Nachmittagsbetreuung
Nachmittagsbetreuung
Nach einem Schultag stellt sich für viele Kinder und deren Eltern die Frage, was nun mit der freien Zeit am Nachmittag geschehen soll.Klar, die schulischen Aufträge müssen erledigt werden. Dennoch kann ein Nachmittag lang sein. Ein solcher kann sich in der großen Spanne zwischen der totalen Organisiertheit und der völligen Freiheit bewegen.
In dem nachfolgenden Beitrag sollen Anregungen und Möglichkeiten einer sinnvollen Gestaltung gegeben werden.
Schulformen und Schulpflicht in Deutschland
Schulpflicht – geschichtlicher Hintergrund
In Deutschland umfasst die Schulpflicht den Zeitraum vom sechsten Lebensjahr bis zur Vollendung der Minderjährigkeit. Ihren Ursprung hat sie bereits im 16. Jahrhundert:
- 1592 führte das Herzogtum Pfalz‑Zweibrücken als erstes Land weltweit die Schulpflicht ein (1).
- 1717 folgte PreuĂźen.
- 1763 bestätigte Friedrich der Große die Schulpflicht im Generallandschulreglement.
- Mit der ReichsgrĂĽndung 1871 wurde die staatliche Schulpflicht fĂĽr ganz Deutschland festgelegt.
Die Schulpflicht beinhaltet, dass Eltern ihre Kinder an den für sie zuständigen Schulen anmelden müssen – je nach regionalen Gegebenheiten.
Schulformen im deutschen Bildungssystem
Primarstufe
Die Grundschule umfasst in den meisten Bundesländern die Klassen 1 bis 4.
Sekundarstufe I und II
Zu den weiterführenden Schulen gehören:
- Hauptschule (Sekundarstufe I)
- Realschule (Sekundarstufe I)
- Schulformen mit Mischmodellen (je nach Bundesland)
- Gymnasium – umfasst Sekundarstufe I und II
Darüber hinaus existieren Ganztagsschulen und Schulen mit Ganztagsangeboten, auf die im nächsten Abschnitt näher eingegangen wird.
Private Schulformen
Neben staatlichen Schulen gibt es eine wachsende Vielfalt privater Einrichtungen mit besonderen pädagogischen Konzepten:
- Jenaplan-Schulen
- Waldorfschulen
- Montessori-Schulen
Auch das Lernen an einem Internat ist möglich, betrifft aber nur eine kleine Gruppe von Kindern.
Der „freie Nachmittag“
Beteiligung im Haushalt
Kinder sollten – ihrer Entwicklung entsprechend – Aufgaben im Haushalt übernehmen. Das fördert Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl.
Organisierte Nachmittagsbetreuung
Hort
In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit einer Hortbetreuung.
Da Träger und Konzepte stark variieren können, lohnt sich eine gründliche Information im Vorfeld.
Tipp:
Unbedingt auch nach Betreuungskosten, Essenspreisen und der Qualität der Mittagsverpflegung fragen.
Ganztagsschulen und Ganztagsangebote
Aufgrund der PISA-Diskussionen wurden bundesweit mehr Ganztagsschulen eingefĂĽhrt.
Viele Schulen bieten zudem Ganztagsangebote am Nachmittag, z. B.:
- Hausaufgabenbetreuung
- Experimentieren
- PC‑Kurse
- Zeichen- und Bastelangebote
- Schnitzen, Gartenarbeit
- Schach
- Sportgruppen
- Kurse für Begabtenförderung
Herausforderung:
Sind viele Kinder auf Busverbindungen angewiesen, erschwert das die Teilnahme.
Tipp:
Schulen veröffentlichen ihr Nachmittagsangebot meist ausführlich auf der Website.
Arbeitsgemeinschaften
Viele Schulen bieten zusätzliche AGs und Kurse an, die zu Schuljahresbeginn vorgestellt werden.
Wenn nichts Passendes dabei ist, können örtliche Angebote genutzt werden.
Nach einer Schnupperphase ist es sinnvoll, eine Aktivität über längere Zeit beizubehalten – ständiger Wechsel führt zu Unruhe und wenig Kontinuität.
Beispiele fĂĽr Freizeitangebote
- Musikschulen
- Jugendfeuerwehr
- Sportvereine
- Kunst- und Zeichengruppen
- Bastelkurse
- Tanz- oder Musikgruppen
Begabungen und Interessen erkennen
Individuelle Stärken verstehen
Eltern kennen ihr Kind am besten und können seine Fähigkeiten gut einschätzen.
Auch Gespräche mit der Klassenleitung sind hilfreich. Dabei wird deutlich:
- Vergleiche zwischen Gleichaltrigen
- Vergleiche zwischen Geschwistern
- Vergleiche zwischen Jungen und Mädchen
sind selten sinnvoll.
Der Begriff Begabung wird nicht einheitlich definiert (2).
Heute unterscheidet man im Wesentlichen zwei Modelle (3):
- Quantitativ – z. B. ein bestimmter IQ-Wert
- Qualitativ – Mehrfaktorenmodell zur Beschreibung individueller Fähigkeiten
Weitere Informationen:
www.begabung-ff.de
Interesse – was heißt das eigentlich?
Interesse stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „dazwischen sein“ bzw. „dabei sein“.
Es meint die kognitive Aufmerksamkeit, die eine Person einer Sache oder einem Menschen schenkt (4).
Je stärker die Anteilnahme, desto größer das Interesse. Nimmt es ab, spricht man von Desinteresse oder Apathie.
In der Pädagogischen Psychologie wird Interesse als Zusammenspiel von:
- emotionalen
- motivationalen
- kognitiven
BezĂĽgen beschrieben (5).
Menschen mit gleichen Interessen schließen sich häufig zu Gruppen oder Vereinen zusammen.
Individuelle Zeitnutzung
Freiräume zulassen
Bei aller sinnvollen Freizeitgestaltung braucht jedes Kind auch Zeit fĂĽr sich:
- Zeit zum Toben
- Zeit zum Nachdenken
- Zeit zum Nichtstun
Kinder sollen keinen Terminkalender wie Erwachsene haben.
Auch Eltern sollten bedenken, dass zu viele Aktivitäten oft mit vielen Fahrdiensten verbunden sind.
Links & Quellen
Links
Quellen
- wikipedia.org
- www.begabung-ff.de
- ebd.
- wikipedia.org
- (5) ebd.
Zuletzt geändert am 11.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.