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Mein Kind kann noch nicht schwimmen

Junge mit Schwimmweste im Wasser
Freizeit und Erholung
© Natallia Vintsik - Fotolia.com
von Ulrike Lindner

Der heißeste Sommer seit Langem geht gerade zu Ende – ein Sommer, der für Millionen Deutsche endlich wieder einmal Badespaß pur bedeutete. Bei Temperaturen von 30 Grad und mehr zog es unzählige Menschen in Freibäder oder Badeseen, um sich im Wasser richtig abzukühlen. Was für viele ein ungetrübtes Vergnügen bedeutete, war für andere Stress: Bademeister, aber auch viele Eltern sind besorgt über die hohe Zahl von Kindern, die in Deutschland nach wie vor nicht schwimmen können.

Lesedauer:
3 min

Zu viele Kinder können nicht schwimmen

Erst vor einem Jahr schockierte eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) das Land. Sie zeigte, dass rund 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen nicht als sichere Schwimmer gelten. Nur 40 Prozent dieser Altersgruppe besitzen ein Jugendschwimmabzeichen, während immerhin 77 Prozent das Seepferdchen erreicht haben.

Doch laut DLRG-Sprecher ist das Seepferdchen lediglich ein „Heranführen an das Schwimmenlernen“ – es bietet keinen verlässlichen Schutz vor dem Ertrinken. Als sichere Schwimmer definiert die DLRG Kinder, die das Jugendschwimmabzeichen in Bronze besitzen oder die dafür erforderlichen Fähigkeiten haben: eine Strecke von 200 Metern in maximal 15 Minuten schwimmen zu können.

Rekordzahl der Badetoten 2016

2016 ertrank in Deutschland mehr Menschen als je zuvor. Im Jahr darauf sank die Zahl wieder, allerdings nicht, weil die Bevölkerung besser schwimmen konnte. Experten führen den Rückgang auf den kühlen Sommer 2017 zurück, der nur wenige Tage zum Baden einlud. Die ersten sieben Monate von 2018 deuten hingegen auf eine erneute Zunahme der Badetoten hin.

Ursachen: Zu wenig Schwimmunterricht

Die DLRG macht unter anderem die unzureichende Versorgung mit Schwimmen als Schulsport verantwortlich. Grundschulen haben zwar den gesetzlichen Auftrag, Kinder ans Schwimmen heranzuführen, doch dieser wird aus verschiedenen Gründen oft nicht erfüllt:

  • Rund ein Viertel der Grundschulen verfügt über keinen Zugang zu einem öffentlichen Schwimmbad.

  • An manchen Schulen fehlen Lehrkräfte mit Rettungsfähigkeit.

Entsprechend gaben in der Forsa-Studie nur etwa 25 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder das Schwimmen in der Schule gelernt hätten.

Auch andere Institutionen schlagen Alarm. Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, erklärt: „Früher war der Schwimmkurs in vielen Haushalten Pflicht. Heute können sich viele Familien, vor allem in Ballungsgebieten, das Training nicht mehr leisten – oder ihre Kinder spielen lieber mit dem Smartphone, als in die Schwimmhalle zu gehen.“

Was Eltern tun können

Eltern sollten sich nicht allein auf die Schule verlassen. Je früher Kinder sich im Wasser wohl und sicher fühlen, desto größer ist die Chance, dass sie früh und sicher schwimmen lernen. Schwimmen stärkt nicht nur die Sicherheit, sondern ist auch ein gesundes Training: Es kräftigt Muskeln, schont die Gelenke, fördert Koordination, Gleichgewichtssinn und geistige Fähigkeiten.

Tipps zur Unterstützung des Schwimmenlernens

  1. Früh ans Wasser heranführen: Säuglingsschwimmkurse oder Wassergewöhnungskurse für Ein- bis Vierjährige in Schwimmvereinen helfen, Kinder an Gleiten, Tauchen und richtige Beinbewegungen zu gewöhnen.

  2. Regelmäßige Schwimmbadbesuche: Ein wöchentlicher Besuch stärkt das Vertrauen ins Wasser und verhindert spätere Ängste.

  3. Auf Qualität achten: Schwimmen ist ein komplexer Bewegungsablauf. Crashkurse sollten vermieden werden; ein guter Schwimmkurs umfasst mindestens 20 Stunden.

  4. Kleine Gruppengrößen: Ideal sind nicht mehr als zwölf Kinder pro Kurs, um Lernerfolge zu sichern.

  5. Zertifizierte Schwimmlehrer wählen: Da „Schwimmlehrer“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, lohnt es sich nach Zertifikaten der DLRG oder des Deutschen Schwimmverbands zu fragen.

Ein Schwimmabzeichen entbindet Eltern jedoch nicht von der Aufsichtspflicht. Die DLRG empfiehlt, Kinder unter zwölf Jahren grundsätzlich nicht unbeaufsichtigt im Wasser zu lassen. Auch die Ablenkung durch Smartphones stellt ein Risiko dar – Eltern sollten stets aufmerksam bleiben.

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
schwimmen
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Kinder
Wassergewöhnung
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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