Kontrolle und Selbstoptimierung bei Jugendlichen und Kindern
Kontrolle und Selbstoptimierung bei Jugendlichen und Kindern
Es wird immer wichtiger, sich optimal zu präsentieren. Kleine technische Geräte sog. Wearables gewinnen beim Kontrollieren und der eigenen Optimierung - so scheint es – an Bedeutung. Wir sehen schick gekleidete Jogger mit Brustgurt. Digitale Schrittzähler, eingebaute Sensoren in Laufschuhen, Fitnessarmbänder und Fitness-Apps, die Zahnbürste, die erst aufhört zu vibrieren, wenn wir drei Minuten geputzt haben, halten Einzug in unser Leben. Um eine Prüfung bestens zu bestehen, nehmen wir vorsichtshalber eine kleine, bunte Pille.
Wohin fĂĽhrt das? Gedanken ĂĽber Kinder, Jugendliche und ihren Alltag
Kinder und Jugendliche stehen heute unter vielfältigen Erwartungen – schulisch, sozial und emotional. Viele fragen sich, warum ihre Versetzung gefährdet ist, obwohl kaum regulärer Unterricht stattfand. Andere leiden unter Langeweile, innerer Unruhe oder mangelnder Gelassenheit. Dazu kommt der Druck: gut aussehen, beliebt sein, Leistung zeigen. Wer nicht mithalten kann, verliert schnell Anschluss oder wird ausgegrenzt.
Fehlerkontrolle: Grundlage fĂĽr Lernfortschritte
Selbstoptimierung – nicht nur negativ
Der Begriff Selbstoptimierung wirkt oft kritisch. Richtig verstanden bedeutet er jedoch, an eigenen Stärken und Schwächen zu arbeiten, um Fortschritte zu erzielen.
Regelmäßige Fehlerkontrolle kann dabei helfen.
Beispiel:
Lehrkräfte markieren Fehler im Test, Schülerinnen und Schüler fertigen eine Berichtigung an. Das soll verhindern, dass dieselben Fehler erneut auftreten. In der Realität geraten alte Fehler jedoch schnell in Vergessenheit.
Digitale UnterstĂĽtzung
Digitale Medien können die Fehlerkontrolle erleichtern, etwa durch:
- automatische Fehlerdokumentation
- Fehlerhistorien
- wiederholte Ăśbungsangebote
- motivierende Highscore‑Listen
- individuelle RĂĽckmeldungen
Programme wie Antolin ermöglichen es Lehrkräften zudem, Kindern Rückmeldungen zu geben und Lernfortschritte sichtbar zu machen.
Insbesondere jüngere Kinder oder technikunsichere Schüler benötigen dabei Ansprechpersonen, die ihnen helfen, Rückmeldungen einzuordnen.
Trainingshilfen im Sport: Gadgets zwischen Motivation und Druck
Wearables im Trend
Viele Kinder und Jugendliche nutzen heute Fitness‑Armbänder und andere Wearables, die:
- Schritte zählen
- Puls und Schlaf ĂĽberwachen
- Kalorienverbrauch dokumentieren
- Trainingserfolge vergleichen
Die Technik macht neugierig und oft auch Spaß – besonders, wenn ein Vergleich mit anderen möglich ist.
Chancen und Risiken im Unterricht
Themen für den Sportunterricht oder eine Informatik‑AG:
- Datenschutz & Datenweitergabe
- Welche Werte werden gemessen – und welche nicht?
- Ab wann wird Fitnesswunsch zum Wahn?
- Wie viel Geld möchte ich investieren?
- Was macht einen Menschen „fit“ – technische Daten oder Wohlbefinden?
Viele Wearables sind Trends und nicht dauerhaft etabliert. Kinder sollten lernen, kritisch damit umzugehen.
Auf den Punkt fit? Dopingversuchungen im Schulkontext
Drucksituationen schaffen Versuchungen
Vor entscheidenden Tests – z. B. beim Übergang auf eine weiterführende Schule – entsteht Stress. Manche Familien denken über leistungssteigernde Pillen nach. Das birgt Risiken.
Ritalin und ähnliche Medikamente sind:
- ausschließlich für sorgfältig diagnostizierte ADHS‑Fälle gedacht
- bei gesunden Kindern weder nötig noch sinnvoll
- potenziell gefährlich, da Langzeitwirkungen unklar sind
Ein weiteres Risiko: Kinder lernen unbewusst, dass sie ohne Tabletten keine schwierigen Situationen meistern können. So beginnt ein gefährlicher Kreislauf, der von der Grundschule bis ins Berufsleben reichen kann.
Kommentar: Kinder und Jugendliche nicht sich selbst ĂĽberlassen
Kinder und Jugendliche dürfen neugierig sein – sie dürfen auch Gadgets ihrer Eltern ausprobieren. Verbote sind selten hilfreich. Aber:
- Grundschulkinder brauchen meist keine digitalen Fitnessgeräte.
- Ein Schrittzähler, eine Stoppuhr oder Pulsfühlen nach dem Sport reichen aus.
- Teenager können im Einzelfall sinnvoll mit Technik arbeiten – jedoch begleitet.
Viele SchĂĽler lernen immer noch lieber gemeinsam mit Eltern oder Freunden, etwa beim Vokabelabfragen. Diese zwischenmenschliche UnterstĂĽtzung ersetzt keine App.
Besonders heikel: Gesundheitsdaten
Wearables sammeln hochsensible Daten. Kinder (und viele Erwachsene) verstehen selten, was im „Kleingedruckten“ steht. Deshalb:
- Datenweitergabe kritisch reflektieren
- Technik nicht ĂĽberbewerten
- „Testeritis“ vermeiden – nur testen, weil es möglich ist
Und: Bei starkem Selbstoptimierungsdruck steigt die Versuchung, Dopingmittel zu nutzen, um „mithalten zu können“. Gerade Highscore‑Listen können dieses Gefühl verstärken.
Linktipps:
Buchtipps:
- Froböse, I. und P. Großmann Der kleine Sporticus: Bewegungs- und Ernährungstipps, die Kinder fit machen broschiert – Beltz Verlag 2017
- Kornyeyeva L. Die sedierte Gesellschaft Wie Ritalin, Antidepressiva und Aufputschmittel uns zu Sklaven der Leistungsgesellschaft machen Heyne 2014
- Rögener W. Hyper-Hirn: Durch Neuro-Enhancement klüger, wacher, effizienter Ernst Reinhardt Verlag 2014
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.