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Elternpartizipation in der Schule

Foto von Mutter, Vater Kind beim Lernen im GrĂĽnen
Wissen und Bildung
© Kitty - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

Kinder schulinteressierter Eltern lernen erfolgreicher in der Schule. Eltern, die ihrerseits einen guten Schulabschluss haben, können ihre Kinder oft besser in schulischen Angelegenheiten unterstützen. Damit ist nicht gemeint, dass Eltern für alle Zeiten den Satz des Pythagoras anwenden können müssen. Es geht darum, dass Eltern für ihre Kinder Bedingungen schaffen, in denen sie gut lernen können, dass Kinder das lernen, was wirklich wichtig ist.

Lesedauer:
4 min

Elternpartizipation in der Schule: Warum Mitwirkung unverzichtbar ist

Eltern schaffen nicht nur zu Hause wichtige Bedingungen für Bildung und Erziehung – ihr Wissen, ihre Perspektiven und ihr Engagement sind auch in der Schule gefragt. Elternpartizipation ist ein grundlegender Bestandteil demokratischer Schulkultur. Sie ist Recht und Pflicht zugleich.


Grundlagen der Elternpartizipation: Mitwirkung durch gewählte Elternvertreter

Beteiligung ĂĽber das eigene Kind hinaus

Eltern wirken im schulischen Alltag auf zwei Ebenen mit:

  1. Individuell – z. B. im Elternsprechtag bezogen auf das eigene Kind.
  2. Strukturell – über gewählte Elternvertreter, die die Interessen aller Eltern einbringen.

Diese Form der Partizipation ist im Schulgesetz verankert. Sie sorgt dafür, dass Entscheidungen auf Augenhöhe zwischen Schule, Lehrkräften und Eltern stattfinden.

Schulkonferenz als zentrales Organ

In Nordrhein‑Westfalen sind im Primarbereich beteiligt:

  • 1 Lehrervertreter
  • 1 Elternvertreter
  • 0 SchĂĽlervertreter

Die Schulleitung führt den Vorsitz, ohne Stimmrecht – bei Stimmengleichheit entscheidet ihre Stimme.

Bezeichnungen der Elternvertretungen (Beispiele)

  • Niedersachsen: Klassenebene = Klassenelternschaft, Schulebene = Schulelternrat
  • Bayern: Elternbeirat

Elternvertreter arbeiten unabhängig, genießen rechtlichen Schutz und werden von Schulleitung und Behörden unterstützt. Post darf nicht kontrolliert oder zurückgehalten werden.


Herausforderungen bei der Wahl von Elternvertretern

Warum Schweigen entsteht

Elternabende sind oft von Zurückhaltung geprägt. Gründe dafür:

  • Angst vor Ăśberlastung durch Beruf und Familie
  • Unsicherheit ĂĽber die Aufgaben
  • Sorge, zwischen die „Fronten“ von Lehrern, Eltern und Schulleitung zu geraten
  • Komplexe schulische Herausforderungen (z. B. Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten, Finanzierung von Mensaangeboten)

Eltern, die erscheinen, sind häufig ohnehin interessiert – sodass viele potenzielle Stimmen fehlen.

Gefahr der Einseitigkeit

Oft werden gewählt:

  • Eltern mit pädagogischen oder therapeutischen Berufen
  • Lehrkräfte, die selbst Kinder in der Klasse haben

Das kann hilfreich sein – aber bildungsferne Eltern werden dadurch kaum repräsentiert. Eine Lösung für dieses strukturelle Problem steht aus.


Weitere Formen der Mitwirkung: Wie Eltern den Schulalltag prägen

Elternpartizipation beschränkt sich nicht auf Ämter. Sie findet auch statt durch:

  • regelmäßige Teilnahme an Elternabenden
  • Gespräche mit Lehrkräften
  • UnterstĂĽtzung häuslicher Lernbedingungen
  • RĂĽckmeldungen ĂĽber das Wohlbefinden der Kinder
  • Teilnahme an Projekten oder AusflĂĽgen

Missverständnis „Ganztagsschule“

Ganztagsschulen führen oft zu der irrigen Annahme, Schule übernehme Erziehung vollständig. Tatsächlich werden Eltern hier noch stärker gebraucht – etwa bei:

  • RĂĽckmeldungen ĂĽber Ăśberlastung oder fehlende Ruhezeiten
  • UnterstĂĽtzung sozialer und emotionaler Entwicklung
  • Mitgestaltung schulischer Angebote

Einige Länder diskutieren deshalb über eine Teilnahmepflicht an bestimmten Elternabenden.

Erwartungen an Eltern

Lehrerverbände betonen: Eltern wirken bereits durch grundlegende Fürsorge mit – saubere Kleidung, ausreichender Schlaf, gutes Frühstück.
Manche schlagen verbindliche „Eltern-Lehrer-Verträge“ vor, formuliert in mehreren Sprachen, um Erwartungen klar zu definieren und Missverständnisse abzubauen.


Kommentar: Partizipation als gemeinsame Verantwortung

Eltern, Schüler und Lehrkräfte sind gemeinsam Verantwortungsträger. Schule kann ohne die Unterstützung der Eltern kaum funktionieren. Gleichzeitig ist Partizipation nicht immer sichtbar – besonders bei Verhaltensproblemen oder Leistungseinbrüchen.

Was Elternvertreter brauchen

Wer verantwortlich mitentscheiden will, sollte:

  • Interesse am Schulalltag zeigen
  • sich informieren
  • vertrauensvoll mit Lehrkräften zusammenarbeiten

Eltern müssen nicht alle schulischen Fachfragen kennen – bei Entscheidungen in der Schulkonferenz folgt man häufig begründet der Expertise von Lehrkräften oder Fachinstanzen.

Partizipation endet nicht am Schultor

Auch wenn Kinder eine Ganztagsschule besuchen, bleibt Elternmitwirkung unverzichtbar. Sie sorgt für Transparenz, stärkt Schulqualität und unterstützt die Entwicklung der Kinder.


Buch- und Linktipps

Buchtipps:

  • Christian JĂĽlich: Das neue Schulgesetz Nordrhein-Westfalens (4. Auflage, 2012, Carl Link Verlag)
  • Viviane Nabi Acho: Elternarbeit mit Migrantenfamilien (2011, Centaurus Verlag)

Linktipps:

  • Bundesagentur fĂĽr Arbeit: www.arbeitsagentur.de
  • Portal „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (NRW): www.keinabschlussohneanschluss.nrw.de

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Mitspracherecht
Elternarbeit
Zusammenarbeit
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Eltern
zum Wohl des Kindes
Schulgesetz
Elternvertreter
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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