Wie viel Digitalisierung verträgt die Schule?
Wie viel Digitalisierung verträgt die Schule?
Eine große Mehrheit der Deutschen ist sich sicher: In Zukunft finden Menschen nur noch dann einen guten Arbeitsplatz, wenn sie über ein grundlegendes Verständnis digitaler Technologien verfügen. Viele von ihnen glauben gleichzeitig, dass die meisten Menschen in Deutschland noch nicht ausreichend Digitalkompetenz besitzen. Diese zu vermitteln sei Aufgabe der Schulen, sagen 84 Prozent von 1000 Befragten im Rahmen einer Studie übereinstimmend.
Digitalpakt und Digitalisierung an deutschen Schulen
Die Mehrheit der Beteiligten – Eltern, Schüler sowie Bundesregierung und Oppositionsparteien – ist sich einig, dass sich an deutschen Schulen etwas ändern muss. Bereits 2016 kündigte die Bundesbildungsministerin den sogenannten Digitalpakt an, mit dem von 2018 bis 2022 fünf Milliarden Euro in die digitale Ausstattung der Schulen fließen sollen.
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Zustimmung und Kritik hielten sich die Waage.
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Konkrete Haushaltspläne sind noch unklar, ebenso die Umsetzung durch eine neue Regierung.
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Klar ist: Digitalisierung an Schulen wird voranschreiten, aber Umfang und konkrete Maßnahmen bleiben offen.
Digitalpakt: viele offene Fragen
Das Konzept liest sich derzeit vage: „Engagiertes Personal, schnelleres Internet, neue Geräte …“.
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Konkrete Maßnahmen fehlen weitgehend, Diskussionen gleichen denen von vor zehn Jahren.
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Bundeszuschüsse decken bis zu 35 % der Kosten für Hardware und IT-Dienstleistungen.
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Für Lehrerfortbildungen oder weitere Maßnahmen müssen Schulen selbst aufkommen, was hohe finanzielle Belastungen für den Schuletat bedeutet.
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Folge: Häufig wird nach dem Gießkannenprinzip gehandelt – Schulen kaufen beliebige Geräte, die nicht unbedingt sinnvoll genutzt werden.
Technologisches Verständnis statt High-End-Geräte
Schnelleres Internet und neue Geräte garantieren nicht automatisch grundlegendes technisches Verständnis oder Interesse an Informatik.
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Grundkenntnisse lassen sich auch mit älteren PCs vermitteln.
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Beispiel Ausland: In Großbritannien, Finnland und Osteuropa arbeiten Kinder in Projekten mit kleinen Robotern, Platinen, Kabeln und Lötgeräten – ohne teure High-End-Technik.
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Ziel: Schüler lernen technische Zusammenhänge praktisch und interdisziplinär.
Technik im gesellschaftlichen Kontext
Digitale Bildung bedeutet nicht nur Mediennutzung, sondern auch kritische Auseinandersetzung mit Technologien:
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Datenschutz und ethische Fragen (z. B. KI-Anwendungen)
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Regeln und gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit digitalen Werkzeugen
Digitalisierung als Werkzeug im Unterricht
Digitale Medien bieten konkrete Vorteile, etwa bei Online-Tests, die Lehrern Einblicke in Lernstände und Defizite einer Klasse liefern.
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Dennoch bleibt der Kern der Bildung unverändert:
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Geistige Offenheit
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Orientierungswissen
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Kritisches Urteilsvermögen
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Selbstdisziplin, Kreativität, Empathie
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Digitalisierung dient als Werkzeug, um den Unterricht zu bereichern, ersetzt aber nicht die klassischen Bildungsinhalte.
Fazit: gezielte und differenzierte Digitalisierung
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Digitalisierung muss zielgerichtet eingesetzt werden.
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Der Digitalpakt kann nicht für alle Schularten gleichermaßen gelten:
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Grundschulen: Digitalisierung darf nicht vor der Alphabetisierung stehen.
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Mittel sollten nach Bedürfnissen und Prioritäten der Schulen verteilt werden.
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Schulen sollten entscheiden, ob Gelder für digitale Ausstattung oder andere dringend notwendige Bildungsaufgaben verwendet werden.
Links
- Blick ins Digital
- Streit um "Digitalpakt" für Schulen Die Fünf-Milliarden-Euro-Frage
- Wie viel Digitalisierung vertragen die Schulen?
- Zeit für digitale Medien in der Schule
- Digitale Kommunikation als Thema in Schule und Unterricht – Medien und Methoden
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.