Einheimische KrÀuter
Einheimische KrÀuter
Einheimische KrĂ€uter waren etwas in Vergessenheit geraten, doch sie erleben seit einiger Zeit eine wahre Renaissance. Die KrĂ€uter habenihren Platz in der KĂŒche oder als hĂ€usliches Arzneimittel zurĂŒckerobert. Auch auf kleinem Raum findet sich die Möglichkeit, das eine oder andere Kraut anzubauen. Dazu möchte der nachfolgende Beitrag Anregungen geben.
Was sind KrÀuter?
Der Begriff KrĂ€uter umfasst sowohl KĂŒchenkrĂ€uter als auch HeilkrĂ€uter â die ĂbergĂ€nge sind dabei flieĂend. Entscheidend ist nicht immer, ob eine Pflanze botanisch tatsĂ€chlich krautig ist, sondern wie sie genutzt wird.
HeilkrÀuter verwendet man wegen ihres Gehalts an bestimmten Wirkstoffen, etwa als Tees, Salben oder BadezusÀtze.
KĂŒchenkrĂ€uter liefern frische oder getrocknete Pflanzenteile zum WĂŒrzen. Stoffe aus Samen, Rinden oder FrĂŒchten zĂ€hlen dagegen zu den GewĂŒrzen. Manche Pflanzen wechselten im Lauf der Geschichte ihre Nutzung: Ehemalige HeilkrĂ€uter gehören heute etwa zu den Genussmitteln (z.âŻB. Kaffee, Tee, Tabak) oder zu den KĂŒchenkrĂ€utern.
Blick ins Geschichtsbuch
Die Geschichte der Menschheit ist eng mit KrĂ€utern verknĂŒpft. Bereits in der Epoche der JĂ€ger und Sammler dienten sie als Nahrung, WĂŒrzmittel und Heilpflanzen.
FrĂŒhe Quellen
- Um 3700 v. Chr. entstand in China ein frĂŒhes Heilpflanzenbuch, das Kaiser Shinnong zugeschrieben wird.
- Der Papyrus Ebers aus dem 16. Jh. v. Chr. enthÀlt umfassende Angaben zu Àgyptischen Heilpflanzen.
- Im 1. Jh. n. Chr. verfasste der griechische Arzt Dioskurides die âMateria Medicaâ â ein Werk mit ĂŒber 800 pflanzlichen Beschreibungen und fast 5.000 Anwendungen.
- Zur gleichen Zeit schrieb Plinius der Ăltere in seiner âNaturalis historiaâ ebenfalls ĂŒber medizinische Pflanzen.
Mittelalter und Klosterkultur
Mit den Römern und spĂ€ter den Benediktinern gelangte umfangreiches KrĂ€uterwissen nach Mitteleuropa. BerĂŒhmt wurden KlostergĂ€rten wie St. Gallen oder Reichenau.
Die LandgĂŒterverordnung Karls des GroĂen (812) schrieb den Anbau von KrĂ€utern und ObstbĂ€umen in königlichen GĂ€rten verbindlich vor.
Besonders einflussreich war Hildegard von Bingen â sie verband antikes Wissen mit Volksmedizin und nutzte erstmals volkstĂŒmliche Pflanzennamen. Neben Klöstern spielten auch Apotheker und KrĂ€uterfrauen eine zentrale Rolle beim Pflanzenanbau und beim Sammeln wilder KrĂ€uter.
In der arabischen Welt entstanden bedeutende medizinische Werke, etwa Avicennas âKanon der Medizinâ (um 1000) und das umfangreiche âKitab al-gamiâ des Arztes Ibn al-Baitar (1190â1248), das rund 1400 Pflanzen beschreibt.
In Europa schuf der Pflanzenkundler Leonhart Fuchs 1543 das bedeutendste deutschsprachige KrÀuterbuch seiner Zeit.
