Das kleine 1x1 – wie kann ich beim Lernen helfen?
Das kleine 1x1 – wie kann ich beim Lernen helfen?
Zahlreiche Kinder haben in unserer scheinbar immer schneller werdenden Zeit Schwierigkeiten, die elementaren Kulturtechniken wie das Lesen, Schreiben oder Rechnen zu erlernen. Der nachfolgende Beitrag gibt Tipps, um die Aufgaben des „kleinen 1x1“ auf unterschiedliche Art zu üben.
Begrifflichkeiten des kleinen 1×1
Das kleine 1×1 umfasst alle Produkte aus der Multiplikation zweier natürlicher Zahlen von 0 bis 10. Es gehört zum grundlegenden arithmetischen Wissen und wird in der Grundschule intensiv eingeübt. Die Multiplikation und Division mit der Null wird dabei häufig später gesondert thematisiert. Für eine bessere Übersicht werden die Aufgaben traditionell in Tabellen dargestellt – dies geht historisch auf Pythagoras zurück. Auch Adam Ries (1493–1559) veröffentlichte Einmaleins‑Tabellen und hielt fest, dass man das kleine 1×1 auswendig beherrschen müsse. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Das sichere Abrufen dieser Aufgaben ist für alle Lernenden notwendig.
Der Weg dorthin kann jedoch herausfordernd sein. Ziel ist das gedächtnismäßige Beherrschen, um im Alltag und im Mathematikunterricht flüssig weiterarbeiten zu können. Dafür braucht es vielfältige, wiederkehrende Übungen, bei denen sich die Aufgaben schrittweise automatisieren. So entsteht im Kurzzeitgedächtnis Platz für Neues.
Unterschiedliche Lernwege
Jedes Kind lernt anders. Die drei klassischen Lernpräferenzen helfen bei der Auswahl passender Methoden:
- Visuell: Blick erfassen, vergleichen, ordnen, markieren, farbig strukturieren
- Akustisch: hören, laut lesen, nachsprechen, klatschen oder mit Geräuschen arbeiten
- Motorisch: handeln, tasten, formen, bewegen, „begreifen“
Gerade Grundschulkinder zeigen eine große Lernfreude. Diese Motivation sollte erhalten bleiben – auch beim Üben des kleinen 1×1. Kurze und realistische Ziele helfen, Überforderung zu vermeiden. Wichtig ist, dass Kinder Fortschritte wahrnehmen, etwa durch Lob oder kleine visuelle Signale (z. B. Smileys). Das tägliche Üben sollte zur festen Routine werden – 10 bis 15 Minuten reichen aus. Ein Kurzzeitwecker macht die Lernzeit überschaubar und verhindert, dass das Üben als „Strafe“ erlebt wird. Abwechslung in den Aufgabenformaten erhöht die Motivation; Präsenz einer erwachsenen Bezugsperson wirkt unterstützend.
Tipps zum Erlernen des kleinen 1×1
Die Rechenkiste
Eine gemeinsam gestaltete Rechenkiste bündelt Materialien rund um das kleine 1×1. Sie kann mit mathematischen Symbolen beklebt werden und enthält alle Utensilien für das tägliche Üben.
Steckwürfel und andere Materialien
Mit Steckwürfeln lassen sich Aufgaben anschaulich darstellen:
Beispiel: vier Türme mit je sechs Würfeln (→ 4×6). Durch Entfernen oder Hinzufügen entsteht die Nachbaraufgabe. Auch geteilte Würfelmengen (z. B. 24 Würfel auf sechs Türme) eignen sich zum Erarbeiten von Umkehraufgaben.
Statt Würfeln können auch Kieselsteine, Kastanien oder Eicheln genutzt werden – besonders motivierend für Kinder, die gern mit Naturmaterialien arbeiten.
Arbeit mit dem Hunderterquadrat
Leere oder bedruckte Hunderterquadrate lassen sich kopieren und spielerisch nutzen:
- kleine Quadrate werden so aufgelegt, dass Produkte entstehen (z. B. 6×3)
- Nachbar‑, Umkehr‑ und Tauschaufgaben lassen sich darstellen und notieren
- Farben helfen, besondere Strukturen sichtbar zu machen
- Ausschnittaufgaben (z. B. 36 Kästchen in neun gleiche Teile zerlegen) fördern das räumliche Denken
„Häuseraufgaben“
Ein kleines gezeichnetes Haus enthält drei Zahlen: z. B. 7 an der Tür, 6 am Fenster, 42 im Dach. Kinder entwickeln dazu alle passenden Aufgaben und lesen sie anschließend vor. Durch Weglassen einzelner Zahlen kann die Schwierigkeit gesteigert werden.
Nutzung älterer Materialien
In vielen Schulen bleiben Materialien aus Lehrbüchern ungenutzt. Lehrkräfte geben oft gern Zusatzmaterialien weiter. Laminiertes Material ist langlebig und flexibel einsetzbar.
Rechnen mit „Märchenzahlen“
Zahlen aus bekannten Märchen (z. B. 7 Geißlein, 3 Wünsche, 100 Jahre Dornröschenschlaf) regen Fantasie und Aufmerksamkeit an. Kinder verbinden so Geschichten mit mathematischen Strukturen.
Das kleine 1×1 beim Einkaufen
Kleine Einkäufe – etwa beim Bäcker – bieten authentische Übungsanlässe: Preis, Rückgeld, Stückzahl. Das stärkt nicht nur die Rechenfertigkeiten, sondern auch Alltagskompetenz.
Arbeitsblätter und Lernsoftware
Zahlreiche Anbieter stellen Aufgabenblätter bereit. Eltern sollten darauf achten, dass das Material kindgerecht, passend und bezahlbar ist. Gleiches gilt für Lernsoftware: Sie ist eine Ergänzung, aber sollte nicht das Üben dominieren.
Weitere Übungen
- SCHUBITRIX Mathematik (Schubi Verlag)
- Puzzle mit Ergebnissen
- Ausmalbilder zu richtigen Lösungen
All diese Formen ermöglichen spielerisches, motivierendes Üben.
Fazit
Das sichere Beherrschen des kleinen 1×1 gehört zu den grundlegenden Kulturtechniken. Durch tägliches Üben und eine abwechslungsreiche Methodenauswahl entstehen solide Kenntnisse, die das Lösen anspruchsvollerer Aufgaben erleichtern. Gleichzeitig werden wichtige Eigenschaften wie Ausdauer, Genauigkeit und Konzentration gestärkt – Fähigkeiten, die weit über den Mathematikunterricht hinaus bedeutsam sind.
Linktipp zum kleinen 1x1
http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/index.php
Quellen
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Einmaleins
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Ries
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.