Reisen bildet – Stimmt das?
Reisen bildet – Stimmt das?
Es macht Spaß zu verreisen. Befreit von der täglichen Routine, können wir entspannen. Wir können uns auf Neues einlassen, unseren geografischen, kulturellen und menschlichen Horizont erweitern. Horizonterweiterung ist zwar kein klar definiertes, fachbezogenes Bildungsziel, hilft aber unsere Allgemeinbildung zu verbessern...
Reisen als Bildungsimpuls: Warum Unterwegssein klĂĽger machen kann
Reisen kann bilden – besonders Menschen, die gerne lernen oder neue Eindrücke brauchen, um Wissen zu verankern. Viele Schülerinnen und Schüler profitieren davon, Erlebnisse, Gerüche, Gefühle und Beobachtungen direkt mit Lernprozessen zu verbinden. Abseits von Klassenfahrten gibt es zahlreiche Reiseformen, die Lernchancen eröffnen.
Sprachreisen: Lernen mitten im Alltag
Wie Sprachreisen funktionieren
Sprachreisen dienen dem Ziel, eine Fremdsprache zu erlernen oder vorhandene Kenntnisse zu vertiefen. Sie ähneln damit dem schulischen Sprachunterricht, bieten jedoch den Vorteil, dass die Sprache unmittelbar im Alltag genutzt wird.
Typische Merkmale:
- Unterricht an speziellen Sprachschulen
- 15–30 Unterrichtsstunden pro Woche
- Freizeit- und Kulturangebote
- Unterbringung bei Gastfamilien
Englisch ist die häufigste gewählte Sprache – Zielorte sind u. a. Irland, Kanada oder Malta. Auf Malta sollte man allerdings wissen: Englisch ist zwar Amtssprache, im Alltag wird jedoch oft Maltesisch gesprochen.
Worauf man bei der Buchung achten sollte
- Gibt es einen Einstufungstest?
- Wie groĂź ist die Lerngruppe?
- Welche Ziele verfolgt der Unterricht (z. B. Business English, Konversation)?
- Wie hoch sind die Gesamtkosten?
Sprachreisen können eine Alternative zur Nachhilfe sein oder ermöglichen den Erwerb einer Sprache, die an der Schule nicht unterrichtet wird, etwa Arabisch oder Chinesisch.
Mögliche Stolpersteine
Sind viele deutsche Teilnehmende in einer Gruppe, wird häufig außerhalb des Unterrichts weiter Deutsch gesprochen. Das mindert den Lernfortschritt.
Verbraucherfreundliche Informationen bieten u. a. gemeinnützige Stellen wie ABI e.V. Stuttgart. Manche Eltern können prüfen, ob Kosten steuerlich absetzbar sind.
Jugend- und Familienfreizeiten: Lernen durch Erleben
Bildungsnahe Freizeiten
Gemeinnützige Einrichtungen wie AWO oder Kirchen bieten Freizeiten an, die Erholung mit Bildungsbestandteilen verbinden. Häufig stehen sportliche oder künstlerische Aktivitäten im Mittelpunkt, etwa:
- Skifreizeiten, Kletterfreizeiten
- Bläser‑ oder Chorfreizeiten
- meditative oder spirituelle Angebote
- Programme von Pfadfindern
Viele Freizeiten greifen Themen auf, die klassische Nebenfächer wie Musik, Sport oder Religion/Ethik ergänzen.
Freizeiten fĂĽr seelische Gesundheit
Angesichts zunehmender Belastungen bei Jugendlichen – z. B. Depressionen oder Onlinesucht – sind Angebote zur Selbstfürsorge wertvoll. Meditation, Entspannungstechniken oder Angebote für Familien (Vater‑Kind, Großeltern‑Enkel) helfen, Beziehungen zu stärken und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
Günstige, geförderte Freizeiten werden unter anderem vom Deutschen Kinderschutzbund angeboten.
Bildungsimpulse auf kleinem Raum: TagesausflĂĽge
Man muss nicht weit reisen, um Neues zu lernen. Regionaltourismus ermöglicht:
- Museumsbesuche
- Stadtrundgänge
- Kirchen und historische Orte
- Tage der offenen Museen
Viele Regionen lassen sich mit einem Perspektivwechsel ganz neu entdecken – ideal für Familien und Schulklassen gleichermaßen.
Kommentar: Wie Reisen wirklich bildet
Reisen bildet dann, wenn man es bewusst tut. Dazu gehören Fragen wie:
- Welches Ziel verfolge ich?
- Welche Kultur oder Natur möchte ich kennenlernen?
- Welche Themen möchte ich vertiefen?
Reisen bildet nicht, wenn man sie betrunken im Hotelzimmer verbringt oder im Stau ausharrt. Ebenso sollte man den Einfluss des Tourismus kritisch betrachten: Umweltbelastung, Konflikte mit Einheimischen oder kommerzielle Überformung können Schattenseiten sein.
Finanzielle Aspekte spielen eine große Rolle – zusätzliche Reisen belasten Familien mit knappen Budgets und können Druck erzeugen. Reisen sollte daher nicht zur Messlatte für „Bildungsnähe“ werden.
Am wertvollsten sind Reisen, die mehrere Bereiche verbinden:
- Entspannung
- seelische Erbauung
- kulturelle oder sprachliche Bildung
Eine gelungene Reise schenkt Impulse: den Wunsch, eine Sprache weiterzulernen oder sich mit einem Land tiefer zu beschäftigen.
Buchtipp:
- ABI (Hrsg.) Autorin Barbara Engler Englisch lernen in Europa GroĂźbritannien/Irland/Malta fĂĽr Kinder und Jugendliche (BroschĂĽre) Stuttgart 2016
Linktipps:
- Deutsche Kinderschutzbund: Beispiel Regionalstelle Bielefeld: Angebot Bildungsfreizeit
- http://www.dksb-bielefeld.de/bildungsfreizeit.html
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.