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Faulsein in der Schule

Gelangweilte SchĂŒlerin in der Schule
Entwicklung und Erziehung
© Karramba Production - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

Faulsein hat keinen guten Ruf in der Schule. Ein fauler SchĂŒler erledigt die Hausaufgaben nicht zuverlĂ€ssig, arbeitet im Unterricht zu selten mit und trĂ€gt meistens auch insgesamt wenig zu einem Gelingen des Unterrichts bei, denn guter Unterricht lebt nicht zuletzt von Kommunikation und gezeigter Leistungsbereitschaft.

Lesedauer:
7 min

Faulheit in der Schule – zwischen Vorurteil, Entwicklungsaufgabe und pĂ€dagogischer Herausforderung

Der Begriff Faulheit hat in der Schule keinen guten Ruf. Ein „fauler SchĂŒler“ erledigt die Hausaufgaben nicht, beteiligt sich selten am Unterricht und trĂ€gt wenig zu einem gelingenden Lernprozess bei. Unterricht lebt jedoch von aktiver Mitarbeit, Kommunikation und Motivation – weshalb Faulsein und Schule schnell in Konflikt geraten.

Trotzdem lohnt es sich, differenziert hinzuschauen. Hinter vermeintlicher Faulheit steckt oft mehr als fehlender Wille.


Was bedeutet „Faulheit“ in der Schule eigentlich?

Faulheit ist ein alltagssprachlicher, eher altmodischer Begriff.
In der SchulpÀdagogik spricht man stattdessen von:

  • mangelnder Motivation,
  • geringer Leistungsbereitschaft,
  • oder Leistungsverweigerung.

Typische Beobachtungen:

  • Beteiligung ist stark schwankend oder minimal.
  • SchĂŒler wirken körperlich anwesend, aber geistig abwesend.
  • Antworten sind einsilbig oder gar nicht vorhanden.
  • Kombination mit „Frechheit“ erschwert die Situation zusĂ€tzlich.
  • SchwĂ€nzen gilt als extremste Form der Leistungsverweigerung.

Wenn viele Kinder in einer Klasse „nicht wollen“, wird Unterricht nahezu unmöglich. Solche Situationen sind zwar selten, belasten LehrkrĂ€fte aber stark – bis hin zu Krankheit oder FrĂŒhpensionierungen.


Arbeitsverhalten und Zeugnisse – politische und pĂ€dagogische Dimension

Faulheit bzw. Fleiß zeigt sich auf Zeugnissen in Form von:

  • Kopfnoten (Arbeits- und Sozialverhalten)
  • Bemerkungen im Zeugnis
  • Anzahl der unentschuldigten Fehltage

Doch welche Angaben erscheinen dĂŒrfen oder mĂŒssen, ist hochgradig unterschiedlich geregelt – je nach:

  • Bundesland
  • Schulform
  • politischen BeschlĂŒssen
  • Konferenzentscheidungen

Die Debatte ist kontrovers:

Argumente fĂŒr die Bewertung des Arbeitsverhaltens

  • wichtig fĂŒr Bildung & Erziehung
  • ermöglicht Transparenz fĂŒr Eltern
  • schafft Anreize fĂŒr bessere Mitarbeit

Argumente gegen

  • Gefahr von „FleißkĂ€rtchen-PĂ€dagogik“
  • begĂŒnstigt oberflĂ€chlich angepasstes Verhalten
  • Arbeitsverhalten fließt ohnehin in Fachnoten ein

LehrkrĂ€fte sind oft unsicher, welche Formulierungen aktuell zulĂ€ssig sind – hier hilft ein Blick ins Schulamt oder in die jeweiligen Verwaltungsvorschriften.

Eine Alternative zum Zeugnis:

  • zusĂ€tzlicher Elternbrief
  • pĂ€dagogisches GesprĂ€ch mit Eltern und Kind

Ein Lob der Faulheit? – Warum RĂŒckzug wichtig sein kann

So negativ Faulheit klingt – sie hat auch eine funktionale Seite.

RĂŒckzugsphasen dienen der Erholung

  • Das Gehirn verarbeitet Informationen.
  • Neue Ideen entstehen oft in Pausen.
  • Schlaf und Erholung fördern GedĂ€chtnisleistung.
  • Mental erschöpfte SchĂŒler wirken manchmal „faul“, tanken aber nur Energie.

