Besser lesen – Lesestrategien vermitteln
Besser lesen – Lesestrategien vermitteln
Lesen gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten, die in der Schule vermittelt werden. Auch wenn die Grundschulzeit vorbei ist und die meisten Schülerinnen und Schüler eigenständig lesen können, ist dieser Lernprozess nicht abgeschlossen.
Lesestrategien – warum reines Lesen nicht genügt
Lesen zu können bedeutet noch nicht automatisch, einen Text auch sicher zu verstehen. Kinder müssen lernen, wichtige Informationen zu erkennen, Zusammenhänge zu erfassen und sich in längeren Texten zu orientieren. Dabei helfen sogenannte Lesestrategien. Zwei besonders nützliche Methoden sind Scanning und Skimming. Mit ihnen können Kinder Texte gezielter lesen und schneller herausfinden, welche Informationen wichtig sind.
Warum Lesestrategien hilfreich sind
Nicht jeder Text muss Wort für Wort gelesen werden. Manchmal sucht Ihr Kind nur eine bestimmte Information. In anderen Fällen möchte es zunächst herausfinden, worum es in einem Text überhaupt geht. Lesestrategien helfen dabei, unterschiedliche Aufgaben gezielt anzugehen. Sie können das Lesen übersichtlicher machen und Kindern Sicherheit im Umgang mit Sachtexten, Geschichten, Aufgabenstellungen oder Informationen im Internet geben.
Scanning – gezielt nach Informationen suchen
Scanning bedeutet, einen Text nach einer ganz bestimmten Information zu durchsuchen. Das kann zum Beispiel eine Jahreszahl, ein Name, ein Fachbegriff, ein Datum oder eine konkrete Definition sein. Ihr Kind muss den gesamten Text dabei nicht von Anfang bis Ende lesen. Stattdessen wandert der Blick gezielt über den Text, bis die gesuchte Information gefunden ist.
So können Sie Scanning zu Hause üben
Geben Sie Ihrem Kind eine konkrete Suchaufgabe zu einem Text. Fragen Sie beispielsweise: „In welchem Jahr ist die Person geboren?“, „Wie heißt der Ort?“ oder „Welche drei Zutaten werden genannt?“ So lernt Ihr Kind, gezielt nach Schlüsselwörtern und passenden Textstellen zu suchen.
Skimming – einen schnellen Überblick gewinnen
Beim Skimming wird ein Text zunächst überflogen. Ziel ist es, möglichst schnell herauszufinden, worum es geht und welche Hauptaussagen wichtig sind. Das ist besonders hilfreich bei längeren Texten. Ihr Kind kann sich zunächst einen Überblick verschaffen und danach entscheiden, welche Abschnitte genauer gelesen werden müssen.
Sechs Schritte für einen schnellen Textüberblick
1. Zuerst klären, um welche Art von Text es geht
Schauen Sie sich den Text gemeinsam an. Handelt es sich um eine Geschichte, einen Sachtext, einen Zeitungsartikel, einen Blogbeitrag oder vielleicht um eine Anleitung? Überlegen Sie auch, für wen der Text geschrieben wurde und welches Ziel er verfolgt. Möchte er informieren, erklären, unterhalten oder überzeugen?
2. Überschriften aufmerksam lesen
Titel und Zwischenüberschriften geben oft schon wichtige Hinweise auf den Inhalt. Bitten Sie Ihr Kind, zunächst nur diese zu lesen und danach zu vermuten, worum es in dem Text gehen könnte. Bei längeren Texten kann auch ein Inhaltsverzeichnis helfen, sich zu orientieren. Unbekannte Begriffe können zunächst markiert werden. Sie müssen nicht immer sofort nachgeschlagen werden, wenn die Bedeutung für den groben Überblick noch nicht entscheidend ist.
