Mehr Stille fĂĽr Kinder
Mehr Stille fĂĽr Kinder
Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Kurzsichtigkeit. Wie aber steht es um das Hören und die Hörfähigkeit unserer Kinder? Wie vielen Lärmquellen sind unsere Kinder ausgesetzt? Haben Kinder genügend Zeit für Stille und Ruhe? Mit mehr Stille für Kinder ist keine Grabesruh gemeint, sondern ein Lärmpegel, der mit der Gesundheit von Kindern vereinbar ist. Viel Lärm macht uns alle krank. Was kann man tun?
Lärm instinktiv meiden: Beispiele aus Alltag und Schule
In der deutschen Sprache kann „Krach“ sowohl Ärger als auch Lärm bedeuten – beides möchten wir am liebsten vermeiden. Ein Blick in unseren Alltag zeigt, wie sensibel Mensch und Tier auf laute Geräusche reagieren.
Tiere und Kinder als sensible Beobachter
Ein Beispiel aus der WDR‑Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“:
Eine Familie berichtete, dass ihr Hund den Raum verließ, sobald die Kinder zu laut wurden. Der Lärm vertrieb ihn – und die Kinder bemühten sich daraufhin, leiser zu sein. Silvester ist für viele Hunde ohnehin purer Stress.
Auch Kinder reagieren empfindlich:
- Babys und Kleinkinder weinen bei Knallgeräuschen.
- Kita- und Grundschulkinder halten sich häufig spontan die Ohren zu.
- Besonders Erstklässler klagen oft über die Lautstärke im Klassenzimmer.
Eigenen Lärm empfinden wir allerdings meist weniger störend als den von anderen.
Gesundheitliche Folgen: Schwerhörigkeit und mehr
Lärm als zunehmende Belastung
Der Berufsverband der HNO‑Ärzte warnt: Immer mehr Jugendliche entwickeln dauerhafte Schwerhörigkeit. Ursachen sind häufig:
- zu lauter Musikkonsum über Kopfhörer
- laute Konzerte oder Events
Doch Lärm schadet nicht nur dem Gehör. Studien zeigen, dass er auch:
- Stress
- Angst
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bluthochdruck
verstärken kann.
Lärmquellen im Alltag von Kindern
Neben Verkehrslärm und Fluglärm spielt seit 2018 auch Windradlärm laut WHO eine Rolle. Zusätzlich besuchen Kinder häufig laute Freizeitangebote wie Fitnesskurse, Konzerte, Freizeitparks oder Sportstadien.
Ruheräume: Wo Kinder Stille erleben können
Ruhe braucht Raum – auch in der Schule
Kinder verbringen heute mehr Zeit denn je in der Schule. Doch Pausenräume, Mensen und Sporthallen sind oft laut. Nötig sind daher Rückzugsmöglichkeiten, wie man sie aus vielen Kitas kennt.
Konzepte für schulische Ruheräume
Das niederländische Snoezelen‑Konzept zeigt, wie Räume gestaltet werden können, um Entspannung zu fördern. Mögliche Elemente:
- gedämpfter Lärmpegel
- bequeme Sitz- und Liegeflächen
- stimmungsvolle Lichtquellen
- ruhige Musik
- sanfte Farben
- Aromatherapie (z. B. Lavendel gegen Angst)
Ruheräume bieten Kindern die Möglichkeit, Energie aufzutanken und konzentrierter zu arbeiten.
Herausforderungen:
Kosten, Aufsichtspflicht, Anpassung an Nutzerbedürfnisse – und strenge Brandschutzvorgaben, die z. B. Sofas oft verbieten.
Besserer Schallschutz in Schulen
Viele Schulen werden in den kommenden Jahren saniert oder neu gebaut – eine Chance, endlich moderner Schallschutz zu berücksichtigen.
Was moderner Schallschutz leisten kann
- schalldämpfende Decken
- Akustikbilder an Wänden
- lärmdämmende Fenster
- angenehme Geräuschkulisse in Mensa und Cafeteria
Ziel: Das optimale Hörvermögen soll so lange wie möglich erhalten bleiben. Elternvertreter können das Thema in Schulkonferenzen einbringen.
Stille zuhause fördern
Kleine Inseln der Ruhe im Familienleben
Eltern können selbst viel dazu beitragen, dass Kinder zu Hause Stille erleben:
- ruhige Hörspiele oder Musik
- gemĂĽtliche RĂĽckzugsecken
- kleine Fantasiereisen oder Abendrituale
Ruhephasen stärken die Bindung und das Wohlbefinden. Stille darf dabei nie Strafe sein – ein Fehler der Vergangenheit.
Kommentar: „Sitz still.“ war gestern
Ruhe ist nicht gleich Stille, aber Stille hilft, zur Ruhe zu finden. Früher war Stillsitzen eine erzwungene Norm – oft mit Druck und Starrheit verbunden. Heute geht es darum, Kindern Wege zu zeigen, wie sie:
- innere Ausgeglichenheit finden
- Lärm bewusst wahrnehmen und meiden
- Konzentration stärken
- sich schützen, besonders vor Kopfhörer‑Dauerbeschallung
Nicht zu vergessen: Auch den Lärm, den wir selbst verursachen, können wir reduzieren. Bewegung ist möglich – auch leise.
Buchtipps:
Bücken-Schaal M. Meditationen und Stilleübungen für Kinder. In Kindergarten, Grundschule und Kinderkirche (Kinderspiritualität) Don Bosco Medien 2013
Sauer, I. et al. Ăśbungen der Stille und der Konzentration: Wege zur Entspannung durch Montessori, Mit Audio-CD (1. Bis 4. Klasse) BroschĂĽre Auer Verlag in der AAP Lehrerfachverlage 2015
Linktipp:
Internetpräsenz für Alternative Pädagogik und Privatschulen
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.