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Wie sinnvoll ist bilingualer Unterricht?

Lehrerin vor der Tafel
Entwicklung und Erziehung
© yanlev - Fotolia.com
von Ulrike Lindner

Englische Abzählreime im Kindergarten, ein spanisches Au-Pair und internationale Sprachcamps für die Sommerferien – Mehrsprachigkeit steht bei vielen Eltern hoch im Kurs. Kein Wunder, dass Schulen mit bilingualem Unterricht sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Mit ausgelöst wurde der Trend zur Zwei- oder Mehrsprachigkeit von Berichten über die Zeitfenster, während derer Kinder besonders empfänglich für bestimmte Lerninhalte sein sollen. Hinzu kommt die Überzeugung vieler Eltern, dass eine mehrsprachige Erziehung Kindern einen schulischen und beruflichen Startvorteil in unserer zunehmend globalisierten Welt verschaffen könne.

Lesedauer:
2 min

Bilingualer Unterricht in der Schule: Immersion und Profilklassen im Überblick

Immer mehr Schulen setzen auf bilingualen Unterricht, um Kindern und Jugendlichen einen natürlichen und motivierenden Zugang zu Fremdsprachen zu ermöglichen. Neben dem klassischen Sprachunterricht entstehen heute vielfältige Modelle, die Sprache und Fachinhalte miteinander verbinden.


Immersionsunterricht in der Grundschule: Eintauchen in die Fremdsprache

An Grundschulen hat sich zunehmend das Konzept der Immersion durchgesetzt – wörtlich übersetzt „Eintauchen“. Dabei werden Kinder bereits ab Klasse 1 in einer Fremdsprache unterrichtet, meist Englisch, aber teilweise auch Spanisch, Russisch, Italienisch oder sogar Nieder- und Obersorbisch in einigen Regionen Sachsens und Brandenburgs.

Vorteile der Immersion

  • Kinder lernen die Sprache „nebenbei“ im natürlichen Sprachbad.
  • Begriffe werden durch Wiederholen, Vormachen und Anwenden verinnerlicht.
  • Die Methode ist aus Ländern bekannt, in denen Amts- und Alltagssprache voneinander abweichen.

Gerade jüngere Kinder profitieren enorm davon, da sie intuitiv und ohne Hemmungen in die neue Sprache hineinwachsen.


Bilinguale Profilklassen an weiterführenden Schulen

In weiterführenden Schulen wie Gymnasien, Oberschulen oder Gesamtschulen erfolgt der Einstieg oft behutsamer. Zeitpunkt und Umfang hängen vom Bundesland und der jeweiligen Schule ab.

Weit verbreitet ist das Modell der Profilklassen, in denen ab Klasse 5 oder 7 ein oder mehrere Sachfächer – z. B. Geschichte, Erdkunde oder Politik – in einer Fremdsprache unterrichtet werden.

Beliebter Einstieg: Sportunterricht

Der Sportunterricht eignet sich besonders gut für den Anfang, weil hier viele Inhalte durch Vormachen erklärt werden und sprachlich gut nachvollziehbar sind.

Wichtig zu wissen:
➡️ Der bilinguale Unterricht ersetzt nicht den regulären Fremdsprachenunterricht, sondern ergänzt ihn.
Nur selten wird eine Klasse vollständig in der Fremdsprache unterrichtet.


Wie wirksam ist bilingualer Unterricht?

Bilingualer Unterricht gilt weitgehend als Erfolgsmodell, vor allem dann, wenn einzelne Fächer oder Module in der Fremdsprache stattfinden.

Nachgewiesene Vorteile

  • deutlich besseres Hörverständnis – bis zu zwei Jahre Vorsprung
  • erhöhte Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen
  • stärkere Konzentrationsfähigkeit
  • bessere Chancen im späteren Berufsleben

Auch die Sorge, der Fachinhalt könnte zu kurz kommen, ist laut Bildungsexperten unbegründet:
➡️ Im bilingualen Unterricht steht der Inhalt stets vor Grammatik.


Wichtig: Realistische Erwartungen

Experten warnen jedoch vor überhöhten Erwartungen. Zwar steigert bilingualer Unterricht nachweislich die Sprachkompetenz, aber die Ursachen sind nicht vollständig erforscht.

In der Praxis zeigt sich häufig:

  • Kinder in Bili‑Klassen stammen überdurchschnittlich oft aus bildungsnahen Haushalten.
  • Sie sind häufig kommunikativer, sprachlich selbstbewusster und leistungsstärker.
  • Ihr Vorsprung kann daher teilweise auch auf ihren familiären Hintergrund zurückgehen – nicht nur auf den Unterricht selbst.

Fazit

Bilingualer Unterricht ist keine Wunderwaffe, aber eine wirkungsvolle Ergänzung zum klassischen Fremdsprachenlernen – vorausgesetzt, Schülerinnen und Schüler entscheiden sich freiwillig dafür. Wer motiviert ist, profitiert in der Regel von besseren Sprachkompetenzen, größerer kultureller Offenheit und wertvollen Fähigkeiten fürs spätere Leben.

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Themen:
Mehrsprachigkeit
Fremdsprache
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Zweisprachigkeit
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Unterricht
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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