3. Auf die Gestaltung achten
Auch das Aussehen eines Textes verrät viel über seinen Inhalt. Große Überschriften, hervorgehobene Wörter, Kästen, Listen oder unterschiedliche Abschnitte zeigen häufig, welche Informationen besonders wichtig sind. Fragen Sie Ihr Kind beispielsweise: „Was fällt dir als Erstes ins Auge?“ oder „Welche Stelle scheint besonders wichtig zu sein?“
4. Bilder und Illustrationen nutzen
Fotos, Zeichnungen, Diagramme und andere Abbildungen können dabei helfen, einen Text schneller zu verstehen. Schauen Sie sich die Bilder gemeinsam an und überlegen Sie, was sie über den Inhalt verraten. Anschließend kann Ihr Kind prüfen, ob seine Vermutungen beim Lesen bestätigt werden.
5. Schlüsselwörter finden
Bestimmte Wörter tauchen in einem Text besonders häufig auf oder sind für das Thema besonders wichtig. Solche Schlüsselwörter helfen dabei, Hauptaussagen und Zusammenhänge zu erkennen. Ihr Kind kann diese Begriffe markieren oder am Rand notieren. Danach lässt sich gemeinsam überlegen: Welche Wörter gehören zusammen? Und was verraten sie über das Thema?
6. Den Aufbau des Textes erkennen
Zum Schluss lohnt sich ein Blick auf die Struktur. Werden verschiedene Informationen einfach nacheinander genannt? Gibt es Argumente dafür und dagegen? Wird eine Entwicklung in zeitlicher Reihenfolge beschrieben oder ein Problem mit einer Lösung vorgestellt? Ihr Kind kann anschließend versuchen, den Aufbau mit wenigen Worten zu erklären oder eine kleine Skizze dazu anzufertigen.
Lesestrategien gemeinsam üben
Lesestrategien müssen nicht kompliziert trainiert werden. Sie lassen sich gut in alltägliche Lernsituationen einbauen. Wenn Ihr Kind beispielsweise einen Sachtext lesen soll, können Sie zunächst gemeinsam nur Überschrift, Bilder und hervorgehobene Wörter betrachten. Danach darf Ihr Kind vermuten, worum es geht.
Bei einer konkreten Frage kann es anschließend gezielt nach der passenden Information suchen. Erst danach wird der entsprechende Abschnitt genauer gelesen. Auch Zeitungsartikel, Kinderzeitschriften, Lexikontexte oder altersgerechte Internetseiten eignen sich zum Üben.
Über das eigene Lesen sprechen
Hilfreich ist es, wenn Kinder nicht nur einen Text verstehen, sondern auch darüber nachdenken, wie sie dabei vorgegangen sind. Fragen Sie Ihr Kind beispielsweise: „Was hat dir geholfen, die Antwort zu finden?“, „Welche Stelle war besonders wichtig?“ oder „Woran hast du erkannt, worum es in dem Text geht?“ So wird Ihrem Kind zunehmend bewusst, welche Lesestrategie in welcher Situation hilfreich ist.
Eine einfache Übung für zu Hause
Wählen Sie gemeinsam einen kurzen Sachtext aus. Lassen Sie Ihr Kind zunächst nur die Überschrift, Zwischenüberschriften und Bilder ansehen. Danach soll es in wenigen Sätzen sagen, worum es vermutlich geht. Stellen Sie anschließend zwei oder drei konkrete Fragen zum Text. Ihr Kind sucht die Antworten zunächst gezielt, ohne alles vollständig zu lesen. Zum Schluss kann der Text genauer gelesen und gemeinsam überprüft werden: Waren die ersten Vermutungen richtig? Welche Informationen waren besonders wichtig?
Lesestrategien Schritt für Schritt festigen
Je häufiger Kinder solche Vorgehensweisen anwenden, desto selbstverständlicher werden sie. Dabei muss nicht jede Strategie bei jedem Text genutzt werden. Entscheidend ist, dass Ihr Kind zunehmend erkennt: Wie ich einen Text lese, hängt davon ab, was ich herausfinden möchte. Scanning hilft beim gezielten Suchen nach einzelnen Informationen. Skimming verschafft einen schnellen Überblick über Thema und Inhalt. Beide Strategien können Kindern dabei helfen, Texte sicherer zu erschließen, wichtige Informationen schneller zu finden und selbstständiger zu lernen.
Linktipps
Mehr über die Lesestrategie
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Informationen über Lesestrategien im Unterricht gibt’s auch auf dem
Bildungsserver Berlin-Brandenburg
Zuletzt aktualisiert am: 09.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.