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Mit Lesetechniken schneller lesen

Kinder in einer Reihe lesen BĂĽcher
Freizeit und Erholung
© vectorfusionart - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

In Schule, Studium und Beruf sind wir aufgefordert, lange Texte zu lesen. Bei der LektĂĽre empfinden wir oft Anstrengung und Unlust. Wir kommen nur langsam voran. Effektives, schnelles Lesen ist eine wichtige SchlĂĽsselkompetenz in unserer Wissensgesellschaft. Mit Lesetechniken lässt sich unser Lesetempo in vielen Fällen deutlich beschleunigen ohne erhebliche EinbuĂźen beim Textverständnis in Kauf nehmen zu mĂĽssen. Können wir BĂĽcher und Texte „verschlingen“?

Lesedauer:
5 min

Schnelllese-Techniken und ihre Grundlagen

Was Schnelllese-Techniken auszeichnet

Es gibt zahlreiche Methoden, mit denen Texte schneller gelesen und trotzdem verstanden werden können. Viele dieser Techniken werden in Ratgeberbüchern oder Weiterbildungsseminaren vorgestellt. Bezeichnungen wie TurboLesen, SpeedReading, Scanning, Skimming oder Flächenlesen tauchen häufig auf.

  • Scanning: Die Augen suchen „slalomartig“ gezielt nach Informationen, z. B. nach Begriffen.
  • Skimming: Man erfasst beim schnellen Ăśberfliegen die Hauptaussagen eines Textes.

Gemeinsames Ziel aller Methoden

Ob Scanning, Skimming oder andere Verfahren – sie alle verfolgen denselben Zweck:

  • strukturierter und gezielter lesen,
  • Informationen der Situation entsprechend verstehen,
  • das Lesetempo steigern, ohne das Verständnis zu verlieren.

Um schneller lesen zu können, lösen sich viele Methoden vom Lesen einzelner Buchstaben oder einzelner Wörter. Stattdessen soll das Gehirn Wortgruppen, Satzteile oder ganze Textabschnitte erfassen.
Hindernisse wie inneres Mitsprechen (Subvokalisation) oder ständiges Zurückspringen im Text sollen reduziert werden.

Schnelles Lesen – eine Kompetenz für Geübte

Schnelllesen funktioniert unter der Annahme, dass man mit höherem Tempo dennoch ausreichend verstehen kann. Es ist eine komplementäre Technik zum normalen Lesen und baut die vorhandene Lesekompetenz nicht ab, sondern erweitert sie für spezifische Situationen.

Im Durchschnitt liest ein Mensch etwa 240 Wörter pro Minute. Ein zu langsames Lesen kann sogar das Verständnis beeinträchtigen, da Satzanfänge bis zum Ende wieder vergessen werden.

Manche Elemente aus Schnelllese-Methoden sind bereits aus dem Schulalltag bekannt – zum Beispiel das Farbmarkieren von Informationen. Was dort intuitiv genutzt wird, spielt beim schnellen Lesen eine bewusstere Rolle.

Beispiele: TurboLesen und Querlesen

TurboLesen nach Rotraut Michelmann

Das TurboLesen geht davon aus, dass Menschen so schnell lesen können, wie sie visuell aufnehmen können. Dabei wird der Zeigefinger rasch über die Zeilen geführt, wodurch ein höheres Lesetempo entsteht.
Wichtig: Auf das innere Mitsprechen soll bewusst verzichtet werden.

Querlesen (SQR-Methode)

Querlesen dient nicht in erster Linie dem schnellen Lesen, sondern dem Überblick über einen Text – eine wichtige Fähigkeit, um sich schnell zu orientieren.

Die SQR-Methode (Survey – Question – Read) nach Francis P. Robinson besteht aus drei Schritten:

1. Survey – Überblick verschaffen (1–2 Minuten)

  • Titel, Ăśberschriften, Autorin/Autor
  • Inhaltsverzeichnis, Klappentext
  • Glossar und verwendete Begriffe

2. Question – eigene Fragen klären

  • Warum lese ich diesen Text?
  • Welche Fragen soll der Text beantworten?
  • Welches Interesse habe ich an diesem Inhalt?

