Faulsein in der Schule
Faulsein in der Schule
Faulsein hat keinen guten Ruf in der Schule. Ein fauler Schüler erledigt die Hausaufgaben nicht zuverlässig, arbeitet im Unterricht zu selten mit und trägt meistens auch insgesamt wenig zu einem Gelingen des Unterrichts bei, denn guter Unterricht lebt nicht zuletzt von Kommunikation und gezeigter Leistungsbereitschaft.
Faulheit in der Schule – zwischen Vorurteil, Entwicklungsaufgabe und pädagogischer Herausforderung
Der Begriff Faulheit hat in der Schule keinen guten Ruf. Ein „fauler Schüler“ erledigt die Hausaufgaben nicht, beteiligt sich selten am Unterricht und trägt wenig zu einem gelingenden Lernprozess bei. Unterricht lebt jedoch von aktiver Mitarbeit, Kommunikation und Motivation – weshalb Faulsein und Schule schnell in Konflikt geraten.
Trotzdem lohnt es sich, differenziert hinzuschauen. Hinter vermeintlicher Faulheit steckt oft mehr als fehlender Wille.
Was bedeutet „Faulheit“ in der Schule eigentlich?
Faulheit ist ein alltagssprachlicher, eher altmodischer Begriff.
In der Schulpädagogik spricht man stattdessen von:
- mangelnder Motivation,
- geringer Leistungsbereitschaft,
- oder Leistungsverweigerung.
Typische Beobachtungen:
- Beteiligung ist stark schwankend oder minimal.
- Schüler wirken körperlich anwesend, aber geistig abwesend.
- Antworten sind einsilbig oder gar nicht vorhanden.
- Kombination mit „Frechheit“ erschwert die Situation zusätzlich.
- Schwänzen gilt als extremste Form der Leistungsverweigerung.
Wenn viele Kinder in einer Klasse „nicht wollen“, wird Unterricht nahezu unmöglich. Solche Situationen sind zwar selten, belasten Lehrkräfte aber stark – bis hin zu Krankheit oder Frühpensionierungen.
Arbeitsverhalten und Zeugnisse – politische und pädagogische Dimension
Faulheit bzw. Fleiß zeigt sich auf Zeugnissen in Form von:
- Kopfnoten (Arbeits- und Sozialverhalten)
- Bemerkungen im Zeugnis
- Anzahl der unentschuldigten Fehltage
Doch welche Angaben erscheinen dürfen oder müssen, ist hochgradig unterschiedlich geregelt – je nach:
- Bundesland
- Schulform
- politischen Beschlüssen
- Konferenzentscheidungen
Die Debatte ist kontrovers:
Argumente für die Bewertung des Arbeitsverhaltens
- wichtig für Bildung & Erziehung
- ermöglicht Transparenz für Eltern
- schafft Anreize für bessere Mitarbeit
Argumente gegen
- Gefahr von „Fleißkärtchen-Pädagogik“
- begünstigt oberflächlich angepasstes Verhalten
- Arbeitsverhalten fließt ohnehin in Fachnoten ein
Lehrkräfte sind oft unsicher, welche Formulierungen aktuell zulässig sind – hier hilft ein Blick ins Schulamt oder in die jeweiligen Verwaltungsvorschriften.
Eine Alternative zum Zeugnis:
- zusätzlicher Elternbrief
- pädagogisches Gespräch mit Eltern und Kind
Ein Lob der Faulheit? – Warum Rückzug wichtig sein kann
So negativ Faulheit klingt – sie hat auch eine funktionale Seite.
Rückzugsphasen dienen der Erholung
- Das Gehirn verarbeitet Informationen.
- Neue Ideen entstehen oft in Pausen.
- Schlaf und Erholung fördern Gedächtnisleistung.
- Mental erschöpfte Schüler wirken manchmal „faul“, tanken aber nur Energie.
In der Pubertät gehört „Faulsein“ zur Entwicklung
- Abgrenzung von Eltern und Lehrern
- Ablehnung von Leistungsdruck
- Suche nach eigener Identität
- „Strebersein“ ist unpopulär
Viele Jugendliche verweigern Aufgaben nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Entwicklungsgründen.
Auch Persönlichkeit spielt eine Rolle
- manche Menschen sind natürlicherweise phlegmatischer
- Schule als „künstlicher Raum“ fällt ihnen besonders schwer
- außerhalb der Schule zeigen sie oft mehr Fleiß
Kurz:
Gelegentliches Faulsein ist menschlich – und manchmal sogar nötig.
Faulheit begegnen – Motivation aufbauen
Faulheit bekämpft man nicht mit Strafen, sondern durch:
a) abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung
- vielfältige Aufgabenformate
- Medienwechsel
- offene Unterrichtsformen
- selbstständiges Arbeiten mit klarer Struktur
b) Förderung von Selbstlernkompetenzen
Viele Kinder können ihr Lernen nicht intuitiv organisieren.
Sie brauchen:
- Lernstrategien
- Methodenkompetenz
- Hilfen zur Selbststrukturierung
c) vertrauensvolle Beziehung
Nur wer Vertrauen aufbaut, kann herausfinden:
- Wofür brennt das Kind?
- Was motiviert es?
- Welche Ziele hat es?
Eltern können mit ihren Hinweisen helfen – Wünsche, Talente und Träume spielen eine große Rolle.
d) Ursachenforschung
Manche Schüler strengen sich nicht an, weil:
- ihnen bisher alles leichtfiel
- sie keine Vorbilder für Leistungsbereitschaft haben
- Schule im Elternhaus wenig Bedeutung besitzt
- seelische oder soziale Probleme bestehen
Bei psychischen Belastungen (z. B. Depression) muss zuerst das seelische Wohl gestärkt werden.
e) Erfolgserlebnisse ermöglichen
Motivation entsteht durch:
- kleine Erfolge
- Anerkennung
- Fortschritte, die sichtbar sind
Wenn Faulheit eine Lebenseinstellung ist
Einige ältere Schüler entscheiden bewusst, sich nicht anzustrengen.
Dann ist „Faulheit“ keine pädagogische Aufgabe mehr, sondern:
➡️ eine persönliche Entscheidung mit entsprechenden Konsequenzen.
Schule kann unterstützen – aber nicht den Lebensweg vollständig steuern.
Kommentar: Faulheit provoziert – und ist dennoch verständlich
Der Begriff „faul“ ist unscharf und meist negativ aufgeladen.
Doch:
- Faulheit ist selten dauerhaft extrem.
- Fast alle Schüler haben „faule Phasen“.
- Schule fordert permanente Leistungsbereitschaft – ein Zustand, den selbst Erwachsene im Beruf selten bewältigen müssen.
- Kinder suchen sich deshalb kleine Fluchten – das ist menschlich.
Auch Lehrkräfte kennen Vorurteile: Die unsachliche Bezeichnung „faule Säcke“ hat dem Lehrerberuf geschadet.
Gerade deswegen sollten Lehrer selbst vorsichtig sein, wenn sie Schülerinnen und Schüler als „faul“ abstempeln.
Buchtipps
- Formulierungshilfen für Schulberichte & Zeugnisse, Medienwerkstatt Mühlacker (5. Auflage, 2010)
- Langer, Andreas et al.: Lehrer beobachten und beurteilen Schüler (Oldenbourg, 2. Auflage, 2009)
Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.