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Geschichte des Adventskranzes

Adventskranz mit weißen Kerzen
Wissen und Bildung
© vulcanus - Fotolia.de
von Jörg Sauer

Der Adventskranz ist bei uns ein fester Begleiter in der vorweihnachtlichen Zeit geworden. Doch woher stammt dieser Brauch? Der nachfolgende Beitrag geht dieser Frage nach und gibt zugleich Anregungen zum Anfertigen eines solchen.

Lesedauer:
5 min

Im Geschichtsbuch geblättert

In der Adventszeit bereiten sich Christinnen und Christen auf die Geburt Jesu vor. Das Wort Advent stammt vom lateinischen adventus – „Ankunft“, genauer adventus Domini, die „Ankunft des Herrn“. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt in katholischer und evangelischer Kirche das neue Kirchenjahr. Viele Menschen gestalten in dieser Zeit ihr Zuhause um – und der Adventskranz spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881) erfand den Adventskranz im Jahr 1839 im „Rauhen Haus“ in Hamburg, einer Einrichtung für arme und verwaiste Kinder, die heute noch besteht.
Wichern war zudem Mitbegründer der Inneren Mission der Evangelischen Kirche in Deutschland (1849).

Sein erster Adventskranz bestand aus einem Wagenrad, auf dem er für jeden Sonntag eine weiße Kerze und für die übrigen Tage rote Kerzen befestigte. Jeden Tag durfte ein Kind eine Kerze entzünden – am Heiligen Abend brannten alle Lichter. Ab 1860 schmückte Wichern den Kranz zusätzlich mit Tannenreisig. Der traditionelle Wichernkranz wird bis heute im Rauhen Haus und in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis aufgehängt.

Die Zahl der kleinen Kerzen variiert zwischen 18 und 24, abhängig vom Kalender. Fällt der Heilige Abend auf den vierten Advent, sind es die wenigsten. 2016 etwa umfasste der Kranz 24 Kerzen. Aus diesem Wichernkranz entwickelte sich später der heute verbreitete Vier‑Kerzen‑Kranz für die Wohnung.

1925 wurde erstmals in einer katholischen Kirche (in Köln) ein Adventskranz mit vier Kerzen aufgehängt. Heute ist der Adventskranz weltweit verbreitet – oft mit regionalen Besonderheiten.

In der Zeit des Nationalsozialismus versuchte man, den christlichen Brauch umzudeuten: Der Adventskranz sollte als „Sonnwendkranz“ bzw. „Lichterkranz“ mit Sonnenrad‑ oder Wikingermotiven erscheinen. Die vier Kerzen standen symbolisch für die Jahreszeiten; sogenannte „Lichtersprüche“ sollten beim Anzünden gesprochen werden.

Im Erzgebirge werden Adventskränze traditionell mit vier roten Kerzen unterschiedlicher Größe gebunden. Grundlage bilden frische Fichten‑ oder Tannenzweige, ergänzt durch goldfarbene Kugeln, Zapfen, Glocken oder rote Schleifen. Das Entzünden der Kerzen erfolgt häufig entgegen dem Uhrzeigersinn, jeweils von einer zur nächsten.

Symbolkraft des Adventskranzes

Der Adventskranz steht für die zunehmende Freude auf die Geburt Jesu, der im christlichen Glauben als „Licht der Welt“ bezeichnet wird. Mit jedem Sonntag nimmt das Licht zu.

Weitere symbolische Bedeutungen:

  • Die runde Form steht für den Kreislauf des Lebens.
  • Das immergrüne Reisig verkörpert Hoffnung und Leben.
  • Die Kerzen repräsentieren das kommende Licht.

Ausgewählte Bräuche

In katholischen Kirchen und Regionen wird der Adventskranz häufig mit drei violetten und einer rosa Kerze gestaltet – entsprechend der liturgischen Farben.

  • Violett steht im Advent für Erwartung und Umkehr.
  • Rosa ist eine aufgehellte Form von Violett und wird am 3. Advent („Gaudete“) sowie am 4. Fastensonntag („Laetare“) verwendet.

In Irland wird der Kranz um eine weiße Christuskerze in der Mitte ergänzt, die am Heiligen Abend brennt. Jede Kerze trägt dabei einen eigenen Namen und eine spezifische Bedeutung.

In Norwegen nutzt man vier violette Kerzen, während in Schweden eine Kombination aus einer weißen und drei violetten Kerzen üblich ist.

In der Kirchenprovinz Mailand und Teilen des Bistums Lugano erstreckt sich der Advent über sechs Wochen – daher verwendet man dort sechs Kerzen (ambrosianischer Ritus).

Advent erleben

Trotz aller modernen Hektik hat die Adventszeit ihren besinnlichen Charakter bewahrt. Sie lädt zum Innehalten ein, zum Entdecken alter Bräuche und zum gemeinsamen Gestalten. Ein selbst gebundener Adventskranz ist dabei eine besondere Erfahrung – und eine gute Gelegenheit, Kindern seine Geschichte näherzubringen.

Adventskranz selbst gestalten

Material und Werkzeuge

  • frisch geschnittenes Fichten- oder Tannenreisig
    • kleine Zweige lassen sich am besten verarbeiten
    • Tannengrün ist angenehmer, da die Nadeln weniger stechen
  • Strohkranz
  • grüner Blumendraht
  • Kerzenhalter und passende Kerzen
  • Gartenschere, Zange
  • schmückende Elemente (Zapfen, Schleifen, Strohblumen, Kugeln, Glöckchen u. a.)

Tipp: Wird das Reisig nicht sofort verarbeitet, sollte es in Wasser gestellt werden, damit es frisch bleibt.

Vorgehensweise

  1. Reisig in kleine handliche Stücke schneiden.
  2. Zweige systematisch mit straff gezogenem Blumendraht um den Strohkranz binden.
    Falls ein Drahtende aufgebraucht ist, das neue Stück gut verdrehen.
  3. Erst die Oberseite, dann die Unterseite binden, bis kein freier Bereich mehr sichtbar ist.
  4. Drahtenden fest verschließen.
  5. Kerzenhalter anbringen und den Kranz nach eigener Vorstellung dekorieren.

Wichtig: Adventskränze können schnell entzünden – besonders wenn das Grün austrocknet.

Nach dem Fest

Viele Bestandteile lassen sich wiederverwenden.
Kerzenhalter und Schmuck vorsichtig entfernen, Draht abrollen und bündeln. Das Reisig entsorgen; der Strohkranz bleibt als Basis. Alle verwendbaren Teile sollten in einer beschrifteten Kiste aufbewahrt werden.

Wer nicht die Zeit für einen aufwendigen Kranz hat, kann auf einfache Alternativen zurückgreifen – vom Ausmalen einer Vorlage bis zum Basteln eines Kranzes aus Pappe.

Linktipps

Quellen

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Adventskranz
(2) ebd.
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) ebd.
(6) ebd.
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben
(8)https://de.wikipedia.org/wiki/Laetare
(9) https://de.wikipedia.org/wiki/Adventskranz

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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