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Du oder Sie? Vom Umgang zwischen Lehrern und SchĂŒlern

Eine Lehrerin im Klassenzimmer vor der Tafel
Wissen und Bildung
© skynesher - iStockphoto
von Christine Kammerer

Bis in die 60er Jahre hinein galt es in Deutschland als vollkommen selbstverstÀndlich, dass man sich in bestimmten gesellschaftlichen ZusammenhÀngen siezte, so auch an der Schule. Zwischen 1960 und 1970 war es allerdings in gewissen Kreisen en vogue, sich ohne EinschrÀnkung zu duzen. Seither verbreitete sich das gegenseitige Duzen auch an deutschen Schulen.
Heute ist die Verunsicherung groß: Soll man Duzen oder Siezen? In vielen Bereichen – auch an den Schulen – ist eine RĂŒckkehr zum förmlichen Sie zu beobachten und das hat gute GrĂŒnde.

Lesedauer:
4 min

„Du oder Sie?“ – Anredeformen in der Schule und warum sie wichtig sind

Seit dem 20. Jahrhundert gilt im deutschsprachigen Raum eine klare Grundregel:
Familienangehörige und enge Freunde werden geduzt, fremde Erwachsene grundsÀtzlich gesiezt.
Kinder und Jugendliche werden bis zu einem bestimmten Alter ĂŒblicherweise geduzt.

Auch in der Schule spielt die Frage nach „Du“ oder „Sie“ eine wichtige Rolle – nicht nur aus Höflichkeit, sondern auch aus pĂ€dagogischen und hierarchischen GrĂŒnden.

Wie wird in der Schule ĂŒblicherweise angesprochen?

  • LehrkrĂ€fte duzen ihre SchĂŒlerinnen und SchĂŒler,
  • SchĂŒlerinnen und SchĂŒler siezen ihre LehrkrĂ€fte.

FĂŒr die Oberstufe gibt es keine einheitliche Regel. HĂ€ufig fragen LehrkrĂ€fte ab Klasse 9 oder 10, ob ein „Du“ oder „Sie“ gewĂŒnscht wird. Manche Schulen fĂŒhren sogar einheitliche Regelungen fĂŒr ganze Klassen ein, um Ungleichheiten zu vermeiden.

Wichtig:
SchĂŒler haben ab 18 Jahren ein Recht darauf, gesiezt zu werden.

Uneinheitliche Anredeformen innerhalb einer Klasse können die GruppenatmosphÀre stören. Deshalb setzen viele LehrkrÀfte auf:

  • klassisches Siezen mit Nachnamen oder
  • „Hamburger Siezen“ (Vorname + Sie).

Sollten SchĂŒler LehrkrĂ€fte duzen?

Was frĂŒher undenkbar war, ist heute an Gesamtschulen und reformpĂ€dagogischen Schulformen teilweise ĂŒblich:
SchĂŒler duzen ihre Lehrer und sprechen sie mit Vornamen an.

Die Idee dahinter:

  • besseres VerhĂ€ltnis
  • weniger Konflikte
  • mehr Vertrauen und Offenheit

Doch diese Erwartungen erfĂŒllen sich nicht immer. Denn:

  • Mit dem „Sie“ geht oft ein StĂŒck natĂŒrliche AutoritĂ€t und Respekt verloren.
  • Das „Du“ verschleiert die bestehende Hierarchie, die in der Schule weiterhin klar gegeben ist.
  • LehrkrĂ€fte bleiben VerantwortungstrĂ€ger und AutoritĂ€tspersonen – unabhĂ€ngig von der Anrede.

Wird das Duzen einmal eingefĂŒhrt, ist es oft kaum rĂŒckgĂ€ngig zu machen.

Mut zur AutoritĂ€t – warum Distanz wichtig bleibt

LehrkrÀfte brauchen eine professionelle Rolle, die:

  • Respekt ermöglicht
  • Grenzen klar markiert
  • pĂ€dagogische Entscheidungen schĂŒtzt

Wichtig sind daher:

  • Die höhergestellte Person bietet das „Du“ an, nicht umgekehrt.
  • Wird ein unaufgefordertes „Du“ kommentarlos akzeptiert, kann das als Einladung zu Grenzverletzungen verstanden werden.
  • LehrkrĂ€fte benötigen die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen.
    Eine zu flache Hierarchie lĂ€sst sie unglaubwĂŒrdig wirken.

Kurz:
Lehrer und SchĂŒler stehen nicht auf derselben Ebene – und das ist pĂ€dagogisch notwendig.

Respektvolle NĂ€he statt unangebrachter Vertraulichkeit

Das „Sie“ vermittelt:

  • Respekt
  • Höflichkeit
  • professionelle Distanz
  • NeutralitĂ€t

Es signalisiert:
„Ich nehme dich ernst – aber ich dringe nicht in deinen persönlichen Raum ein.“

Das „Du“ steht fĂŒr:

  • NĂ€he
  • Vertrautheit

Ist diese nicht beidseitig gewollt, kann das „Du“:

  • distanzlos wirken
  • peinlich sein
  • zu viel Persönliches in den Unterricht tragen
  • die ProfessionalitĂ€t gefĂ€hrden
  • Missbrauchsrisiken begĂŒnstigen

Auch viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler schĂ€tzen langfristig eine respektvolle, klare Lehrerhaltung mehr als „Kumpelhaftigkeit“.

Fazit: Das richtige Maß an Distanz schafft Sicherheit

Eine angemessene Anrede:

  • stĂ€rkt WertschĂ€tzung,
  • schafft Klarheit,
  • ermöglicht professionelle Beziehungen,
  • schĂŒtzt LehrkrĂ€fte und Kinder,
  • erleichtert Kritik und KonfliktgesprĂ€che,
  • verhindert Rollenkonflikte.

Ob „Du“ oder „Sie“ – entscheidend ist, dass die pĂ€dagogische Beziehung klar definiert bleibt. Respektvolle NĂ€he ist sinnvoll – Kumpelrollen hingegen schaden eher.

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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