Lernmotivation schaffen â aber wie?
Lernmotivation schaffen â aber wie?
Sicherlich kennen Sie auch das PhÀnomen, dass die Lernfreude vieler Kinder im Laufe der Schulzeit stark abnimmt. Dabei kommen die meisten MÀdchen und Jungen mit Elan und Entdeckerfreude in die Schule. Wo liegen mögliche Ursachen liegen und was können Sie tun? Darauf versucht der nachfolgende Beitrag Antworten zu geben.
Interessante HintergrĂŒnde zur Motivation
Der Begriff âMotivâ stammt aus den lateinischen Wörtern motivum bzw. motivus und bedeutet âbewegendâ oder âantreibendâ. In der Psychologie versteht man darunter den inneren Antrieb, der unser Handeln bestimmt und hĂ€ufig auf bestimmte Ziele ausgerichtet ist.
Motivation umfasst alle Motive â also alle inneren BeweggrĂŒnde, die dazu fĂŒhren, dass ein Mensch handelt oder lernen möchte. Der Begriff lĂ€sst sich auf das lateinische Verb movere (bewegen, antreiben) zurĂŒckfĂŒhren.
Die Lernmotivation entsteht aus einem Zusammenspiel von emotionalen, kognitiven und sozialen Faktoren. Besonders Kinder im Grundschulalter knĂŒpfen starke Beziehungen zu ihren LehrkrĂ€ften, die sich direkt auf ihre Motivation auswirken. Jedes Kind hat individuelle GrĂŒnde zu lernen â abhĂ€ngig von seinen Interessen, Erfahrungen und den Inhalten selbst.
Wenn ein Kind motiviert lernt, besteht die Bereitschaft, sich freiwillig und zeitlich begrenzt mit bestimmten Aufgaben auseinanderzusetzen. Vier Aspekte sind dabei besonders bedeutsam:
- Erwartungen an die eigene Leistung
- Eigene Interessen
- Lernen aus Freude an der Sache (intrinsische Motivation)
- Lernen fĂŒr ein Ziel, z.âŻB. gute Noten (extrinsische Motivation)
Am stÀrksten wirkt Lernen, wenn sich intrinsische und extrinsische Motivation ergÀnzen.
Mögliche Ursachen fĂŒr Verlust an Lernmotivation
Die Motivation eines Kindes hĂ€ngt eng mit seinen bisherigen Erfahrungen zusammen. Viele EindrĂŒcke sammeln sich im GedĂ€chtnis und können irgendwann zu einem plötzlichen Leistungsâ oder Motivationsabfall fĂŒhren. Die GrĂŒnde sind oft vielschichtig:
Ăberforderung
Ăberforderung kann entstehen, wenn von auĂen zu viel verlangt wird â von Eltern oder LehrkrĂ€ften â oder durch zu hohen eigene Ehrgeiz des Kindes. Der wachsende Druck entlĂ€dt sich meist irgendwann und kann sich negativ auf das gesamte Familien- und Schulleben auswirken.
Fehlende BezĂŒge zur Lebenswelt
Viele Lerninhalte werden abstrakt vermittelt. Kinder brauchen jedoch Verbindungen zu ihrer RealitĂ€t, um Informationen dauerhaft abzuspeichern. Das KopfâHerzâHandâPrinzip, also die Verbindung von Denken, FĂŒhlen und Handeln, wirkt hier besonders positiv.
Begrenzter Raum fĂŒr individuelle Förderung
LehrkrĂ€fte mĂŒssen LehrplĂ€ne erfĂŒllen. Trotz gröĂerer FlexibilitĂ€t reichen Zeit und Personal hĂ€ufig nicht aus, um jedes Kind optimal zu begleiten.
Diese GrĂŒnde machen deutlich: Eltern spielen eine zentrale Rolle, um Lernmotivation langfristig zu erhalten. Bei Anzeichen von Unlust oder Problemen sollten Eltern frĂŒhzeitig das GesprĂ€ch mit der Lehrkraft suchen.
Tipps zur UnterstĂŒtzung der Lernmotivation
Lernen geschieht nicht nur in der Schule â es begleitet uns ein Leben lang. Eltern können die Motivation ihres Kindes stĂ€rken durch:
WertschÀtzung und Zutrauen
- bewusstes und konkretes Lob
- Hervorheben von StÀrken und Interessen
- konstruktive Kritik (âvom Gelungenen ausgehenâ)
- Mut machen: âDas schaffst du!â
- Fehler zulassen â sie gehören zum Lernen
- Vertrauen in die FĂ€higkeiten des Kindes
Strukturierter Lernort
Ein eigener Platz (Schreibtisch oder fester Arbeitsplatz) fördert Konzentration und Eigenverantwortung. Ordnung und Gestaltung dĂŒrfen Kinder selbst ĂŒbernehmen.
Gelassener Umgang mit Schule
Schule sollte nicht das allbeherrschende Thema sein. Kinder brauchen nach Schulschluss oft erst Ablenkung, bevor sie erzÀhlen können.
Vermeiden Sie Kontrollfragen wie:
âHast du alles fĂŒr morgen eingepackt?â
Stellen Sie besser offene Fragen:
âWelche Sachen hast du heute fĂŒr morgen vorbereitet?â
Eltern sollten nicht die Rolle des âHauslehrersâ ĂŒbernehmen â sonst kann es schnell zu Konflikten kommen. Besser eignen sich spielerische ZugĂ€nge, Experimente oder gemeinsames Ausprobieren.
FreirÀume geben
Kinder brauchen Zeit:
- mit Freundinnen und Freunden
- fĂŒr Hobbys
- fĂŒr freie BeschĂ€ftigung
Viele Kinder sind nach dem Mittagessen weniger konzentriert â hier ist es hilfreich, flexible Lernzeiten zuzulassen.
Bewegung als Motor
Körperliche AktivitĂ€t trĂ€gt zur geistigen LeistungsfĂ€higkeit bei. Nach Bewegung ist der Kopf frei fĂŒr schulische Aufgaben. Die Art des Sports ist zweitrangig â Hauptsache, Bewegung findet statt.
Anerkennung statt Verwöhnung
Anerkennung fĂŒr Leistungen ist sinnvoll, sollte aber maĂvoll und altersgerecht eingesetzt werden.
Keine Vergleiche
Jedes Kind entwickelt sich individuell. Vergleiche mit anderen erzeugen nur Druck und mindern die Motivation.
Ratgeber maĂvoll einsetzen
Zu viele Tipps von auĂen verwirren eher, als dass sie helfen. Vertrauen Sie auf Ihr GefĂŒhl und auf Ihr Kind.
Links
https://www.mit-kindern-lernen.ch/lernen-kinder/motivieren/104-lernmotivation-10-kurztipps
https://www.familienhandbuch.de/kita/lernen/wiekoennenwirdielernmotivationvonkindernfoerdern.php
Quellen
(1) https://www.duden.de/rechtschreibung/Motiv
(2) Bertelsmann Universal Lexikon, Band 12, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, GĂŒtersloh, 1993, Seite 168
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Motivation
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Lernmotivation
Zuletzt geÀndert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit ĂŒber 20 Jahren an einer Schule. Neben der LehrertĂ€tigkeit fĂŒhrte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen ĂŒber die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.