Deutsche Schüler - Spießer und Streber statt Rebellen und Revolutionäre?
Deutsche Schüler - Spießer und Streber statt Rebellen und Revolutionäre?
Vor allem in den Achtzigerjahren war die öffentliche Meinung in Deutschland vom Vorurteil geprägt, dass die meisten Jugendlichen sich vor allem durch Unlust und völliges Desinteresse hervortun. Die damals Heranwachsenden wurden dann auch treffend als „Null-Bock-Generation“ bezeichnet. Heute gelten die deutschen Schüler als allzu karriereorientiert, ehrgeizig und zielstrebig.
Jugendliche heute – brav, angepasst und leistungsbereit
Viele Jugendliche durchlaufen die Pubertät scheinbar ohne typische Zicken und Trotzreaktionen. Verhaltensweisen wie Rebellion oder offene Auflehnung gegen Eltern und Gesellschaft sind bei der Mehrheit kaum noch zu beobachten. Sind die Schüler tatsächlich so angepasst? Jugendstudien aus den Jahren 2013 bis 2015 deuten darauf hin – zumindest innerhalb des Mainstreams.
Leistungsbereitschaft statt Null-Bock
Unlust und Desinteresse gehören für die meisten Jugendlichen der heutigen Generation der Vergangenheit an. Die Mehrheit zeigt Ehrgeiz und Leistungswillen:
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Eltern als wichtigste Ratgeber: 83 Prozent der Jugendlichen schätzen das Elternhaus als sichere Basis.
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Glaube an Leistung: 63 Prozent sind überzeugt, dass sich Leistung im deutschen Wirtschaftssystem lohnt.
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Berufliche Ziele: Viele streben nach einem erfolgreichen Beruf, der sowohl Zukunftsperspektive als auch Freude bietet.
Die Jugendstudie 2013 des Allensbach-Instituts, bei der 3000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren befragt wurden, zeigt deutlich: Die heutige Generation ist leistungsbereiter als Gleichaltrige vor etwa 20 Jahren. Jugendforscher Klaus Hurrelmann beschreibt sie als sehr realistisch und angepasst, zwei Jahre später spricht er sogar von Überanpassung.
Geborgenheit in unsicheren Zeiten
Junge Menschen suchen vor allem soziale Absicherung. Das Bedürfnis nach Nähe zur Erwachsenenwelt ist so stark wie seit der Nachkriegszeit nicht mehr, jedoch aus Sicherheitsbedürfnis und nicht aus Bequemlichkeit entstanden. Hintergrund sind Wirtschaftskrisen, Terrorgefahr und globale Unsicherheiten.
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Die Sehnsucht nach Sicherheit verdrängt teilweise das typisch pubertäre Bedürfnis nach Individualität.
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Viele Jugendliche wollen „wie alle“ sein – Subkulturen und Szeneströmungen spielen eine geringe Rolle.
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Dennoch gibt es weiterhin Unterschiede, z. B. Ökos, Konservative, Spaßorientierte oder Jugendliche, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlen.
Werte, Spießertum und Mainstream
Früher galten Streber als unbeliebt. Heute sind Leistungsbereitschaft und Fleiß positiv besetzt. Gleiches gilt für den Begriff „Spießer“: Traditionelle Werte wie Haus, Garten und Hund stehen weiterhin hoch im Kurs.
Tugenden und Lebensziele
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Fleiß, Ordnung und Disziplin bleiben relevant: Fast zwei Drittel der Jugendlichen legen Wert auf Respekt vor Gesetz und Ordnung.
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Freude am Leben ist wichtig: Neben Arbeit wollen Jugendliche Glück und persönliche Erfüllung.
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Familie als Lebensziel: 76 Prozent sind überzeugt, dass eine Familie wichtig für ein glückliches Leben ist.
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„Spießig“ wird kaum noch als negativ empfunden.
Rebellion nur am Rande
Die Studien zeigen: Für den Mainstream ist die Mehrheit angepasst und geborgen. Gleichzeitig dürfen wir nicht die Jugendlichen vergessen, die nicht in sicheren Verhältnissen aufwachsen – häufig Schüler an Hauptschulen oder ohne Schulabschluss.
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Dort wächst Rebellion, Gewalt und Frustration.
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Zorn und Wut auf eine unfaire Gesellschaft werden von Hasspredigern (Salafisten oder Neonazis) weiter verstärkt.
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Diese jungen Menschen brauchen besondere Aufmerksamkeit – insbesondere innerhalb des Bildungssystems.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.