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Über die Sprache der Jugend

Teenager posieren in U-Bahn Station
Wissen und Bildung
© freepik
von Hildegard Dierks

„Wie geil ist das denn!“, „krass“, „leider geil“, „lĂ€uft bei dir“ oder „gönn dir!“ sind sprachliche Wendungen, SĂ€tze und Wörter aus der Jugendsprache. Einige sind ĂŒber die Altersgruppe der Jugend hinaus bekannt. Das Jugendwort des Jahres 2016 hat dagegen bei vielen Verwunderung ausgelöst. „Fly sein“ kennen nicht einmal alle Jugendlichen. Es gibt keine klare Definition von der Sprache der Jugend. Wie Jugendliche sprechen ist interessant.

Lesedauer:
5 min

Jugendsprache – Ausdruck, IdentitĂ€t und Herausforderung

Jugendsprache ist lebendig, kreativ und verĂ€ndert sich stĂ€ndig. Sie besteht nicht nur aus neuen Wörtern, sondern spiegelt die Themen, GefĂŒhle und Lebenswelt junger Menschen wider. Jugendliche verwenden oft emotionale, ĂŒbertreibende Formulierungen („voll schön“, „mega gut“), lassen grammatische Formen weg und nutzen zahlreiche Anglizismen oder multikulturelle SzeneausdrĂŒcke.

FĂŒr Gleichaltrige funktioniert diese Sprache hervorragend – sie schafft Zugehörigkeit, IdentitĂ€t und das GefĂŒhl, „cool“ zu sein. FĂŒr Erwachsene wirkt sie dagegen hĂ€ufig ungewohnt oder irritierend, und wenn Eltern Jugendsprache imitieren, kann es schnell peinlich oder anbiedernd wirken.


Wozu Jugendsprache dient

Jugendsprache ist mehr als ein Vokabular. Sie erfĂŒllt wichtige soziale Funktionen:

  • Abgrenzung von Erwachsenen und jĂŒngeren Kindern
  • Gruppenzugehörigkeit („Ich gehöre dazu“)
  • emotionale VerstĂ€rkung
  • schnelle, bildhafte Kommunikation
  • Signal der Coolness und Lockerheit

Wörter wie „krass“ werden je nach Kontext positiv, negativ oder neutral verwendet. Der genaue Sinn erschließt sich oft erst aus der Situation – und das reicht den Jugendlichen, um sich verstanden zu fĂŒhlen.


Bildersprache: Emojis, Emoticons & Co.

Moderne Jugendsprache ist stark visuell geprÀgt.
Besonders in Chats ersetzen Emojis hĂ€ufig ganze SĂ€tze und drĂŒcken GefĂŒhle oft viel besser aus als Worte:

  • Freude 😀
  • Traurigkeit 😱
  • Wut 😡
  • Verliebtheit 😍

Emojis sind GesprĂ€chsthema, Statussymbol und Ausdrucksmittel zugleich. Mit jeder neuen Emoji‑Version erweitert sich das emotionale Repertoire der digitalen Kommunikation.


Jugendsprache & Rechtschreibung – warum Probleme entstehen können

Jugendsprache ist heute stĂ€rker schriftlich als frĂŒher, jedoch nicht im klassischen Sinne. Jugendliche texten, sie schreiben nicht:

  • keine Groß‑ und Kleinschreibung
  • viele AbkĂŒrzungen
  • unvollstĂ€ndige SĂ€tze
  • kreative Schreibweisen („lol“, „kA“, „OMG“)

In Chats ist das unproblematisch. Schwieriger wird es, wenn Jugendliche diese Schreibweisen in Bewerbungen, Schulaufgaben oder offiziellen Texten beibehalten.

GrĂŒnde fĂŒr Rechtschreibprobleme

  • in der Schule mehr Toleranz gegenĂŒber Fehlern (Fehler als Entwicklungsstufen)
  • weniger kontinuierliches Üben
  • Verlass auf Internet‑Nachschlagen
  • permanente Smartphone‑Nutzung
  • mangelnde Einsicht in die Bedeutung korrekter Rechtschreibung

Ein Beispiel: Das Bundeskriminalamt konnte laut SPIEGEL 2016 Stellen nicht besetzen, weil Bewerber im Rechtschreibtest scheiterten. Auch Hochschulen beklagen zunehmend fehlerhafte Seminararbeiten.


Jugendsprache und Elternkommunikation

Die PubertÀt erschwert das GesprÀch zwischen Eltern und Jugendlichen. Jugendsprache kann MissverstÀndnisse verstÀrken.

Typische Kommunikationsprobleme in der PubertÀt:

  • GesprĂ€chsverweigerung
  • Wutreaktionen
  • MissverstĂ€ndnisse durch jugendtypische Begriffe
  • unterschiedliche emotionale Ebenen

Eltern sollten:

  • GesprĂ€che nicht im Streit beginnen
  • geduldig zuhören
  • gemeinsame Zeit schaffen
  • Kritik liebevoll, klar und zeitlich passend Ă€ußern
  • ihr eigenes Kommunikationsverhalten reflektieren

Jugendliche sprechen oft von selbst Probleme an – aber nur, wenn der Moment stimmt.


Worte können verletzen: Jugendsprache & Mobbing

Begriffe, die abwerten, GerĂŒchte, Beschimpfungen und digitales Mobbing können schwer verletzen:

  • Beleidigungen
  • Abwertende Spitznamen
  • Hetze in Chats
  • Ausgrenzung in Gruppen
  • HĂ€me und GerĂŒchte
  • Hasskommentare

Die Folgen können gravierend sein – bis zu Schulverweigerung, psychischer Erkrankung oder Suizidgedanken.
Deshalb ist es wichtig, dass Jugendliche wissen:

👉 Sprache ist mĂ€chtig.
👉 Worte können schĂŒtzen – oder tief verletzen.
👉 Achtung und Respekt gelten auch fĂŒr Menschen, die man nicht mag.


Kommentar: „Krass“, „cool“ & Co. – warum Jugendsprache wichtig ist

Jugendsprache ist lustig, lebendig und Ausdruck der eigenen IdentitĂ€t. Eltern dĂŒrfen zuhören und versuchen zu verstehen – aber sie mĂŒssen sie nicht selbst sprechen. Jugendliche haben ein Recht auf eigene Ausdrucksformen.

SchĂŒlerinnen und SchĂŒler machen meist intuitiv alles richtig:
Sie wissen genau, wann Jugendsprache passt und wann nicht.

FĂŒr Jugendliche mit Migrationshintergrund kann der Spracherwerb schwieriger sein, wenn sie Deutsch fast ausschließlich in jugendsprachlichen Varianten hören. Hier helfen bewusst gepflegtes Standarddeutsch, Lesen, Üben und klare schulische Anforderungen.

Wichtig bleibt:
Digitale Kommunikation ersetzt nicht das persönliche GesprÀch.
Auch Eltern sollten darauf achten, selbst nicht stĂ€ndig am Smartphone zu hĂ€ngen – und ihren Kindern echte Aufmerksamkeit zu schenken.


Linktipps

  • Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Jugendsprache und Jugendkultur
    http://www.bpb.de/publikationen/NE0MPT
  • „Schau hin – was Dein Kind mit Medien macht!“
    https://www.schau-hin.info/news/artikel/sprechen-sie-lieber-mit-ihrem-kind.html

Buchtipps

  • PONS Wörterbuch der Jugendsprache, 2017
  • 100 Prozent Jugendsprache, Langenscheidt 2016
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin fĂŒr verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zĂ€hlen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestĂŒtztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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