Was Oma und Opa gespielt haben
Was Oma und Opa gespielt haben
Fragt man heute ein Kind, was es am liebsten spielt, so wissen Erwachsene häufig nicht, wovon die Rede ist. Da fallen Namen von Figuren aus elektronischen Spielen, die ständig wechseln. Erkundigt man sich dann aber nach einem „richtigen“ Spiel, an dem andere Spieler beteiligt sind, sieht das schon anders aus. Dann wird deutlich, dass auch heutige Kinder Freude an Brett- und Ballspielen haben und manche Spiele, die Oma und Opa früher spielten, nicht vergessen sind.
Kinderspiele früher und heute – vergessene Spielschätze wiederentdecken
Warum alte Spiele zeitlos sind
Früher brauchten Kinder kaum Material, um fantasievoll zu spielen – egal ob im Wohnzimmer, im Garten oder draußen auf der Straße. Gerade die kalte Jahreszeit eignet sich wunderbar, um alte Spiele neu zu beleben und vielleicht sogar frisch zu entdecken.
Eines gilt damals wie heute: Spielen ist die „Arbeit“ der Kinder. Es fördert Kreativität, soziale Fähigkeiten, Regelverständnis sowie den Umgang mit Gewinnen und Verlieren. Und ganz nebenbei entstehen Gespräche darüber, warum ein Fadenspiel „Schweinchen auf der Leiter“ heißt oder warum man früher mit einem Fahrradreifen spielte.
Am Ende finden sich Literatur‑ und Linktipps – und vielleicht erzählen Großeltern oder ältere Nachbarn noch eigene Kindheitsspiele.
Spiele ohne oder mit wenig Material
Klassiker im Kinderzimmer
Puppen, Stofftiere, Autos und Eisenbahnen gab es früher wie heute – nur in kleinerer Auswahl. Rollenspiele blieben dennoch ähnlich. In vielen Haushalten standen klassische Spielesammlungen mit Würfel, Spielfiguren und mehreren Spielvorlagen. Der Würfel spielte dabei eine zentrale Rolle – sogar in selbst erfundenen Streichholzspielen.
Alle Vögel fliegen hoch
Ein einfaches Sprachspiel, das nur Mitspieler braucht:
- Alle trommeln mit den Fingern auf den Tisch.
- Der Spielleiter ruft: „Alle … fliegen hoch!“
- Bei Tieren, die fliegen können, heben alle die Hände.
- Stimmen Begriff und Aktion nicht ĂĽberein, wird weitergetrommelt.
Weitere beliebte Sprachspiele
- Ich packe meinen Koffer
- Ich sehe was, was du nicht siehst
- Stille Post
Mein Hut, der hat drei Ecken
Ein Bewegungs‑ und Singspiel.
Jedes wichtige Wort wird durch eine Bewegung begleitet – z. B.:
- „Hut“ → Hut mit den Händen formen
- „drei“ → drei Finger zeigen
Kinder erfinden gern eigene Versionen, etwa: „Mein Fahrrad hat zwei Räder…“
Schweinchen wĂĽrfeln
Material: 16 Streichhölzer, kleine Gewinne (Chips, Nüsse, Mini‑Süßigkeiten).
- Aus den Streichhölzern wird ein „Schweinchen“ gelegt.
- Jede Fläche enthält eine kleine Belohnung.
- Wer eine 6 wĂĽrfelt, darf ein Streichholz entfernen.
- Wird ein Feld geöffnet, gehört der Inhalt dem Spieler.
Schweinchen auf der Leiter (Fadenspiel)
Ein ca. 50 cm langer Faden wird verknotet.
Eine Person spannt ihn zwischen den Händen, die andere übernimmt das Muster.
Heute zeigen viele Videos die Technik – noch schöner ist es, dies mit Großeltern zu üben.
Spiele mit Stift und Papier
Klassiker fĂĽr unterwegs, zu Hause oder auf Reisen
Diese Spiele funktionieren ĂĽberall:
Stadt, Land, Fluss
Ein zeitloser Favorit – heute sogar als Block erhältlich.
Schiffe versenken
Wegen des Themas teils weniger beliebt, aber leicht abwandelbar:
Statt Schiffen werden Schatzkisten gesucht.
Käsekästchen (Dots and Boxes)
Auf kariertem Papier zieht jeder Spieler abwechselnd eine Linie.
Wer ein Kästchen vervollständigt, markiert es in seiner Farbe.
Tic Tac Toe
3Ă—3 Felder, zwei Symbole, Ziel: drei in einer Reihe.
Kreis‑ und Bewegungsspiele
Verstecken, Fangen & Co.
Viele Bewegungsspiele bleiben ĂĽber Generationen gleich:
- Seilspringen
- Gummitwist
- Hüpfkästchen
- Verstecken
- Fangen
Reifen- und Kreiselspiele
Früher trieb man einen Holzkreisel („Dilldopp“) mit einer kleinen Peitsche an oder rollte einen Reifen mit einem Stock.
Heute funktioniert das prima mit einem Hula‑Hoop‑Reifen und einem Stab.
Kreisspiele: Klassiker mit Musik und Rhythmus
Beliebte Spiele:
- Dornröschen war ein schönes Kind
- Der Plumpsack geht um
- Taler, Taler, du musst wandern
- Häschen in der Grube
Beispiel: Laurentia
Kinder bilden einen Kreis, singen und bewegen sich rhythmisch.
Bei jedem genannten Wochentag gehen sie in die Hocke.
Runde für Runde kommt ein weiterer Tag hinzu – bis „Sonntag bis Samstag“ gesungen wird. Eine fröhliche Herausforderung!
Fischer, wie tief ist das Wasser?
- Ein Spieler wird der Fischer.
- Auf die Frage: „Fischer, wie tief ist das Wasser?“ nennt er z. B. „4 Gänsefüßchen!“
- Alle dĂĽrfen vier kleine Schritte machen.
- Gewinner ist, wer den Fischer zuerst erreicht.
4. Literatur & Links
Literatur
- Inge Friedl: Alte Kinderspiele – einst und jetzt (2015)
- Theo Götz / Margret Merzenich: Alte Kinderspiele wieder entdeckt (2011)
- Kinderspiele aus der guten alten Zeit (2013)
- Helga Langosch-Fabri: Alte Kinderspiele neu entdecken (1995)
- Martin Stiefenhofer: Schöne alte Kinderspiele (2010)
- Johanna Woll: Alte Kinderspiele (1998)
Links
- Kinderspiele von frĂĽher
- Spiele von frĂĽher
- Alte, fast vergessene Spiele fĂĽr drauĂźen
- 22 Kinderspiele, die wir alle gespielt haben
Zuletzt geändert am 11.02.2026
Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.