Autismus bei Kindergarten- und Grundschulkindern
- Was Eltern und Fachkräfte hierzu wissen sollten
Autismus bei Kindergarten- und Grundschulkindern
- Was Eltern und Fachkräfte hierzu wissen sollten
Seit einiger Zeit begegnen Eltern und Fachkräfte einem Thema vermehrt in den Medien: Autismus. Dargestellt wird es in vielen Fällen plakativ und übermäßig. Doch - was steckt hinter dem Begriff "Autismus", welche Symptome gilt es zu beachten und was können Eltern, Lehrkräfte und Erzieherinnen sowie Erzieher unternehmen, wenn sie Autismus bei den Ihnen anvertrauten Kindern vermuten? Der folgende Beitrag vermittelt erste Ansätze.
Autismus bei Kindergarten- und Grundschulkindern
Autismus zählt laut Weltgesundheitsorganisation zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Unterschieden werden vor allem der frühkindliche Autismus und das Asperger‑Syndrom. Während beim frühkindlichen Autismus häufig eine Verzögerung der Sprachentwicklung auftritt, verläuft diese beim Asperger‑Syndrom meist unauffällig. Frühkindlicher Autismus zeigt sich von Geburt an bis etwa zum dritten Lebensjahr und geht häufig mit Schwierigkeiten in der Kommunikation und in der sozialen Interaktion einher. Betroffen sind rund sechs bis sieben von eintausend Kindern.
Eine weitere Form ist der atypische Autismus, bei dem nicht alle diagnostischen Kriterien erfüllt sind oder das Erkrankungsalter vom typischen Muster abweicht.
Symptome des Autismus
Woran Eltern und Fachkräfte aufmerksam werden sollten
In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für Autismus zwar gestiegen, dennoch wird die Störung oft spät erkannt. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte sollten aufmerksam werden, wenn Kinder:
- Blickkontakt meiden, nur eingeschränkt sprechen oder in ihrer Sprachentwicklung stagnieren
- stereotype Handlungen zeigen, etwa Dinge ordnen oder sich intensiv mit einem speziellen Thema beschäftigen
Weitere mögliche Hinweise sind ein deutliches Meiden sozialer Kontakte, fantasiearmes Spiel oder das lange In-den-Mund‑Nehmen von Gegenständen. Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten. Grundsätzlich ist wichtig, mit offenen Augen zu beobachten und aktiv zu werden, sobald ein Autismus vermutet wird.
Handlungsmöglichkeiten bei Autismus
Erste Schritte nach einem Verdacht
Die stellvertretende therapeutische Leiterin des Hamburger Autismus Instituts, Kathrin Guttmann, empfiehlt, frühzeitig zu handeln. Eltern sollten Kontakt zu einem Kinder- und Jugendpsychiater aufnehmen, der eine Diagnostik durchführen kann. Bei bestätigter Diagnose beginnt das Antragsverfahren, das in der Regel über das zuständige Sozial‑ oder Jugendamt läuft. Die Krankenkassen sind hier meist nicht die zentrale Anlaufstelle.
Bis eine Therapie starten kann, vergehen häufig mehrere Monate – oft bis zu einem halben Jahr oder länger.
Autismus-Therapie
Vielfältige Ansätze für individuelle Bedürfnisse
Eine geeignete Therapie kombiniert verschiedene Ansätze und wird auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes abgestimmt. In Hamburg arbeiten neben Psychologinnen und Psychologen auch Fachkräfte aus der Sozialpädagogik, Kunst‑ und Musiktherapie sowie speziell geschultes Reha‑Personal.
Therapien finden sowohl in Einzel‑ als auch in Gruppensitzungen statt. In Gruppen steht die Förderung sozialer Kompetenzen im Vordergrund. In Einzelsitzungen werden unter anderem Kontaktaufnahme und Blickkontakt gezielt trainiert.
Auch Eltern erhalten Unterstützung – etwa durch Beratung, Weiterbildungen oder Austauschformate. Der Kontakt zu anderen Familien spielt im Hamburger Autismus Institut traditionell eine große Rolle, da die Einrichtung ursprünglich aus einer Elterninitiative hervorgegangen ist.
Zusammenarbeit mit Kita und Grundschule
Unterstützung im Alltag der Einrichtungen
Eine enge Zusammenarbeit mit den betreuenden Einrichtungen ist ein wesentlicher Bestandteil der Förderung. Fachkräfte aus den Autismus‑Instituten besuchen Kindergärten und Schulen, beobachten den Alltag und entwickeln gemeinsam mit Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrkräften passende Fördermöglichkeiten.
Diese Zusammenarbeit umfasst u. a.:
- Welche Übungen können im Alltag integriert werden?
- Welche Unterstützung benötigt das Kind konkret?
- Ist eine Schulbegleitung möglich und sinnvoll?
Kinder mit Autismus profitieren häufig von klar strukturierten Räumen und Rückzugsmöglichkeiten, die ihnen Sicherheit geben.
Autismus ist nicht heilbar – aber gut behandelbar
Autismus lässt sich nicht heilen. Wie Kathrin Guttmann betont: Wer Heilung verspricht, bietet vermutlich kein seriöses Angebot. Autismus bleibt eine lebenslange Entwicklungsstörung. Doch früh eingesetzte, gezielte Therapie kann Betroffenen den Alltag erheblich erleichtern, indem sie Schritt für Schritt strategische Bewältigungsformen erlernen – jeden Tag ein bisschen mehr.
Zuletzt geändert am 27.02.2026
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.