Direkt zum Inhalt

Was ist ein Schülerstudium?

Schülergruppe im Klassenraum
Wissen und Bildung
© kasto - Fotolia.com
von Hildegard Dierks

Schülerinnen und Schüler gehen zur Schule. Studentinnen und Studenten besuchen für ein Studium eine Universität, Hochschule oder Fachhochschule. So ist der Regelfall. Gibt es auch für Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, eine Universität zu besuchen oder Studieninhalte kennenzulernen?

Lesedauer:
4 min

Wie können Schülerinnen und Schüler mit einem Studium in Kontakt kommen?

Viele Universitäten und Hochschulen öffnen ihre Türen für junge Menschen und bieten gezielte Programme an, damit Schülerinnen und Schüler einen ersten Eindruck vom Studium gewinnen. Hochschulen sind längst offene Orte des Lernens, die zukünftige Studierende früh ansprechen möchten.

Schülerstudium: Beispiel TU Berlin – „Studieren ab 16“

Die TU Berlin bietet seit 2017 das Programm „Studieren ab 16“ an. Es richtet sich an leistungsstarke Jugendliche ab Klasse 10.

Inhalte und Möglichkeiten

  • Teilnahme an über 100 Lehrveranstaltungen
    (z. B. Mathematik, Physik, Chemie, Verkehrswesen und viele weitere Bereiche)
  • Ablegen von Modulprüfungen, die später teilweise angerechnet werden können
  • Teilnahmebedingungen:
    • Einverständnis der Eltern
    • Zustimmung der Schule
  • Das Angebot ist kostenfrei, inkl. Fahrtkostenzuschuss

Laut Pressemitteilung haben bereits rund 1.600 Schülerinnen und Schüler dieses Angebot genutzt. Das Programm wird jährlich erneut aufgelegt.

Tage der offenen Tür: Beispiel Universität Heidelberg

Fast alle Hochschulen veranstalten Tage der offenen Tür, die Schülerinnen und Schülern Studiengänge, Campusleben und Forschung näherbringen.

Was erwartet Besucher*innen?

  • Kurzvorträge über Studiengänge
  • Mitmachangebote aus verschiedenen Fakultäten
  • Einblicke in Labore, Bibliotheken und Arbeitsräume
  • Austausch mit Studierenden und Lehrenden
  • Gemeinsame Campusbesuche mit den Eltern

Beispiel:
Das Mathematikon der Universität Heidelberg zeigte bei einem Tag der offenen Tür u. a.:

  • humanoide und industrielle Roboter
  • unbemannte Fluggeräte
  • 3D-Druck-Demonstrationen
  • Möglichkeiten zum eigenen Programmieren am Computer

Solche Veranstaltungen wecken Neugier, geben Orientierung und können Entscheidungsgespräche zwischen Eltern und Kindern anstoßen.

Teutolab der Universität Bielefeld: Naturwissenschaften zum Anfassen

Das Teutolab gehört zu den ersten umfassenden Schülerangeboten an deutschen Hochschulen. Seit mehr als 20 Jahren besuchen ganze Klassen oder Kurse die Universität, um naturwissenschaftliche Phänomene zu erforschen.

Besonderheiten

  • Teilnahme für alle Schularten und Klassenstufen
  • Experimente werden didaktisch aufbereitet
  • Betreuung durch Lehramtsstudierende
  • Förderung von Interesse an naturwissenschaftlichen Studiengängen (MINT-Fächer)

Das Teutolab verfolgt zudem das Ziel, Lehrkräfte zu inspirieren und Anregungen für den naturwissenschaftlichen Unterricht mitzugeben. Gleichzeitig erleben Schülerinnen und Schüler hautnah das Universitätsumfeld.

Kommentar: Schülerstudium – eine wertvolle, aber selten genutzte Option

Hochschulen sind heute keine abgeschotteten „Elfenbeintürme“ mehr. Sie freuen sich über junge Gäste und öffnen ihre Türen für Familien, Schulklassen und einzelne Interessierte.

Für wen eignet sich ein Schülerstudium?

  • besonders motivierte oder leistungsstarke Jugendliche
  • Schülerinnen und Schüler ab ca. 16 Jahren
  • Jugendliche, die intensiv prüfen möchten, ob ein Studium zu ihnen passt
  • Hochbegabte, die schon früh universitäre Inhalte bearbeiten möchten

Da ein Schülerstudium jedoch zusätzlich zum regulären Schulbesuch stattfindet, wird es nur von einem kleinen Teil der Jugendlichen genutzt.
Eine gute Beratung sowie der Besuch von Informationsveranstaltungen sind empfehlenswert.

Alternative Wege zum Uniluft-Schnuppern

Auch ohne Schülerstudium können Jugendliche Forschung und Wissenschaft erleben:

  • Campustage
  • Schnuppertage
  • Jugendprogramme (z. B. „Jugend forscht“)
  • MINT-Workshops
  • AGs und Kooperationsprojekte zwischen Schulen und Hochschulen

Ein Wort der Vorsicht

Schnuppertage arbeiten oft mit Showeffekten. Sie sind motivierend – zeigen aber nicht unbedingt den echten Arbeitsalltag im Studium, der viel Disziplin und Ausdauer erfordert.

Buchtipp:

Webb, James T. Hochbegabte Kinder: Das große Handbuch für Eltern Hogrefe 2. Auflage 2017

Linktipps:

  • Infos zum Schülerstudium an der Fernuniversität Hagen
  • Teutolab – Naturwissenschaftlich geprägtes Angebot der Universität Bielefeld für Schülerinnen und Schüler aller Schularten und Jahrgangsstufen
  • Schülerstudium (inklusive Angebot der Geisteswissenschaften und Sprachwissenschaft) an der Universität Bielefeld: Beispiel

Zuletzt geändert am 17.02.2026

Beitrag teilen:
Themen:
Schülerstudium
Uni
Studientag
Schnuppertag
Studium
Studenten
Tag der offenen Tür
Hochbegabte Kinder
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

Weitere Beiträge lesen