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Hochbegabung bei Kindern – Anzeichen und Fördermöglichkeiten

Ein schlaues Mädchen lehnt an der Wand mit einem Buch und ihrem Laptop unter dem Arm
Wissen und Bildung
© senivpetro auf Freepik
von Melanie Herber | lernando-Redaktion

Jedes Kind ist begabt â€“ das eine kann besonders gut zeichnen, ein anderes beweist seine groĂźe Geschicklichkeit beim Handball und das dritte ĂĽberrascht mit seinem musikalischen Können am Klavier. Einige Kinder jedoch liegen mit ihren Talenten weit ĂĽber dem Durchschnitt. Nicht immer ist es fĂĽr Eltern und Lehrkräfte einfach, eine Hochbegabung zu erkennen und zu fördern. Darauf sollten Sie achten:

Lesedauer:
5 min

Das Thema Hochbegabung sorgt bei vielen Eltern für Gesprächsstoff. Häufig entsteht eine Mischung aus Hoffnung und Unsicherheit: Mein Kind spricht schon so früh vollständige Sätze, mein Kind ist so gut in Mathe, ... ist es etwa hochbegabt?

Tatsächlich sind nur rund 2,2 Prozent der Bevölkerung hochbegabt, das heißt ihr IQ liegt über 130. Ein normaler Intelligenzwert bewegt sich zwischen 95 bis 100. Die Fähigkeit, komplex zu denken und das Wissen schnell zu verknüpfen, die mit einem IQ-Test nachgewiesen wird, sagt aber noch nichts über die spezielle Begabung des Kindes aus. Hochbegabung hat viele Gesichter: So kann es sein, dass ein Kind seinen Gleichaltrigen im mathematisch-logischen Denken weit voraus ist oder im musischen oder sportlichen Bereich auffallendes Talent zeigt.

Von welchen Faktoren eine überdurchschnittliche Begabung allerdings abhängt, beschäftigt die Wissenschaft in hohem Maße. Bislang vermuten Forschende genetische Voraussetzungen, aber auch der soziale Einfluss spiele eine Rolle.

Hochbegabung bei Kindern frĂĽhzeitig erkennen

„Hochbegabung bei Kindern fängt nicht erst in der Schule an, nur dauert es meist etliche Jahre, bis sie erkannt wird“, beschreibt Hanna Vock vom Institut zur Förderung hochbegabter Vorschulkinder (IHVO) das Phänomen. Eltern seien oft unsicher, hätten wenig Vergleichsmöglichkeiten und würden sich scheuen, über ihre Vermutungen zu sprechen. Auch für Erzieher:innen sei es nicht leicht, Hochbegabung bei Kindern zu erkennen und sie abzugrenzen von normalen Entwicklungsschwankungen oder besonders ehrgeiziger Förderung aus dem Elternhaus.

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) in Berlin kennt typische Anzeichen einer Hochbegabung. Kleine Schnelldenkende langweilen sich schon im Kindergarten, finden „manche Spiele doof“ und stören „um wahrgenommen zu werden“. In der Grundschule fühlt sich das Kind „ständig unterfordert“, gilt als Streber:in oder Besserwisser:in und kann sogar, „trotz bekannter Intelligenz unerklärlich schwache Leistungen“ hervorbringen. Ein sehr geringes Schlafbedürfnis und ein sehr wacher und aufmerksamer Blick auf die Welt seien ebenso typisch für hochbegabte Kinder.

Auch im familiären Umfeld grenzt sich das hochbegabte Kind vom Verhalten Gleichaltriger ab. Manchmal käme es auch zu Verhaltensauffälligkeiten, die auf eine Unterforderung hindeuten können, so Christian Fischer vom Internationalen Centrum für Begabungsforschung an der Universität Münster.

In seiner sozialen Umgebung sticht das hochbegabte Kind außerdem hervor, „weil es perfektionistisch und sich selbst und Anderen gegenüber sehr kritisch ist“ und „weil es intellektuell zwar seinem Alter um Jahre voraus ist, gefühlsmäßig aber meist seinem Alter entsprechend reagiert“.

