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Werte vermitteln: Wie aus Kindern starke Persönlichkeiten werden

eine Familie mit Mutter, Vater, einer Tochter und einem Sohn
Entwicklung und Erziehung
© Patrizia Tilly - Fotolia.com
von Ulrike Lindner

Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen, Empathie und Toleranz, Offenheit und Neugier – das sind Werte, die wohl fast alle Eltern ihren Kindern gern mit auf den Weg geben möchten. Aber wie bilden sie sich? Ist ein aufrechter Charakter nur eine Frage der Gene? Oder können Eltern ihren Kindern aktiv dabei helfen ein stabiles Wertegerüst zu entwickeln?

Lesedauer:
2 min

Wie lernt man Selbstdisziplin und Verantwortungsbewusstsein?

Zugreifen oder liegenlassen? Beim Stanford-Marshmallow-Experiment, einem Klassiker der psychologischen Forschung, standen Vorschulkinder genau vor dieser Entscheidung. Vor ihnen lag ein Marshmallow. Wer es schaffte, die Süßigkeit 15 Minuten liegen zu lassen, bekam einen zweiten dazu. Nur etwa ein Drittel der 600 Kinder widerstand der Versuchung, alle anderen griffen sofort zu.

Die Kinder jedoch, die bereits im Kindergartenalter Selbstkontrolle zeigten, erwiesen sich später als bessere Schüler, studierten mit größerer Wahrscheinlichkeit und waren insgesamt gesünder sowie zufriedener als ihre weniger beherrschten Altersgenossen.

Warum Selbstkontrolle so wichtig ist

Selbstkontrolle scheint ein zentraler Wert zu sein, der die spätere Entwicklung von Kindern positiv beeinflusst. Diese Fähigkeit ist nicht angeboren, sondern kann gezielt gefördert werden. Eltern können dazu beitragen, indem sie ihren Kindern schon früh kleine Aufgaben im Haushalt und Familienalltag übertragen.

Typische Beispiele sind:

  • Müll heraustragen

  • beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine helfen

  • den Tisch decken

Anfangs können kleine Belohnungen als Motivation dienen, später sollten sie jedoch entfallen. Kinder lernen so, auch Dinge zu erledigen, die nicht unmittelbar Spaß machen, und gelegentliche Unlust zugunsten der Pflichterfüllung zu überwinden. Im Gehirn entstehen dabei Strukturen, die es erleichtern, auch in anderen Situationen über den eigenen Schatten zu springen. Gleichzeitig entwickeln Kinder so Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit.

Empathie für andere macht tolerant und zufrieden

Wer die Gefühle anderer nachvollziehen kann und versteht, was Mitmenschen Freude oder Schmerz bereitet, baut in der Regel leichter stabile soziale Beziehungen auf. Zum Teil ist diese Empathiefähigkeit angeboren: Schon sehr kleine Kinder ab etwa 18 Monaten verspüren das Bedürfnis, andere zu trösten, wenn diese traurig sind.

Kinder, die früh Mitgefühl zeigen, fällt es später oft leichter, Vertrauen aufzubauen und gute Beziehungen zu gestalten. Empathie lässt sich in der Kindheit gezielt fördern.

Wie Eltern Empathie unterstützen können

Zum einen, indem Eltern ihre eigenen Gefühle offen zeigen, ihre Kinder aufmerksam begleiten und auf deren Emotionen eingehen, statt sie zu ignorieren. Zum anderen, indem sie gemeinsam mit ihren Kindern hypothetische Situationen besprechen oder Geschichten erzählen und vorlesen, in denen Kinder lernen, sich in andere hineinzuversetzen.

Das kann zum Beispiel geschehen durch:

  • Gespräche über Alltagssituationen („Warum ist das kleine Kind wohl traurig?“)

  • gemeinsames Lesen und Erzählen von Geschichten

  • achtsames Zuhören und ernsthaftes Eingehen auf Kinderfragen

Auf diese Weise werden Empathie, Fairness und Hilfsbereitschaft kontinuierlich trainiert.

Offenheit und Neugier machen stark

Eigene Wege gehen, Lösungen finden, kreativ sein und sich nicht nur auf Vorgegebenes verlassen – diese Fähigkeiten zeichnen viele erfolgreiche und zufriedene Menschen aus. Auch die Resilienz, also die innere Stärke, mit schwierigen Situationen umzugehen und Niederlagen zu verkraften, ist bei kreativen Kindern laut Studien oft besser ausgeprägt.

Wie Kreativität und Neugier gefördert werden können

Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie Freiräume schaffen, in denen sich Neugier und Kreativität entfalten dürfen. Dazu gehören:

  • Freiräume zum Ausprobieren sowie Lob für neue Lösungswege

  • ein kreativer Rahmen, etwa durch Spielmaterialien oder die Erlaubnis, eigene Ideen umzusetzen

  • Materialien, die das Vorstellungsvermögen anregen

  • eine Spielumgebung, die mehrere Sinne anspricht

Die beste Voraussetzung, um Kindern Werte zu vermitteln, darin sind sich Erziehungswissenschaftler einig, ist jedoch, selbst Vorbild zu sein. Das gelingt besonders gut, wenn Eltern sich bewusst mit der Frage auseinandersetzen, welche Werte ihnen wichtig sind und was sie persönlich mit dem Begriff „Werte“ verbinden.

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Persönlichkeit
Selbstdisziplin
Empathie
Toleranz
Offenheit
Durchhaltevermögen
Neugier
Charakter
Selbstkontrolle
Verantwortungsbewusstsein
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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