3. Read – Querlesen

  • Augen schnell ĂĽber den Text bewegen
  • aktiv nach Antworten suchen
  • Ăśberschriften, Abbildungen, Zusammenfassungen nutzen
  • wichtige Stellen markieren und kurz notieren

Eine erweiterte Form ist die SQ3R-Methode, bei der nach dem Querlesen zusätzlich alle Fragen in eigenen Worten beantwortet werden.

GĂĽnstige Voraussetzungen fĂĽr schnelles Lesen

Faktoren, die das Lesetempo positiv beeinflussen

Nicht nur Techniken, auch äußere und persönliche Faktoren unterstützen schnelles Lesen:

  • regelmäßiges Lesen und breite Allgemeinbildung
  • gutes Sehvermögen
  • Vorwissen zum Thema und Fachvokabular
  • hohes Interesse am Inhalt

Auch gute Lichtverhältnisse, am besten Tageslicht, steigern die Leistungsfähigkeit. Dazu kommen Pausen, Bewegung und frische Luft – alles Dinge, die Konzentration und Lesetempo fördern.

In Fachtexten spielen auĂźerdem Diagramme, Tabellen und Listen eine groĂźe Rolle. Schnelllesen bedeutet daher ebenfalls, bildhafte Darstellungen rasch zu erfassen.

Kommentar: Warum Schnelllesen sinnvoll ist

Mehr als ein Trend – ein Werkzeug für die Zukunft

Nach Begriffen wie Turbo-Abitur oder Speed-Dating wirkt „Speed‑Reading“ vielleicht modisch, doch der Kern bleibt sinnvoll: strategisches Lesen mit Tempo.
Teure Kurse oder Sommerangebote sind nicht zwingend notwendig. Schnelllese-Techniken könnten im regulären Unterricht – besonders in der Sekundarstufe – stärker verankert werden.

Schnelllesen ist:

  • keine oberflächliche Methode,
  • sondern eine Arbeitsstrategie,
  • die das Lesetempo oft deutlich erhöht.

Praktisches Ăśben im sicheren Rahmen

Nachmittags‑AGs wären ein guter Rahmen, um Lesetechniken unverkrampft auszuprobieren. Dort können Schüler:

  • mit dem Finger die Zeile abtasten,
  • schneller weiterlesen, auch wenn sich Unsicherheit meldet,
  • ihre persönlichen Lesegeschwindigkeiten entdecken.

Wichtige Einschränkungen

  1. Das Lesetempo kann nicht beliebig gesteigert werden.
  2. Schnelllesen erfordert Regelmäßigkeit und Übung, idealerweise täglich.

Wer die Technik nutzen möchte, muss sie trainieren – wie jede andere Fähigkeit auch.

Linktipps:

Einfache Tipps fĂĽr ein schnelles Lesen
www.studium-ratgeber.de

Tipps zum besseren Verständnis von Grafiken und Schaubildern des ARD-Bildungskanals BR-alpha
www.br.de

Testsieger von Lesetraining-Test bei Stiftung Warentest 2/2015 - ist die Smartphone-App Heku IT fĂĽr 2,99 Euro
www.heku-it.com

Stiftung Warentest – Lesetrainings im Test (Februar 2015)
www.test.de

Buchtipps:

  • Kuhn, B. et. al. Schneller lesen – leichter merken. Die erfolgreichsten Tipps, Methoden und Strategien Compact Verlag 2011
  • Michelmann, R. und W. U. Michelmann Effizient und schneller lesen. Mehr Know-how fĂĽr Zeit- und Informationsgewinn Anaconda Verlag 2010
  • Schmitz, W. et. al. Schneller lesen - besser verstehen fĂĽr Jugendliche Rowohlt Taschenbuch Verlag 2011

Zuletzt geändert am 11.02.2026

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Themen:
Lesetechnik
Lesetempo
Turbolesen
Querlesen
Lesetraining
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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