Hochbegabung bei Kindern â€“ Förderung im familiären Umfeld

Außerschulische Förderung und Angebote

Eltern mit feinen Antennen für die Bedürfnisse ihres Kindes werden vielleicht schon intuitiv auf den Wissensdurst ihres Kindes reagieren und es außerhalb von Schule und Hort mit passenden Angeboten unterstützen. Spätestens wenn sich die Hochbegabung bestätigt, sollten Eltern ihr Kind gezielt fördern. Kinder mit einer Begabung im logischen Denken werden sich im Schachclub gut aufgehoben wissen, musikalisch talentierte Kinder sollten ein Instrument erlernen.

Wissen vertiefen

Besonders begabte Kinder sind immer auf der Suche nach neuen Ideen und Lösungen. Dabei sei es durchaus legitim, wenn Eltern nicht immer die passende Antwort bereit hätten, erklärt der DGhK. Wenn Eltern sich mit den Fragen zu oftmals sehr speziellen Themen überfordert fühlen, kann es hilfreich sein, dem Kind den Zugang zu Bibliotheken in der Umgebung zu ermöglichen. Diese bieten vertiefende Literatur und vor allem auch Fachzeitschriften an.

Digitale Förderung

Hochbegabte Kinder profitieren besonders von Angeboten, die selbstständiges Lernen, kreatives Arbeiten, logisches Denken und komplexe Problemlösung fördern. Digitale Tools eignen sich dafür hervorragend, wenn sie flexibel, herausfordernd und offen gestaltet sind.

Tolle Programme sind bspw.:

  • Scratch – Programmieren fĂĽr Kinder (ab ca. 7 Jahren)
    • Kinder erstellen eigene Spiele, Animationen und interaktive Geschichten
    • Fördert logisches Denken, Kreativität und Problemlösekompetenz
    • Komplett kostenlos
  • Tinkercad – 3D-Design & Elektronik (ab ca. 8 Jahren)
    • Browserbasiertes Tool fĂĽr 3D‑Modelle, Elektronik und einfache Programmierung
    • Ideal fĂĽr Kinder mit Interesse an Technik, Bauen, Architektur
    • Sehr gut zur Förderung des räumlichen Denkens und des technischen Verständnisses
  • mBlock – Programmieren + Robotik + KI
    • Aufbauend auf Scratch, aber erweitert um Robotik, Arduino und kĂĽnstliche Intelligenz
    • Optimal fĂĽr wissbegierige Kinder, die mehr Tiefe möchten
  • EdClub – Zehnfingersystem spielerisch lernen
    • Adaptives Lernsystem, fördert Konzentration und Durchhaltevermögen
    • Besonders fĂĽr Kinder, die SpaĂź an Tempo und Herausforderung haben
  • GeoGebra – Mathe interaktiv
    • Dynamische Mathematiksoftware fĂĽr Geometrie, Algebra, Statistik
    • Sehr geeignet fĂĽr mathematisch begabte Kinder
  • Khan Academy – Breites Spektrum an Lerninhalten
    • Mathe, Naturwissenschaften, Informatik, Kunst – alles kostenlos
    • Kinder können im eigenen Tempo selbstständig lernen
  • Code.org – Spielerischer Einstieg in die Informatik
    • Sehr kindgerechte Programmieraufgaben, von einfach bis anspruchsvoll

Pädagogisch bewertete Spiele-Datenbank

  • Die Stiftung Digitale Spielekultur fĂĽhrt eine umfangreiche Datenbank
  • Nach Alter, Thema, Lernziel, zusätzlicher medienpädagogischer Einordnung, usw. filterbar
  • Ideal, um passende Spiele zu finden

Kommunikation ist wichtig

Auf jeden Fall, rät der DGhK, sollten Eltern mit ihren Kindern offen über die Hochbegabung reden ohne die Nachteile auszuklammern. Erleichternd kann es auch sein, das Kind mit anderen hochbegabten Kindern zusammenzubringen. Während die Kinder sich auf ihrem Themenfeld austoben, experimentieren oder tüfteln, können die Eltern sich untereinander austauschen, Strategien für den Alltag und die Lernumgebung besprechen.

