Logisches Denken fördern
Logisches Denken fördern
„Ich kann mir das nicht vorstellen, wie es hinter der Wand weiter gehen könnte.“ Diesen Satz oder die Aussage: „Um die Ecke denken ist nicht mein Ding.“ hört man des Öfteren, wenn es nicht gelingt, Zusammenhänge zu erfassen. Diese müssen nicht mal eine höhere Abstraktion erfordern. Zu solchen Verlegenheiten muss es nicht kommen. Zahlreiche Denkoperationen können geübt werden. Dazu soll der nachfolgende Beitrag einige Anregungen geben.
Logisches Denken: Interessante HintergrĂĽnde
Unter Denken versteht man Prozesse, die eine Erkenntnis formen. Wahrnehmbar ist meist das Ergebnis, nicht der gedankliche Weg dorthin. Denken kann sich auf Begriffe, Gegenstände oder bekannte Inhalte richten. Wird dabei etwas Neues geschaffen, spricht man von produktivem Denken. Fassen wir Gedanken innerlich zusammen, wird es reflektorisches Denken genannt.
Das Wort Logik stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Lehre von der Folgerichtigkeit“. Sie wurde maßgeblich von Aristoteles begründet und umfasst die Lehre von Begriff, Urteil und Schluss. Auch die Stoa formulierte erste Vorstellungen eines umfassenden, zusammenhängenden Weltverständnisses.
Logisches Denken ist Teil unserer kognitiven Fähigkeiten. Es hilft, Informationen aufzunehmen, zu ordnen und Muster zu erkennen. Damit können wir von Bekanntem auf Neues schließen und Erinnerungen nutzen.
Tipps und Anregungen zur Förderung des logischen Denkens
Förderung muss nicht aufwendig sein. Viel wichtiger sind alltägliche Situationen, in denen Kinder schlussfolgern, ausprobieren und vergleichen können. Kinder lernen durch Nachahmung – Ihre Vorbildrolle ist daher entscheidend.
Entwicklung beginnt mit der ersten Lebenssekunde
Leben ist Veränderung. Jedes Kind entwickelt sich individuell – Vergleiche mit anderen helfen kaum. Wichtig ist, das eigene Kind bewusst zu begleiten. Fehler gehören dazu und bieten Lernchancen. Besonders wertvoll bleibt das freie Spielen, am besten mit Freunden.
Auch kleine Kinder ziehen bereits logische SchlĂĽsse, etwa:
- Wenn ich an der Schleife ziehe, geht sie auf.
- Wenn ich Mutti ein Bild male, freut sie sich.
- Wenn ich auf die heiĂźe Herdplatte fasse, verbrenne ich mich.
Auf solchen Erfahrungen baut später komplexeres Denken auf.
Alle Erkenntnis beginnt mit dem „Begreifen“
Begreifen bedeutet nicht nur geistiges Verstehen, sondern auch tastendes Erkunden. Viele Denkvorgänge entstehen erst durch den Einsatz der Hände. Herz, Hand und Verstand bilden eine Einheit.
Praktische Beispiele:
- Mengen legen, ertasten und vergleichen (Knete, Holz, NĂĽsse, Kiesel usw.)
- Rinden erfühlen und Bäume bestimmen
- Arbeiten mit FĂĽhlkisten
Fähigkeiten und Interessen erkennen
Förderung gelingt, wenn sie zu den Stärken des Kindes passt. Hinweise von Lehrkräften, Erziehern oder Freunden können hilfreich sein. Gleichzeitig sollten eigene Erwartungen nicht vollständig auf das Kind übertragen werden.
Ausdauer ist gefragt
Regelmäßigkeit hilft:
Ein Spieleabend, eine Bastelrunde oder ein Versuchs-Nachmittag – jeweils ohne Handy. Manche Ideen brauchen Zeit; manchmal hilft ein Wechsel zu Bewegung oder Sport.
Kinder müssen lernen, mit Misserfolgen umzugehen. Betonen Sie Fortschritte und Stärken, um Mut zu machen.
Versuche und Experimente
Ausprobieren führt oft zu nachhaltigen Erkenntnissen. Eine Vermutung kann bestätigt oder widerlegt werden. Dazu reichen meist einfache Materialien.
Spiele zur Förderung des logischen Denkens
Spiele bieten vielfältige Möglichkeiten – allein, zu zweit oder mit Freunden. Eine Auswahl:
- Brettspiele: Halma, Dame, MĂĽhle, Schach
- Schätzaufgaben:
- Kita-Alter: „Wie viele Stufen hat der Hochsitz?“
- Schulalter: Längen, Höhen, Breiten, Durchmesser
- Wahrscheinlichkeiten erkunden (z. B. Fußballtoto)
- Konstruktionsspiele: LEGO, Holzbausteine, Metallbaukästen
- ZauberwĂĽrfel
- SteckwĂĽrfel: Muster legen, Figuren bauen
- Zeitmessungen mit der „Berliner Uhr“ (nachbaubar)
Nutzung verschiedener Medien
Neue Medien sollten nicht ausgeschlossen werden. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis und klare Absprachen zur Nutzungszeit. Offenheit gegenüber Neuem kann Orientierung geben.
Sportlicher Ausgleich
Der Grundsatz „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ gilt unverändert. Bewegung unterstützt Konzentration, Stimmung und Lernfähigkeit.
Anregungen:
- freies Toben (innerhalb vereinbarter Regeln)
- gemeinsame Aktivitäten wie Radfahren, Wandern, Schwimmen
- kindgerechte Lehrpfade
- Ausprobieren verschiedener Sportarten – jedes neue Erlebnis zählt
Linktipps zum Thema "Logisches Denken"
- https://www.medien.ifi.lmu.de/lehre/ws0506/mmi1/kognitive-faehigkeiten-doll.xhtml
- http://www.math.berlin/orte/berlin-uhr.html
- https://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/index.php?action=SUCHEN&searchtext=logik&action_search2.x=0&action_search2.y=0
- https://www.helles-koepfchen.de/
Quellen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Denken
- Bertelsmann Universal Lexikon, Band 4, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, GĂĽtersloh, 1990, Seite 194
- ebd.
- Bertelsmann Universal Lexikon, Band 11, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, GĂĽtersloh, 1993, Seite 70
- ebd.
- (6) https://www.medien.ifi.lmu.de/lehre/ws0506/mmi1/kognitive-faehigkeiten-doll.xhtml
- Das Erich Kästner Lesebuch , Herausgegeben von Christian Strich, Diogenes Verlag AG, Zürich, 1978, Seite 12
- https://de.wikipedia.org/wiki/Mens_sana_in_corpore_sano
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.