Auswahl einheimischer KrÀuter
Viele heute gebrĂ€uchliche KrĂ€uter stammen ursprĂŒnglich aus anderen Regionen, lassen sich aber problemlos im Garten, KĂŒbel oder Balkonkasten kultivieren. Dazu gehören u.âŻa. Gartenkresse, Kapuzinerkresse, Majoran, Basilikum, Zitronenmelisse, Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei, Petersilie, Kerbel, Schnittlauch, Knoblauch oder Lavendel.
Anbau- und Verwendungstipps
Alle beschriebenen AktivitĂ€ten eignen sich gut fĂŒr die Arbeit mit Kindern und können je nach Alter unterschiedlich umfangreich gestaltet werden. Auch klassen- oder jahrgangsĂŒbergreifende Projekte bieten sich an.
Kressetopf
Ein Topf wird mit Erde oder alternativ mit KĂŒchenpapier gefĂŒllt, der Samen gleichmĂ€Ăig ausgestreut und nicht bedeckt. Der Topf sollte hell stehen und regelmĂ€Ăig gegossen werden â das Wachstum lĂ€sst sich dabei gut beobachten. Die Kresse wird frisch geschnitten. Besonders im Winter lohnt sich das NachsĂ€en. Ein verzierter Tontopf kann ein schönes Geschenk sein.
KrÀutermischungen herstellen
Dazu nutzt man KrĂ€uter, die sich gut trocknen lassen. MehrjĂ€hrige Arten sind besonders lohnend, benötigen aber ausreichend Platz sowie gelegentlich ein EinkĂŒrzen der Wurzeln. Manche Pflanzen brauchen Winterschutz.
Typische Arbeitsschritte:
- geeignete Pflanzen auswÀhlen
- Setzen und Beschriften
- regelmĂ€Ăige Pflege
- Ernte und luftiges Trocknen
- BlÀtter oder Triebe verarbeiten und verpacken
Getrocknete KrĂ€uter eignen sich hervorragend fĂŒr Schulbasare oder Erntedankfeste. Auch frische StrĂ€uĂe können dekorativ eingesetzt werden.
Frische KrÀuter im Garten
Petersilie, Kerbel, Schnittlauch, Kresse oder Kapuzinerkresse lassen sich leicht anbauen. Da Petersilie in der Aussaat manchmal anspruchsvoll ist, empfiehlt sich der Kauf junger Pflanzen. Die Ernte kann frisch genutzt oder als kleine StrĂ€uĂchen in der Schule angeboten werden. In Salaten oder bei Gesundheitstagen bereichern die KrĂ€uter das Angebot. Unreife Samen der Kapuzinerkresse lassen sich als âKapernersatzâ in Essig einlegen.
Tipp: BlĂŒten und BlĂ€tter der Kapuzinerkresse ergeben farbenfrohe StrĂ€uĂe, die mehrere Tage halten.
Mischkultur
In Mischkulturen fördern sich bestimmte Pflanzen gegenseitig. Kapuzinerkresse in der NĂ€he von Rosen oder Kohl wirkt z.âŻB. wie ein Magnet fĂŒr BlattlĂ€use â was die Kulturpflanzen entlastet.
KrĂ€uterblumenkasten oder PflanzkĂŒbel
GrundsĂ€tzlich eignen sich alle genannten KrĂ€uter auch fĂŒr BalkonkĂ€sten oder KĂŒbel. Wichtig sind passende Standortbedingungen sowie ein zuverlĂ€ssiger Winterschutz, da GefĂ€Ăe schneller durchfrieren. Eine zeitweise Kultur auf der Fensterbank ermöglicht besonders in der dunklen Jahreszeit schnellen Zugriff auf frische KrĂ€uter.
Quellen und Linktipps
Linktipps
Quellen
- (1) http://de.wikipedia.org/wiki/Heilpflanze
- (3) http://de.wikipedia.org/wiki/Pedanios_Dioskurides
- (4) ebd.
- (5) http://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_von_Bingen
Zuletzt geÀndert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit ĂŒber 20 Jahren an einer Schule. Neben der LehrertĂ€tigkeit fĂŒhrte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen ĂŒber die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.