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Scharf und gesund - das Gemüse des Jahres 2016

Foto bunter Paprika
Wissen und Bildung
© gitusik - Fotolia.com
von Jörg Sauer

Die vitaminreichen und farbenprächtigen Paprika und Chilisorten sind aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken...

Lesedauer:
5 min

Paprika und Chili – Vielfalt, Herkunft und Unterrichtsideen

Paprika und Chili bereichern unsere Ernährung in vielfältiger Weise. Bemerkenswert ist, dass sich die heute bekannten über 2.000 Sorten aus nur fünf ursprünglichen Arten entwickelt haben. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ernannte Paprika und Chili deshalb zum Gemüse des Jahres 2015 und 2016 – ein Anlass, dieses faszinierende Gewächs näher zu betrachten.

Wissenswertes zu Paprika und Chili

Pflanzensteckbrief

Paprika (Capsicum)
Die meisten bekannten Sorten stammen von Capsicum annuum, einer der fünf Ursprungsarten. Paprika sind mehrjährige krautige Pflanzen, werden jedoch in Mitteleuropa meist einjährig kultiviert, da sie frostempfindlich sind.

Je nach Nutzung – als Gemüse oder Gewürz – variieren die gezüchteten Sorten, etwa Chili, Peperoni oder Spanischer Pfeffer. Der Begriff Paprika gelangte im 19. Jahrhundert aus dem Ungarischen ins Deutsche und geht über das Serbische auf pàpar (= Pfeffer) zurück. Der Begriff Chili stammt aus einer Sprache, die Teile der aztekischen Bevölkerung sprechen.

Der wissenschaftliche Name Capsicum leitet sich vom griechischen kapsa (= Kapsel) ab und beschreibt die Form der Frucht.
Paprikapflanzen gehören zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae), können je nach Art bis zu 150 cm hoch wachsen und tragen meist weiße Blüten.

Standortansprüche

  • warm und windgeschützt
  • humoser, lockerer Boden
  • volle Sonne
  • keine Frostverträglichkeit
  • auch gut für Kübelkultur geeignet

Capsaicin – der besondere Inhaltsstoff

Capsaicin ist für die typische Schärfe verantwortlich und löst Hitze- bzw. Schmerzreize aus – anders als Geschmacksempfindungen der Zunge. Die Wirkung reicht von mild bis stark brennend und wird individuell unterschiedlich wahrgenommen.

Die Schärfe wird in Scoville gemessen, einem Verdünnungsfaktor, der nötig ist, um die Schärfe zu neutralisieren.

  • Gemüsepaprika: 0–10 Scoville
  • Jalapeños: bis ca. 8.000
  • Habaneros: bis zu 500.000

Evolutionär dient Capsaicin der Abwehr von Säugetieren, die beim Fressen Samen zerstören könnten. Vögel hingegen spüren die Schärfe nicht und verbreiten die Samen über weite Strecken.
Zusätzlich enthalten die Früchte viel Vitamin C.

Ein Blick in die Geschichte

Alle fünf ursprünglichen Paprikaarten stammen aus Mittel- und Südamerika. Bereits um 7.000 v. Chr. nutzten Menschen wilde Paprikapflanzen, wie Ausgrabungen in Tehuacán (Mexiko) zeigen. Erste Zuchtformen werden auf 5200–3400 v. Chr. datiert.

Christoph Columbus lernte Chili auf seinen Entdeckungsreisen kennen. Unklar ist, ob er meinte, eine Variante des Pfeffers gefunden zu haben – ein Gewürz, das im damaligen Europa äußerst begehrt war.

Der Arzt Diego Alvarez Chanca beschrieb die Pflanze erstmals 1493. Von Spanien aus verbreiteten sich Paprika in Europa. Persönlichkeiten wie Bartolomé de Las Casas und Hans Staden lieferten frühe Beschreibungen unterschiedlicher Sorten.

Mit zunehmendem Welthandel gelangten Paprikasorten nach Asien, Indien und in den Mittelmeerraum – Regionen, in denen Paprika und Chili heute fester Bestandteil der Küche sind.
Der deutsche Botaniker Leonhart Fuchs erwähnte 1542 erstmals in Deutschland angebaute Paprika.

Ideen für den Unterricht

Das Thema eignet sich hervorragend für fächerübergreifendes Arbeiten. Umfang und Anspruch lassen sich individuell anpassen.

Sachunterricht / Biologie

  • verschiedene Arten erkunden
  • Capsaicin untersuchen
  • Paprika im Schulgarten oder Gewächshaus anbauen
  • einfache Rezepte zubereiten (ggf. mit Eltern)

Geografie

  • Ursprungsgebiete kartieren
  • klimatische Bedingungen analysieren
  • heutige Anbaugebiete erforschen
  • Arbeit mit verschiedenen Karten

Geschichte

  • Gewürze als kostbare Handelsgüter
  • Entdeckung der „Neuen Welt“
  • Verbreitung der Paprika
  • heutige europäische Anbauzentren

Deutsch

  • Rezepte sammeln und gestalten
  • Wortherkünfte untersuchen
  • Mind‑Maps und Übersichten erstellen

Mathematik

  • Entfernungen zwischen Ursprungs- und Anbaugebieten berechnen
  • Schiffs- und Transportrouten analysieren
  • historische Zeitspannen vergleichen

Tipp: Ein Besuch in einer Gärtnerei oder einem Gemüseladen erleichtert den Einstieg ins Thema.

Aufbau des Unterrichtsheftes zur Paprika

Deckblatt

Von den Kindern individuell gestaltet – nach einem Unterrichtsgespräch oder einer Exkursion.

Steckbrief Paprika (Teil 1 & 2)

  • Bearbeitung einzeln, in Partner‑ oder Gruppenarbeit (max. 3 Kinder)

Arbeit im Schulgarten oder Gewächshaus

  • Pflanzen müssen frühzeitig besorgt werden
  • Namensschilder anfertigen
  • Aussaat ab Februar möglich
  • langfristige Pflege und Ferienbetreuung berücksichtigen
  • Aufgabenprotokoll führen

Entwicklung der Paprika

  • längerfristige Beobachtungen
  • Partner‑ oder Gruppenarbeit

Entdeckungen: Frucht & Samen

  • genaue Erkundung der Frucht
  • Protokollarbeit

Platz für weitere Beobachtungen

  • eigene Entdeckungen notieren
  • Rezepte sammeln

Linktipps

Quellen

(1) http://www.nutzpflanzenvielfalt.de/das-feuer-der-k%C3%BCche-chili-und-paprika-sind-gem%C3%BCse-des-jahres-201516
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Paprika#Herkunft
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) ebd.
(6) https://kochkultur-leipzig.de/2015/01/06/das-feuer-in-der-kuche-chili-und-paprika-sind-gemuse-des-jahres-201516
(7) ebd.
(8) ebd.
(9) https://de.wikipedia.org/wiki/Paprika#Herkunft
(10) ebd.
(11) ebd.
(12) ebd.
(13) ebd.

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Themen:
Paprika
Chili
Gemüse
Vitamin C
Nutzpflanze
Über den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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