedene Schulformen

  • Buchtipp: Anja von Kanitz, Feedbackgespräche, Haufe Taschenbuch Guide 2015

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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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