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Was Oma und Opa gespielt haben

Foto von einem Kind im HĂĽpfekasten
Freizeit und Erholung
© nadezhda1906 - Fotolia.com
von Dr. Birgit Ebbert

Fragt man heute ein Kind, was es am liebsten spielt, so wissen Erwachsene häufig nicht, wovon die Rede ist. Da fallen Namen von Figuren aus elektronischen Spielen, die ständig wechseln. Erkundigt man sich dann aber nach einem „richtigen“ Spiel, an dem andere Spieler beteiligt sind, sieht das schon anders aus. Dann wird deutlich, dass auch heutige Kinder Freude an Brett- und Ballspielen haben und manche Spiele, die Oma und Opa früher spielten, nicht vergessen sind.

Lesedauer:
7 min

Kinderspiele früher und heute – Vergessene Spielschätze neu entdecken

Spiele, wie sie Oma und Opa früher kannten, kommen ganz ohne viel Material aus. Sie funktionieren überall – zu Hause, im Garten oder sogar im Wohnzimmer an einem dunklen Winterabend. Gerade die kalte Jahreszeit lädt dazu ein, alte Spiele neu auszuprobieren und vielleicht sogar neue Lieblingsspiele zu entdecken.

Auch heute gilt: Spielen ist die „Arbeit“ der Kinder. Es fördert Kreativität, Sozialverhalten, Regelverständnis, Gewinnen und Verlieren – und regt Gespräche an. Warum hieß das Fadenspiel eigentlich „Schweinchen auf der Leiter“? Oder warum spielte man mit einem Fahrradreifen? Solche Fragen öffnen Türen in die eigene Kindheit.

Neben vielen Spielbeispielen bieten Literatur und Links am Ende des Artikels weitere Anregungen – und vielleicht erzählen auch Oma, Opa oder ältere Nachbarn gern von ihren früheren Spielen.


Spiele mit wenig oder ohne Material

Puppen, Teddys, Autos und Eisenbahnen haben Kinder schon immer begleitet – früher jedoch in deutlich geringerer Vielfalt. Rollenspiele ähnelten sich dennoch. Viele Familien hatten außerdem eine klassische Spielesammlung mit Würfel, Spielfiguren, Damesteinen und mehreren Spielplänen. Der Würfel war das wichtigste Element – und fand selbst in selbst erfundenen Spielen wie Streichholzspielen seinen Einsatz.

Alle Vögel fliegen hoch

Ein Sprachspiel, das nur Mitspieler und ein paar Worte braucht:
Alle trommeln mit den Fingern auf den Tisch. Der Spielleiter ruft:
„Alle … fliegen hoch!“
Nennt er ein Tier, das fliegen kann, heben alle die Hände. Wenn nicht, wird weitergetrommelt.

Weitere sprachbasierte Klassiker:

  • „Ich packe meinen Koffer“
  • „Ich sehe was, was du nicht siehst“
  • „Stille Post“

Mein Hut, der hat drei Ecken

Gesungen oder gesprochen – zu jedem Wort gibt es Bewegungen.
Beispiel: „Hut“ → mit beiden Händen einen Hut formen, „drei“ → drei Finger zeigen.
Kinder können eigene Varianten erfinden, z. B.:
„Mein Fahrrad hat zwei Räder…“

Schweinchen wĂĽrfeln

Material: 16 Streichhölzer, kleine Belohnungen (Chips, Nüsse, Süßes).
Man legt aus den Streichhölzern ein „Schweinchen“ und füllt jedes Feld mit einem kleinen Gewinn.
Wer eine 6 würfelt, darf ein Streichholz entfernen – öffnet sich ein Feld, gehört die Belohnung dem Spieler.

Schweinchen auf der Leiter (Fadenspiel)

Ein Faden von ca. 50 cm Länge wird verknotet. Eine Person spannt den Faden zwischen den Händen, die andere greift hinein und übernimmt das Muster. Online‑Videos zeigen die Technik – oder die Großeltern!

 

 

 


Spiele mit Stift und Papier

Diese Klassiker funktionieren immer – ob zuhause, unterwegs oder auf Reisen.

Stadt, Land, Fluss

Ein echter Evergreen – heute sogar als Block erhältlich.

Schiffe versenken

Wegen des Themas aus der Mode, aber leicht modernisierbar:
Statt Schiffe werden Schatzkisten „gefunden“.

Käsekästchen („Dots and Boxes“)

Auf kariertem Papier zieht jeder Spieler abwechselnd eine Linie.
Wer ein Kästchen vervollständigt, markiert es in seiner Farbe.

Tic Tac Toe

3×3‑Felder, zwei Symbole, Ziel: drei in einer Reihe.


Kreis- und StraĂźenspiele

Draußen oder in größeren Räumen spielbar – ideal, um sich auszupowern.

Verstecken, Fangen, Seilspringen, Gummitwist, Hüpfkästchen:
Hier spielen Generationen dieselben Spiele, auch wenn Namen und Regeln variieren.

Reifen und Kreisel treiben

Früher trieb man einen „Dilldopp“ (Holzkreisel) mit einer Peitsche an oder rollte ein Reifen mit einem Stock durchs Dorf.
Heute klappt das auch mit einem Hula‑Hoop‑Reifen und einem Stab im Hof.

Kreisspiele: Laurentia & Co.

Ob „Dornröschen war ein schönes Kind“, „Der Plumpsack geht um“, „Taler, Taler“ oder „Häschen in der Grube“ – Kreisspiele fördern Bewegung, Rhythmus und Konzentration.

Beispiel: Laurentia
Kinder bilden einen Kreis, singen und bewegen sich rhythmisch. Beim genannten Wochentag gehen sie in die Hocke. Jede Runde wird um einen weiteren Tag ergänzt – bis Sonntag bis Samstag gesungen wird. Eine große Herausforderung für alle!

Fischer, wie tief ist das Wasser?

Ein Spieler ist der Fischer. Auf die Frage
„Fischer, wie tief ist das Wasser?“
sagt er z. B. „4 Gänsefüßchen!“
Alle dĂĽrfen vier kleine Schritte machen (Hacke an Spitze).
Gewinner ist, wer den Fischer als Erster erreicht.


4. Literatur & Links

Literatur

  • Inge Friedl: Alte Kinderspiele – einst und jetzt (2015)
  • Theo Götz / Margret Merzenich: Alte Kinderspiele wieder entdeckt (2011)
  • Kinderspiele aus der guten alten Zeit (2013)
  • Helga Langosch-Fabri: Alte Kinderspiele neu entdecken (1995)
  • Martin Stiefenhofer: Schöne alte Kinderspiele (2010)
  • Johanna Woll: Alte Kinderspiele (1998)

Links

  • Kinderspiele von frĂĽher
  • Spiele von frĂĽher
  • Alte, fast vergessene Spiele fĂĽr drauĂźen
  • 22 Kinderspiele, die wir alle gespielt haben
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

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