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Nachmittagsbetreuung

Ein Mädchen beim Malen
Entwicklung und Erziehung
© Brebca - Fotolia.de
von Jörg Sauer

Nach einem Schultag stellt sich für viele Kinder und deren Eltern die Frage, was nun mit der freien Zeit am Nachmittag geschehen soll.Klar, die schulischen Aufträge müssen erledigt werden. Dennoch kann ein Nachmittag lang sein. Ein solcher kann sich in der großen Spanne zwischen der totalen Organisiertheit und der völligen Freiheit bewegen.
In dem nachfolgenden Beitrag sollen Anregungen und Möglichkeiten einer sinnvollen Gestaltung gegeben werden.

Lesedauer:
3 min

Schulformen und Schulpflicht in Deutschland

Schulpflicht – geschichtlicher Hintergrund

In Deutschland umfasst die Schulpflicht den Zeitraum vom sechsten Lebensjahr bis zur Vollendung der Minderjährigkeit. Ihren Ursprung hat sie bereits im 16. Jahrhundert:

  • 1592 fĂĽhrte das Herzogtum Pfalz‑ZweibrĂĽcken als erstes Land weltweit die Schulpflicht ein (1).
  • 1717 folgte PreuĂźen.
  • 1763 bestätigte Friedrich der GroĂźe die Schulpflicht im Generallandschulreglement.
  • Mit der ReichsgrĂĽndung 1871 wurde die staatliche Schulpflicht fĂĽr ganz Deutschland festgelegt.

Die Schulpflicht beinhaltet, dass Eltern ihre Kinder an den für sie zuständigen Schulen anmelden müssen – je nach regionalen Gegebenheiten.


Schulformen im deutschen Bildungssystem

Primarstufe

Die Grundschule umfasst in den meisten Bundesländern die Klassen 1 bis 4.

Sekundarstufe I und II

Zu den weiterführenden Schulen gehören:

  • Hauptschule (Sekundarstufe I)
  • Realschule (Sekundarstufe I)
  • Schulformen mit Mischmodellen (je nach Bundesland)
  • Gymnasium – umfasst Sekundarstufe I und II

Darüber hinaus existieren Ganztagsschulen und Schulen mit Ganztagsangeboten, auf die im nächsten Abschnitt näher eingegangen wird.

Private Schulformen

Neben staatlichen Schulen gibt es eine wachsende Vielfalt privater Einrichtungen mit besonderen pädagogischen Konzepten:

  • Jenaplan-Schulen
  • Waldorfschulen
  • Montessori-Schulen

Auch das Lernen an einem Internat ist möglich, betrifft aber nur eine kleine Gruppe von Kindern.


Der „freie Nachmittag“

Beteiligung im Haushalt

Kinder sollten – ihrer Entwicklung entsprechend – Aufgaben im Haushalt übernehmen. Das fördert Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl.


Organisierte Nachmittagsbetreuung

Hort

In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit einer Hortbetreuung.
Da Träger und Konzepte stark variieren können, lohnt sich eine gründliche Information im Vorfeld.

Tipp:
Unbedingt auch nach Betreuungskosten, Essenspreisen und der Qualität der Mittagsverpflegung fragen.

Ganztagsschulen und Ganztagsangebote

Aufgrund der PISA-Diskussionen wurden bundesweit mehr Ganztagsschulen eingefĂĽhrt.
Viele Schulen bieten zudem Ganztagsangebote am Nachmittag, z. B.:

  • Hausaufgabenbetreuung
  • Experimentieren
  • PC‑Kurse
  • Zeichen- und Bastelangebote
  • Schnitzen, Gartenarbeit
  • Schach
  • Sportgruppen
  • Kurse fĂĽr Begabtenförderung

Herausforderung:
Sind viele Kinder auf Busverbindungen angewiesen, erschwert das die Teilnahme.

Tipp:
Schulen veröffentlichen ihr Nachmittagsangebot meist ausführlich auf der Website.

Arbeitsgemeinschaften

Viele Schulen bieten zusätzliche AGs und Kurse an, die zu Schuljahresbeginn vorgestellt werden.

Wenn nichts Passendes dabei ist, können örtliche Angebote genutzt werden.
Nach einer Schnupperphase ist es sinnvoll, eine Aktivität über längere Zeit beizubehalten – ständiger Wechsel führt zu Unruhe und wenig Kontinuität.


Beispiele fĂĽr Freizeitangebote

  • Musikschulen
  • Jugendfeuerwehr
  • Sportvereine
  • Kunst- und Zeichengruppen
  • Bastelkurse
  • Tanz- oder Musikgruppen

Begabungen und Interessen erkennen

Individuelle Stärken verstehen

Eltern kennen ihr Kind am besten und können seine Fähigkeiten gut einschätzen.
Auch Gespräche mit der Klassenleitung sind hilfreich. Dabei wird deutlich:

  • Vergleiche zwischen Gleichaltrigen
  • Vergleiche zwischen Geschwistern
  • Vergleiche zwischen Jungen und Mädchen

sind selten sinnvoll.

Der Begriff Begabung wird nicht einheitlich definiert (2).
Heute unterscheidet man im Wesentlichen zwei Modelle (3):

  1. Quantitativ – z. B. ein bestimmter IQ-Wert
  2. Qualitativ – Mehrfaktorenmodell zur Beschreibung individueller Fähigkeiten

Weitere Informationen:
www.begabung-ff.de

Interesse – was heißt das eigentlich?

Interesse stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „dazwischen sein“ bzw. „dabei sein“.
Es meint die kognitive Aufmerksamkeit, die eine Person einer Sache oder einem Menschen schenkt (4).

Je stärker die Anteilnahme, desto größer das Interesse. Nimmt es ab, spricht man von Desinteresse oder Apathie.

In der Pädagogischen Psychologie wird Interesse als Zusammenspiel von:

  • emotionalen
  • motivationalen
  • kognitiven

BezĂĽgen beschrieben (5).
Menschen mit gleichen Interessen schließen sich häufig zu Gruppen oder Vereinen zusammen.


Individuelle Zeitnutzung

Freiräume zulassen

Bei aller sinnvollen Freizeitgestaltung braucht jedes Kind auch Zeit fĂĽr sich:

  • Zeit zum Toben
  • Zeit zum Nachdenken
  • Zeit zum Nichtstun

Kinder sollen keinen Terminkalender wie Erwachsene haben.
Auch Eltern sollten bedenken, dass zu viele Aktivitäten oft mit vielen Fahrdiensten verbunden sind.

Links & Quellen

Links

Quellen

  1. wikipedia.org
  2. www.begabung-ff.de
  3. ebd.
  4. wikipedia.org
  5. (5) ebd.

Zuletzt geändert am 11.02.2026

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Themen:
Nachmittag
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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