In der PubertĂ€t gehört „Faulsein“ zur Entwicklung

  • Abgrenzung von Eltern und Lehrern
  • Ablehnung von Leistungsdruck
  • Suche nach eigener IdentitĂ€t
  • „Strebersein“ ist unpopulĂ€r

Viele Jugendliche verweigern Aufgaben nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus EntwicklungsgrĂŒnden.

Auch Persönlichkeit spielt eine Rolle

  • manche Menschen sind natĂŒrlicherweise phlegmatischer
  • Schule als „kĂŒnstlicher Raum“ fĂ€llt ihnen besonders schwer
  • außerhalb der Schule zeigen sie oft mehr Fleiß

Kurz:
Gelegentliches Faulsein ist menschlich – und manchmal sogar nötig.


Faulheit begegnen – Motivation aufbauen

Faulheit bekÀmpft man nicht mit Strafen, sondern durch:

a) abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung

  • vielfĂ€ltige Aufgabenformate
  • Medienwechsel
  • offene Unterrichtsformen
  • selbststĂ€ndiges Arbeiten mit klarer Struktur

b) Förderung von Selbstlernkompetenzen

Viele Kinder können ihr Lernen nicht intuitiv organisieren.
Sie brauchen:

  • Lernstrategien
  • Methodenkompetenz
  • Hilfen zur Selbststrukturierung

c) vertrauensvolle Beziehung

Nur wer Vertrauen aufbaut, kann herausfinden:

  • WofĂŒr brennt das Kind?
  • Was motiviert es?
  • Welche Ziele hat es?

Eltern können mit ihren Hinweisen helfen – WĂŒnsche, Talente und TrĂ€ume spielen eine große Rolle.

d) Ursachenforschung

Manche SchĂŒler strengen sich nicht an, weil:

  • ihnen bisher alles leichtfiel
  • sie keine Vorbilder fĂŒr Leistungsbereitschaft haben
  • Schule im Elternhaus wenig Bedeutung besitzt
  • seelische oder soziale Probleme bestehen

Bei psychischen Belastungen (z. B. Depression) muss zuerst das seelische Wohl gestĂ€rkt werden.

e) Erfolgserlebnisse ermöglichen

Motivation entsteht durch:

  • kleine Erfolge
  • Anerkennung
  • Fortschritte, die sichtbar sind

Wenn Faulheit eine Lebenseinstellung ist

Einige Ă€ltere SchĂŒler entscheiden bewusst, sich nicht anzustrengen.
Dann ist „Faulheit“ keine pĂ€dagogische Aufgabe mehr, sondern:

âžĄïž eine persönliche Entscheidung mit entsprechenden Konsequenzen.

Schule kann unterstĂŒtzen – aber nicht den Lebensweg vollstĂ€ndig steuern.


Kommentar: Faulheit provoziert – und ist dennoch verstĂ€ndlich

Der Begriff „faul“ ist unscharf und meist negativ aufgeladen.
Doch:

  • Faulheit ist selten dauerhaft extrem.
  • Fast alle SchĂŒler haben „faule Phasen“.
  • Schule fordert permanente Leistungsbereitschaft – ein Zustand, den selbst Erwachsene im Beruf selten bewĂ€ltigen mĂŒssen.
  • Kinder suchen sich deshalb kleine Fluchten – das ist menschlich.

Auch LehrkrĂ€fte kennen Vorurteile: Die unsachliche Bezeichnung „faule SĂ€cke“ hat dem Lehrerberuf geschadet.
Gerade deswegen sollten Lehrer selbst vorsichtig sein, wenn sie SchĂŒlerinnen und SchĂŒler als „faul“ abstempeln.


Buchtipps

  • Formulierungshilfen fĂŒr Schulberichte & Zeugnisse, Medienwerkstatt MĂŒhlacker (5. Auflage, 2010)
  • Langer, Andreas et al.: Lehrer beobachten und beurteilen SchĂŒler (Oldenbourg, 2. Auflage, 2009)
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Themen:
faul
keine Lust
lernen
Motivation
schwÀnzen
verweigern
null Bock
Verhalten
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin fĂŒr verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zĂ€hlen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestĂŒtztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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