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Abschied von Osterhase und Co

Foto eines Osterkorbes
Entwicklung und Erziehung
© Irina Schmidt - Fotolia.com
von Manon Sander

Irgendwie ist man da so hineingeraten in die Welt der Sagengestalten. Die Weihnachtsgeschenke werden wahlweise vom Christkind oder vom Weihnachtsmann gebracht und am 6. Dezember kommt der Nikolaus (der eigentliche Ursprung des Weihnachtsmannes), begleitet wird er eventuell von Knecht Ruprecht oder auch vom Krampus. Ostern kommt der Osterhase und wenn ein Zahn ausfÀllt, so ist die Zahnfee mit einem kleinen Geschenk zur Stelle.

Lesedauer:
3 min

Andere weihnachtliche Figuren in verschiedenen Kulturen

Wer ĂŒber den eigenen Kulturkreis hinausblickt, entdeckt schnell weitere weihnachtliche oder winterliche Gestalten: die Tompte in Skandinavien, die Weihnachtshexe Befana in Spanien und Italien oder den Elf in den USA, der jede Nacht zum Weihnachtsmann – besser: zu Santa Claus – an den Nordpol reist, um ihm vom Verhalten der Kinder zu berichten.
Diese Vielfalt wirkt zugleich einfach und tröstlich. Und die strahlenden Kinderaugen, die ĂŒberlegen, wie etwa der Weihnachtsmann zu ihnen kommt, sind fĂŒr Eltern oft die schönste BestĂ€tigung, Geschichten weiterzuerzĂ€hlen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt fĂŒr den Abschied?

Wenn Fantasiefiguren Angst auslösen

Das passende Alter ist sehr individuell. Manche DreijĂ€hrige können nachts nicht schlafen, weil sie sich vorstellen, der Weihnachtsmann schleiche ums Haus, blicke in Fenster oder dringe ein. Der Osterhase, der grĂ¶ĂŸer erscheint als sein natĂŒrliches Vorbild, kann ebenfalls beĂ€ngstigen. Selbst die Vorstellung einer Zahnfee, die nachts unbemerkt ins Haus kommt, kann solche Kinder zusĂ€tzlich verunsichern.
Wird mit diesen Figuren auch noch gedroht, steigert das die Furcht – manche Kinder trauen sich dann kaum noch ins eigene Zimmer oder Bett. FĂŒr sie sollten diese Traditionen nicht fortgefĂŒhrt werden. HĂ€ufig sind es Kinder, die viel nachdenken und mit mystischen Gestalten schwer umgehen können.

Wenn Kinder durch andere zum Zweifeln kommen

Viele Kinder hören im Kindergarten oder in der Schule von Freundinnen und Freunden, dass Osterhase & Co. nur Erfindungen seien. Erst verteidigen sie ihren Glauben, doch irgendwann kommen Zweifel. Im besten Fall fragen sie die Eltern – und diese sollten dann ehrlich sein. Es ist unangenehm fĂŒr Kinder, als Letzte „ahnungslos“ dazustehen, wenn andere lĂ€ngst Bescheid wissen.

Wenn Fantasie liebevoll gelebt wird

Andere Kinder pflegen eine innige Beziehung zu den Sagengestalten: Sie sprechen mit ihnen, „sehen“ ihre Spuren und kennen ihre Gewohnheiten genau. Oft tun sie das auch mit Kuscheltieren. Solche Kinder sollten unterstĂŒtzt werden – sie werden von selbst merken, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, und sich allmĂ€hlich davon lösen.

Im Allgemeinen liegt der Zeitpunkt des Abschieds zwischen dem Ende der Kindergartenzeit und dem Ende des ersten Schuljahres. Kinder in diesem Alter beginnen, Reales von Fantastischem zu unterscheiden. Irgendwann hören sie den Satz: „Glaubst du denn noch an den Weihnachtsmann?“ Schön ist es, wenn sie dann selbstbewusst reagieren können – ohne zusammenzubrechen, weil etwas, das die Eltern lange erzĂ€hlt haben, nicht stimmt.

Ältere Geschwister

Ältere Geschwister können das Ganze unterstĂŒtzen oder erschweren.
Sie können:

  • dabei helfen, den Glauben der JĂŒngeren aufrechtzuerhalten
  • oder unbedingt ihr Wissen weitergeben wollen

Hilfreich ist, sie einzubinden – etwa beim Ostereierverstecken oder beim Verpacken von Geschenken. Dann werden sie zu VerbĂŒndeten, was meist großen Spaß macht.

Schule und Kindergarten

Wenn unterschiedliche Traditionen aufeinandertreffen

An Ostern ist der Osterhase schnell erklĂ€rt. Doch am Nikolaustag wird es komplizierter: Kommt der Nikolaus im roten Mantel oder der Heilige Nikolaus mit weiß-goldener BischofsmĂŒtze? Und an Weihnachten: Christkind oder Weihnachtsmann?
Manche LehrkrĂ€fte oder Erzieherinnen und Erzieher erklĂ€ren sehr ausfĂŒhrlich – manchmal zu ausfĂŒhrlich. Eltern sollten daher gut zuhören, was geplant ist, um vorbereitet zu sein, wenn abweichende Vorstellungen aus der Einrichtung mit nach Hause kommen.

Was tun, wenn man erwischt wird?

Es liegt Schnee an Ostern – doch die Spuren fĂŒhren zu den Nestern, und es sind keine Hasenspuren? Oder Eltern werden beim Verstecken beobachtet? Oder beim nĂ€chtlichen Verpacken der Geschenke steht plötzlich ein Kind im Raum?
Je nach Alter kann die Geschichte dennoch ein StĂŒck weit weiterleben:

  • Der Osterhase hat sich die Pfoten verbrannt
  • Der Weihnachtsmann hatte so viele Geschenke, dass er um Hilfe bitten musste

Solche ErklĂ€rungen können den Übergang erleichtern.

Empfehlungen statt Regeln

Wie bei vielen Familienthemen gibt es keine feste Anleitung, nur Anhaltspunkte. Eltern mĂŒssen selbst entscheiden, was zu ihnen und ihren Kindern passt – und was fĂŒr ihre Familie richtig ist.

Zuletzt geÀndert am 17.02.2026

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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Manon Sander

Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und außerdem Autorin fĂŒr Fach- und KinderbĂŒcher.

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