Hochbegabung bei Kindern in der Schule

Mittlerweile haben sich viele Kindergärten und Schulen auf das Phänomen Hochbegabung eingestellt. Die Begabtenförderprogramme sind in den letzten 20 Jahren deutlich ausgeweitet worden. Doch nicht immer ist es einfach, eine Hochbegabung bei Kindern zu erkennen. Es kann vorkommen, dass ein hochbegabtes Kind versucht, sein besonderes Talent zu verstecken und absichtlich falsche Antworten gibt â€“ auch um im Klassenverband akzeptiert zu werden. Andere Kinder fallen durch störendes Verhalten auf, spielen den Clown oder sind patzig. Oftmals gelingt es Lehrkräften nicht, hochbegabte SchĂĽler:innen zu identifizieren. Vor allem weil sie dazu neigen „sich bei dieser Beurteilung vorwiegend an den schulischen Leistungen ihrer SchĂĽlerinnen und SchĂĽler zu orientieren“, so Eva Stumpf, Professorin fĂĽr pädagogische Psychologie.

Hat sich der Verdacht auf Hochbegabung allerdings bestätigt â€“ meist nach mehreren Testverfahren â€“ kann das Talent gezielt gefördert werden. Gängige Praxis an vielen Schulen ist es, ein Kind vorzeitig einzuschulen oder das Kind eine Klasse ĂĽberspringen zu lassen. Problematisch kann es jedoch sein, wenn das Kind emotional und sozial nicht den Stand der Klassenkamerad:innen erreicht. Hier mĂĽssen Lehrkräfte, Erziehende und Eltern eine gemeinsame Lösung finden, die dem Charakter des Kindes am ehesten entspricht.

In vielen Schulen werden hochbegabten Kindern zusätzliche Materialien angeboten oder die aktuellen Inhalte vertieft. Bei dieser Methode geht es vor allem um „eine Individualisierung des Unterrichts“. Auch ein hohes Maß an selbstständigem Arbeiten komme dem Kind entgegen, so Stumpf.

Eine andere Variante ist es, das Kind teilweise vom Unterricht der Klasse freizustellen und die Teilnahme an speziellem Kinderseminaren zu ermöglichen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bietet zum Beispiel Schülerlabore an, in denen Schüler:innen experimentieren und forschen können. Naturwissenschaftlichen Interessen werden in Kursen wie etwa Chemie, Biologie, Physik oder Mathematik nachgegangen. Rund 200 solcher Schülerlabore, so Stumpf, gebe es mittlerweile in Deutschland. Angesprochen werden hier nicht nur Schüler:innen der Mittel- und Oberstufe, auch Grundschulkinder können teilnehmen.

Hochbegabte Kinder sind ganz normale Kinder

Trotz der Hochbegabung ist es auch für diese Kinder wichtig, dazuzugehören und Freund:innen zu haben. Lehrkräfte sollten versuchen, die Kinder in den Klassenverband zu integrieren und nicht in eine Sonderrolle zu versetzen. Die jeweiligen Leistungen sollten unbedingt anerkannt werden, rät auch der DGhK, jedoch ohne das Kind herauszustellen.

Das Gleiche gilt auch fĂĽr die Familie: Eine Hochbegabung ist nicht das einzige Wesensmerkmal eines Kindes. Denn bei aller Förderung sollten Eltern nicht vergessen, dass ihr Kind genau wie alle anderen Kinder auch Liebe, Geborgenheit und Zuwendung braucht und â€“ genau wie seine Altersgenoss:innen â€“ manchmal einfach nur spielen will.

 

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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Melanie Herber

Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.

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