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Schulabsentismus -

Wenn Kinder und Jugendliche der Schule fern bleiben oder in der Schule abwesend sind

Schüler sitzt alleine im Freien
Entwicklung und Erziehung
von Alexandra von Plüskow - Kaminski

Die jeweiligen Schulgesetze der Bundesländer regeln die so genannte Schulpflicht in Deutschland. Festgelegt sind etwa Beginn und Dauer des Schulbesuches. Doch immer mehr Kinder und Jugendliche verweigern den Besuch in der Schule. Was Eltern dann - und am besten schon vorher - unternehmen können, nennt der folgende Beitrag in Grundzügen.

Lesedauer:
2 min

Schulabsentismus – wenn Kinder und Jugendliche dem Unterricht fernbleiben

Unter Schulabsentismus versteht man das entschuldigte oder unentschuldigte Fehlen von Schülerinnen und Schülern – allerdings nicht im Rahmen einer normalen Erkrankung. Gemeint sind Fehlzeiten, die für Lehrkräfte nicht mehr vertretbar sind.

Dabei unterscheidet man zwischen zwei Formen:

Aktive Schulverweigerung

Das Kind geht nicht zur Schule – bewusst, wiederholt und ohne triftigen Grund.

Passive Schulverweigerung

Das Kind ist zwar körperlich anwesend, aber innerlich abwesend:

  • es arbeitet nicht mit
  • lehnt Schule ab
  • stört oder zeigt aggressives Verhalten
  • verweigert jede Beteiligung

Beide Formen sind Warnsignale und sollten frühzeitig ernst genommen werden.


Mögliche Ursachen von Schulabsentismus

Die Gründe können sehr unterschiedlich sein und liegen häufig tiefer als es zunächst scheint. Mögliche Auslöser sind u. a.:

  • Ängste, Sorgen oder Belastungen
  • Mobbing oder soziale Ausgrenzung in der Klasse
  • Konflikte mit Lehrkräften
  • Familiäre Probleme
  • Schwierigkeiten nach längerer Krankheit
  • Überforderung oder Leistungsdruck

Deshalb ist es wichtig, sowohl das Kind oder den Jugendlichen als auch das gesamte Umfeld einzubeziehen.


Erster Schritt: Gespräch mit dem Kind

Eltern sollten frühzeitig das Gespräch suchen:

  • Wie erlebt das Kind die aktuelle Situation?
  • Was löst die Angst oder Abneigung gegen die Schule aus?
  • Welche Gefühle stehen dahinter?

Wichtig ist eine offene, wertschätzende Haltung, damit das Kind Vertrauen fasst und sich mitteilen kann.


Kontakt zur Lehrkraft – gemeinsam Ursachen verstehen

Wenn Eltern bereits Hinweise auf Ängste, Konflikte oder körperliche Beschwerden bemerken, sollte frühzeitig die Klassenlehrkraft einbezogen werden.

Fragen könnten sein:

  • Wie verhält sich das Kind im Unterricht?
  • Zeigen sich Belastungen, Rückzug oder Überforderung?
  • Gibt es Konflikte mit Mitschülern?

Auffälligkeiten sollten gemeinsam besprochen und mögliche Maßnahmen überlegt werden.


Wege aus der Schulverweigerung

Um Schulabsentismus zu überwinden, ist Zusammenarbeit notwendig:

Schulsozialarbeit & Beratungslehrkräfte einbeziehen

Diese Fachkräfte können unterstützen, indem sie:

  • Gespräche moderieren
  • ein förderliches Lernklima schaffen
  • Konflikte klären
  • individuelle Fördermaßnahmen entwickeln

Positive Verstärkung nutzen

Erfolgserlebnisse wirken stark motivierend. Schulen können z. B.:

  • angemessene Anerkennung für erledigte Aufgaben geben
  • Aufgaben so anpassen, dass sie schaffbar sind
  • kleine Fortschritte sichtbar machen

Gemeinsame Gespräche führen

Eltern, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und – falls nötig – der Schulpsychologische Dienst sollten zusammenarbeiten.

Das Kind muss sich ernst genommen fühlen:

  • Welche Sorgen belasten es?
  • Was würde helfen, wieder gern zur Schule zu gehen?
  • Welche Unterstützung kann Schule bieten?

Die Lösungen müssen individuell sein – es gibt keinen „Standardweg“.


Kooperation ist der wichtigste Schlüssel

Ein stabiles Netzwerk aus:

  • Eltern
  • Lehrkraft
  • ggf. Schulsozialarbeit
  • Schulpsychologie
  • und dem Kind selbst

ist zentral, um Schulabsentismus früh zu stoppen und eine gesunde Rückkehr in den Schulalltag zu ermöglichen.


🟦 Infokasten: Warnsignale für Schulabsentismus

Eltern und Lehrkräfte sollten aufmerksam werden, wenn ein Kind oder Jugendlicher:

  • nicht in die Lerngruppe integriert ist / Mobbing erlebt
  • aggressives Verhalten zeigt (gegen Mitschüler oder Lehrkräfte)
  • häufig provoziert
  • regelmäßig die Mitarbeit verweigert
  • oft zu spät kommt
  • schnell erschöpft ist oder übermüdet wirkt
  • im Unterricht überfordert scheint
  • „mental abwesend“ ist
  • häufig über körperliche Beschwerden klagt (z. B. Bauch‑ oder Kopfschmerzen) und deswegen den Unterricht verlässt
  • sich überangepasst, ruhig oder unauffällig zeigt (auch das kann ein Warnsignal sein!)
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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Alexandra von Plüskow-Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.

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